Blankeneser Bahnhof: Vom Kopfbahnhof zur „Urzelle“ der Hamburger S-Bahn
Als 1867 die ersten Züge in Blankenese ankamen, war die Strecke noch eingleisig und Dampflokomotiven bestimmten das Bild. Aus dem damaligen Kopfbahnhof entwickelte sich ein wichtiger Teil des Hamburger Bahnnetzes. Sein historisches Empfangsgebäude hat fast 160 Jahre Wandel überstanden.
Mehrfach erforscht und berichtet wurde, dass der Blankeneser Bahnhof 1867 als Kopfbahnhof fertiggestellt worden war und seinen Betrieb aufnahm. Die eingleisige Strecke, auf der bis zur Elektrifizierung 1907/1908 die Züge von Dampf-Lokomotiven gezogen wurden, hatte anfangs nur die Zwischenstationen Bahrenfeld und Flottbek. Die durchgehende Verbindung von Blankenese zum zukünftigen Hamburger Hauptbahnhof bewirkte einen Mehrverkehr, den die eingleisige Strecke schließlich nicht mehr aufnehmen konnte.
Durch Gesetz wurde 1892 der zweigleisige Ausbau der Blankeneser Bahn beschlossen. Die den Erfordernissen angepassten baulichen und technischen Maßnahmen bewirkten die Einführung der Bahnlinie in den neuen Altonaer Hauptbahnhof und den Ausbau weiterer Zwischenstationen. Eine Merkwürdigkeit der Strecke nach Blankenese ist, dass mit einer Ausnahme keiner der Bahnhöfe auf dem Gebiet liegt, dessen Namen er trägt. Der Bahnhof Bahrenfeld befand sich in der Gemarkung Othmarschen, der Bahnhof Othmarschen teils in Bahrenfeld und teils in Groß Flottbek, der Bahnhof Hochkamp liegt auf Nienstedtener Gebiet und der Bahnhof Blankenese in Dockenhuden. Der Ausgangspunkt Altonaer Bahnhof lag streng genommen in der alten Feldmark Ottensen. Seit 2023 besteht der neue Bahnhof Ottensen.
Die „Urzelle“ der Hamburger S-Bahn
In den Jahren der „schönen Epoche“ von 1884 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 erhielt die Bahn ihr prägendes Gesicht und Struktur. Nachzufolgen, überliefert und erkennbar auf den vielen Bild-Postkarten bis in die Gegenwart. Niemand konnte damals ahnen, dass diese Bahnstrecke von Blankenese über Altona zum Hamburger Hauptbahnhof die „Urzelle“ der heutigen Hamburger S-Bahn werden würde.
Der Blankeneser Bahnhof, dessen Kernbau 1866/67 errichtet wurde, ist mit seinem Empfangsgebäude ein Zeitzeuge des frühen Schienenverkehrs und damit ein technisches Baudenkmal. Das Bauwerk wurde im historisierenden Stil geschaffen, mit romanischem Bogenfries, gotischen Vierpässen sowie Rundbogenfenstern und Säulchen in Renaissance- und klassizistischen Formen als Dekor. Die repräsentative Ausführung spiegelte in gewisser Weise den überwiegend villenähnlichen Charakter der westlichen Elbvororte. An der Platzseite war ursprünglich ein Anbau mit Bahnhofsgaststätte angeschlossen. Platzseitig war das Gebäude zweigeschossig, zu den Bahnsteigen hin dreigeschossig angelegt. 1911 und 1922 wurde der Komplex erneut erweitert, 1953 eine Ladenzeile angefügt.
Als Blankenese um seinen Bahnhof stritt
Ab 1990 wurden Pläne zu einer neuen Bebauung des Blankeneser Bahnhofs für die Ortszentrumsentwicklung veröffentlicht. Mitte der neunziger Jahre nahm der Investor Büll & Liedtke diese Pläne auf und stellte sie der Öffentlichkeit vor. Es kam zu einem Wettbewerb unter fünf renommierten Hamburger Architekten. Doch dann begann der Aufstand durch die Bürger, voran der Blankeneser Bürger-Verein. Dazu veröffentlichte der Architekturkritiker Hanno Rauterberg, Journalist, Kunstkritiker sowie Autor, einen 10-seitigen Beitrag im Jahrbuch 2001, Architektur in Hamburg. Zitat: „Die prominent besetzte Jury unter dem damaligen Oberbaudirektor K. kürte ein Büro zum Sieger. Dem Bau schien nichts mehr im Wege zu stehen. Doch dann begann der Aufstand – den Wettbewerb haben die Architekten gewonnen, die Zustimmung der Anwohner aber nicht.“ Ein zusätzlicher Entwurf der Architekten G. fand Anerkennung und wurde gebaut.
Erst Anfang 2007 begannen die Baumaßnahmen, im Oktober 2008 wurde das historische Bahnhofsgebäude unter Denkmalschutz gestellt und im Mai 2009 wurde mit dem symbolischen Pflanzen einer Waldkiefer durch BzA-Leiter Jürgen Warmke-Rose und Projektleiter Manfred Mörl auf dem Platz gegenüber dem historischen Bahnhofsgebäude der Blankeneser Bahnhofsplatz offiziell eingeweiht. Die Erneuerung und Gestaltung des ehemaligen Bahnhofplatzes, seit 2007 in Erik-Blumenfeld-Platz umbenannt, ließ das Bahnhofsgebäude in seiner optischen Wirksamkeit etwas in den Hintergrund treten.
Trotz der zahlreichen Veränderungen und dem Wegfall des Güterbahnhofs sowie anderer Aufgaben des Bahnverkehrs, kommt dem ältesten noch in Funktion befindlichen Bahnhofsgebäude in Hamburg ein besonderer Rang zu. Er ist ein ortshistorischer architektonischer Blickpunkt in der Gegenwartsumgebung mit baukastenartigen Zweckbauten. Man kann sich daran gewöhnen!