725 Jahre Blankenese

Die grünen Oasen Blankeneses erzählen Geschichte

Blankenese · · 5 Min. Lesezeit · von Francesca Lauenburg
Die Lindenallee im Hirschpark
Ein Klassiker: Die Lindenallee im Hirschpark

Sie gehören zu den schönsten Spazierzielen Hamburgs – und erzählen gleichzeitig ein Stück Blankeneser Geschichte. Hinter alten Alleen, prachtvollen Bäumen und weiten Elbblicken verbergen sich die Geschichten von Kaufleuten, Reedern und Bankiers, die den Stadtteil bis heute geprägt haben.

Sie prägen das Bild Blankeneses ebenso wie das Treppenviertel und die Elbe: die Parks entlang des Elbhangs.
Hinter Alleen, Wiesen und beeindruckenden Ausblicken verbergen sich alte Geschichten von Kaufleuten, Reedern und Bankiers, die Blankenese auf besondere Weise geprägt haben. Werfen wir einen Blick auf einige der schönsten und geschichtsträchtigsten Grünanlagen, die Hamburg zu bieten hat.

Hirschpark

Dass der Hirschpark eigentlich zu Nienstedten gehört, ist eines jener Themen, über die man am Elbhang streiten kann. Er ist ein grüner Lieblingsort beider Stadtteile, dessen tatsächliche Grenze im Alltag kaum jemand wahrnimmt.
Der Hirschpark mit seinem rund 270 Jahre alten Berg-Ahorn, einen der ältesten und bedeutendsten Bäume Hamburgs, ging im Jahr 1786 in den Besitz des Kaufmanns Johann Caesar Godeffroy über. Das klassizistische Landhaus, häufig auch Godeffroy-Haus oder Hirschparkhaus genannt, ließ Godeffroy vom später berühmten Architekten Christian Frederik Hansen entwerfen. Zusätzlich entstand um 1800 ein reetgedecktes Kavaliershaus, dessen historisches Gemäuer heute das Restaurant Witthüs beherbergt.

Ein direkter Familiennachfahre, ebenfalls Johann Cesar Godeffroy genannt, ließ um 1860 das Hirschgatter anlegen, dem der Park seinen heutigen Namen verdankt. Die Tiere des Geheges wurden allerdings Anfang dieses Jahres in das Wildgehege Klövensteen umgesiedelt. Im Jahr 1924 erwarb die Gemeinde Blankenese das Anwesen. Drei Jahre später wurde es durch die Stadt Altona der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und durch Ferdinand Tutenberg zu einer öffentlichen Parkanlage umgestaltet. Neben den historischen Gebäuden ist der Hirschpark insbesondere für seine imposante Lindenallee bekannt.

Baurs Park

Zwischen 1802 und 1817 erwarb der Altonaer Kaufmann und Reeder Georg Friedrich Baur nach und nach elf Grundstücke am nördlichen Elbhang in Blankenese. Schon zu Beginn ließ er dort den Kanonenberg aufsetzen, von dem aus er einlaufende Schiffe beobachten und mit Böllerschüssen begrüßen konnte. Der französische Architekt und Landschaftsgärtner Joseph Ramée gestaltete das Gelände zu einem romantischen Landschaftspark im englischen Stil. Er errichtete Tempel, Waldhütten, einen chinesischen Pagodenturm, eine künstliche Turmruine und eine Orangerie.

Von 1829 bis 1836 ließ Baur ein Landhaus im Park errichten, das bis heute erhalten ist und unter dem Namen Katharinenhof bekannt wurde. 1839 wurde außerdem ein Stallgebäude fertiggestellt, das ebenfalls noch besteht – der heutige Musenstall. 1921 verkaufte die Familie Baur das Anwesen. Schließlich ging es 1939 vollständig in den Besitz der Stadt Hamburg über.

Hessepark

Der Hessepark entstand Ende des 18. Jahrhunderts, als der Hamburger Kaufmann Rütger Heinrich Klünder das damals baumlose Gelände erwarb und zu einem Landschaftspark umgestalten ließ. 1876 kaufte der Bankier George Heinrich Hesse den Park, der 1926 an die Landgemeinde Blankenese verkauft wurde. Das dazugehörige denkmalgeschützte Gebäude gehört heute zur 2008 im Hessepark eröffneten Bugenhagen-Schule. Der Park beherbergt außerdem die Skulptur „Die kleine Elbjungfrau“ (1926), ein Werk des Kunstprofessors Arthur Bock (1875 bis 1957), sowie das Hessebad, ein Freibad, das heute vorwiegend von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Blankenese genutzt wird.

