Digitalisierung

Bürgerservice in Blankenese: Wie sicher ist der Standort?

Blankenese · · 4 Min. Lesezeit · von Anna-Lena Walter
Der Eingang des Ortsamts Blankenese.
Schließen sich die Türen des Ortsamts bald für immer?

Bleibt der Hamburg Service vor Ort in Blankenese erhalten? Im Stadtteil kursieren Gerüchte über eine mögliche Schließung 2027. Gerade für ältere und weniger mobile Menschen wäre der Wegfall des Standorts problematisch. Der KLÖNSCHNACK hat bei der zuständigen Finanzbehörde nachgefragt.

Besorgt blickt Renate A. (86) auf die Tür des Blankeneser Ortsamts, neudeutsch „Hamburg Service vor Ort“. Sie hat gehört, dass dieser Service schon 2027 nicht mehr vor Ort sein soll. Für die Rentnerin eine Katastrophe. „Meine Mobilität ist leider eingeschränkt. Ich bin froh, wenn ich kurze Wege habe.“
Nachdem 2024 in ganz Hamburg die Öffnungszeiten dieser Servicestellen bereits stark eingeschränkt wurden – laut den Behörden wegen schwindender Kundenzahlen und Mitarbeitermangel – werden immer mehr Services digital angeboten.

Dazu zählen: den Wohnsitz umzumelden, ein Führungszeugnis, Elterngeld oder Kita-Gutscheine zu beantragen sowie Ganztagsanmeldungen vorzunehmen. Man kann sein Auto an- oder ummelden und online seine Rentenpunkte einsehen. Auch Termine für den Service vor Ort vereinbart man heute online. Da fängt für Renate A. das Problem allerdings schon an. „Für einen neuen Ausweis muss ich mir online einen Termin buchen. Ich habe aber keinen Computer.“

„Für einen neuen Ausweis muss ich mir online einen Termin buchen. Ich habe aber keinen Computer.“

Renate A.

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung bietet viele Vorteile – allerdings nicht für alle Generationen. „Behördengänge“ lassen sich einfacher von zu Hause erledigen, Anträge schneller bearbeiten und Wartezeiten verkürzen. Der Landes-Seniorenbeirat Hamburg (LSB) begrüßt diese Entwicklung laut Pressemitteilung ausdrücklich. Mit Sorge betrachtet die Seniorenvertretung jedoch Pläne des Hamburger Senats, künftig digitale Anträge teilweise günstiger anzubieten, während persönliche Antragstellungen vor Ort teurer werden sollen. Dies hatte Bürgermeister Peter Tschentscher am 24. Juni bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs für das Jahr 2027/28 angekündigt.

Für viele ältere Menschen ist der persönliche Kontakt zur Verwaltung weiterhin unverzichtbar. Zwar nutzen immer mehr Senioren digitale Angebote, dennoch verfügen längst nicht alle über die notwendige technische Ausstattung oder die erforderlichen digitalen Kompetenzen. Hinzu kommen laut LSB Menschen mit körperlichen Einschränkungen, Sehbeeinträchtigungen oder fehlendem Internetzugang. Zwar teilt der Senat mit, dass Digital-Lotsen dauerhaft Hilfestellung in den Standorten des Hamburg Service vor Ort, also in den Kundenzentren, leisten würden; leider wird der Service nicht in allen Bezirken, darunter Blankenese, angeboten.

Aus einer Kleinen Anfrage der Linken an den Senat geht hervor, dass auch die zugehörigen Bezirksämter unter hohem Druck stehen. Laut der Linksfraktion waren zum 30. Juni dieses Jahres 743,7 Stellen in den Bezirksämtern nicht besetzt. Besonders hoch fiel die Quote vakanter Stellen im Bezirksamt Mitte (12,79 Prozent) und in Wandsbek (11,03 Prozent) aus.

Dr. Andreas Dressel, Senator
Dr. Andreas Dressel ist Senator, Präses der Behörde für Finanzen und Bezirke und Mitglied des Bundesrates.

Auch die Belastung und der Krankenstand der Amtsmitarbeiter seien hoch: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in den Hamburger Bezirksämtern insgesamt 182 Überlastungsanzeigen von den Mitarbeitenden registriert. Dazu Marco Hosemann, bezirkspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die Bezirksämter sollen die Grundversorgung der Stadt gewährleisten, sie sind die Ansprechpartner der Stadt für alle Belange der Bürger.“ Auf eine Klönschnack-Anfrage bei der Pressestelle der Finanzbehörde gibt es nun eine Antwort des Senators. Die aber fällt vage aus.

„Ziel ist es, auch künftig hamburgweit ein verlässliches und regelmäßiges Angebot auch in der Fläche und gerade in den Außenbezirken zu sichern.“

Dr. Andreas Dressel, Senator

Dr. Andreas Dressel: „Angesichts zunehmender Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen und der Erfordernisse der Haushaltskonsolidierung laufen derzeit Prüfungen, wie das Leistungsangebot des Hamburg Service künftig noch effizienter gestaltet und gleichzeitig das hohe Niveau des Bürgerservice beibehalten werden kann.“ Weiter sagt er: „Ziel ist es, auch künftig hamburgweit ein verlässliches und regelmäßiges Angebot auch in der Fläche und gerade in den Außenbezirken zu sichern. Vor jeder Angebotsveränderung werden die Bezirksversammlungen entsprechend beteiligt.“

Bezirkssenator Dr. Andreas Dressel stellt deshalb klar: „Auch in Zukunft sollen die Hamburgerinnen und Hamburger innerhalb von 14 Tagen einen Termin in einem der Standorte bei Einwohnerangelegenheiten wahrnehmen können. Und selbst bei eventuellen Angebotsveränderungen bei einzelnen Standorten in einzelnen Stadtteilen gilt: Der Hamburg Service bleibt auch dort vor Ort.“

Anna-Lena Walter
Anna-Lena Walter
Redakteurin Print / Online
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