Schulalltag

Zwischen Unterricht und Nachhilfe: Das Mathe-Problem wächst

Bildung & Beruf · · 3 Min. Lesezeit · von Harriet von Schwerin
Mathe Nachhilfe
Was früher eher temporär war, ist heute der Standard: Mathenachhilfe für alle, über alle Altersstufen hinweg ...

Mathematik ist für viele Schüler das schwierigste Fach – und der Nachhilfemarkt wächst seit Jahren. Studien zeigen, dass immer mehr Familien auf zusätzliche Unterstützung setzen. Experten sehen darin ein Symptom, aber nicht unbedingt die beste Lösung.

Nachhilfeunterricht hat sich in Deutschland über das vergangene Jahrzehnt zu einem festen Bestandteil des Bildungssystems entwickelt – insbesondere im Fach Mathematik. Was früher vor allem als kurzfristige Unterstützung bei schlechten Noten galt, ist heute für viele Familien eine dauerhafte Ergänzung zur Schule.

Mathe bleibt das größte Sorgenfach

Die IQB-Bildungsstudie von 2024 stellte fest, dass bundesweit 34 Prozent der Neuntklässler den Mindeststandard für den Mittleren Bildungsabschluss (MSA) im Fach Mathematik nicht erfüllen. Anspruch der Schulen und Wirklichkeit klaffen also auseinander. Ergebnis: schlechte Noten, Eltern buchen Nachhilfe. Studien der Bertelsmann-Stiftung und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) datieren von 2016 und befassen sich mit Nachhilfe. „Der Anteil der 17-jährigen, die erklären, jemals Zusatzunterricht in Anspruch genommen zu haben, (ist) seit 2000 um knapp 75 Prozent gestiegen“, so ein Ergebnis der DIW-Studie.  Mathematik ist mit Abstand das häufigste Problemfach. Kinder aus der sogenannten „Mittelschicht“ nehmen verstärkt Nachhilfe. Es geht nicht immer um schlechte Noten, auch für Schüler mit befriedigenden Ergebnissen buchen Eltern externe Unterstützung. Manchmal, um Zugang zum gewünschten Studiengang zu erhalten.

Nachfrage bei Experten. Das Abitur bereite auf ein Studium vor, „an den Unis verlangt man noch mehr“, sagt Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Er bricht eine Lanze fürs deutsche Bildungssystem. Anders als zum Beispiel in Großbritannien biete Deutschland eine breite Ausbildung mit Mathe bis zum Abi. Nachhilfe sei nicht wünschenswert, so Düll. Besser: Selbststudium und Dranbleiben. Falls die Anforderungen im Gymnasium zu hoch seien, solle man einen anderen Bildungsweg wählen.

Individuelle Förderung statt Frust

Düll und auch Mathe-Trainer Dr. Thor Wegner aus Blankenese betonen: Ohne Mathe geht es nicht. Düll hebt die Notwendigkeit hervor, dass junge Menschen Naturwissenschaften studierten. Unabdingbar dafür: Mathe. Wegner sagt, der Schüler gehe im Fach Mathe durch eine unentbehrliche Denkschule, die auch in anderen Fächern nützt. Es sei das einzige Fach, wo man lerne, in logischen Zusammenhängen zu denken. Wegner erläutert, die Grundlagen wie Geometrie, Bruch- und Potenzrechnen seien essenziell, um in der Oberstufe Analysis, Stochastik und Vektor-Algebra beherrschen zu können und meint: „Das alles kann man sehr klar und fokussiert erklären.“ Auf Youtube hat er Tutorials eingestellt, wo von binomischen Formeln bis Integralrechnung einiges zu finden ist.

„Die Grundlagen sind essenziell. Das alles kann man sehr klar und fokussiert erklären.“

Dr. Thor Wegner
Mathe-Trainer aus Blankenese

Wichtig sei es, die Herausforderungen für den einzelnen Jugendlichen zu erkennen und dort individuell anzusetzen: „Beide Hirnhälften, das bildhafte und das logische Denken, so trainieren, dass es Freude macht.“ Es sei auch gut, ein gewisses Tempo zu erreichen. Er kenne Tricks zur Übung. Ein etwas anderes Konzept verfolgen Unternehmen wie etwa die Schülerhilfe. Dort unterrichtet ein Lehrer in Kleingruppen, was insbesondere für Oberstufenschüler, die zwischendurch sehr lange rechnen, sinnvoll ist. Geringere Kosten sind der Vorteil.

Harriet von Schwerin
Harriet von Schwerin
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