Gedenkstein im Gosslers Park
Gedenkstein im Gosslers Park: „Erworben durch die Landgemeinde Blankenese 1924“.

Goßlers Park

Das weiße klassizistische Goßlerhaus thront auf einer Anhöhe und bildet das Herzstück des Parks nördlich der Blankeneser Landstraße. Der englische Kaufmann John Blacker erwarb das Gelände 1790 und ließ das Landhaus von dem Architekten Christian F. Hansen errichten. Im 19. Jahrhundert wechselte das Anwesen mehrfach innerhalb der Familien Roß und Goßler den Besitzer. Schließlich wurde es 1897 von John Henry Goßler erworben, der das ursprünglich einstöckige Gebäude zu einem zweigeschossigen Haus umbauen ließ. 1924 kaufte die Gemeinde Blankenese das Gebäude mithilfe eines Kredits der Preußischen Landesregierung. Zur Rückzahlung des Kredits wurden Teile des Parks parzelliert und als Bauland verkauft. Heute ist Goßlers Park ein beliebter Treffpunkt für alle Generationen. Im Winter zieht der Hang vor dem Goßlerhaus zahlreiche Rodler an.

Schinckels Park

Schinckels Park ist eine öffentliche Grünanlage in Blankenese, die sich als Hang vom Fuß des Bismarcksteins bis zur Blankeneser Landstraße erstreckt. Namensgeber war der Bankier Max Schinckel (1849 bis 1938), ehemaliger Präses der Handelskammer. Die Anlage ist weitgehend naturbelassen, mit Ausnahme einiger alter Rhododendren im östlichen Teil. Im Winter ist der Park ein beliebter Treffpunkt für Fahrer der Blankeneser Kreeks: traditionelle, besonders flache und robuste Lastschlitten.

Römischer Garten

Weiter westlich am Elbhang liegt eine Gartenanlage, deren Name mediterranes Flair verspricht. Im Jahr 1897 erwarb Moritz M. Warburg die rund 30 Meter über der Elbe gelegene Grünfläche. Das heutige Erscheinungsbild des Gartens wurde maßgeblich von Else Hoffa geprägt, die 1913 als Obergärtnerin eingestellt wurde. Sie war die erste Frau in Deutschland, die diese Position innehatte. Zu jener Zeit entwickelte sich der Römische Garten zu einem kulturellen Zentrum der gehobenen Gesellschaft, insbesondere durch sein Freilufttheater mit über 200 Sitzplätzen. Im Jahr 1952 schenkte die Familie Warburg den Garten der Stadt Hamburg, die ihn zu einem öffentlichen Park machte. Das Freilufttheater wurde 1994 nach historischem Vorbild wieder errichtet; der frühere Rosengarten wich einer Rasenfläche.

Sven-Simon-Park

Über dem Falkensteiner Ufer liegt der Sven-Simon-Park. Seine beschaulichen Spazierwege, Natursteinmauern, der alte Baumbestand und die Ausblicke bis hinunter zur Elbe laden zum Verweilen ein. Auf dem Gelände steht das Landhaus Michaelsen, ein Pionierbauwerk des Neuen Bauens, das 1923 im Auftrag des Ehepaars Michaelsen vom Architekten Karl Schneider entworfen wurde. 1955 erwarb der Verleger Axel Springer das Landhaus mitsamt dem umliegenden Areal. Der Park wurde später nach dem Pseudonym seines Sohnes Sven Simon benannt. Das Landhaus steht seit 1986 unter Denkmalschutz und beherbergt heute das Puppenmuseum der Galeristin Elke Dröscher. Sie initiierte und unterstützte zudem die im Jahr 1985/86 durchgeführte Restaurierung und den Erhalt des damals stark verfallenen Gebäudes.

Francesca Lauenburg
Francesca Lauenburg
Redakteurin Online
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