725 Jahre Blankenese

Heimat am Elbhang: Was Blankenese besonders macht

Blankenese · · 5 Min. Lesezeit · von Klaus Schümann
Zwischen Elbhang und Treppenviertel ist über Generationen ein besonderes Lebensgefühl entstanden. Welche bekannten Persönlichkeiten mit Blankenese verbunden sind, zeigt die anschließende Bildergalerie.

Blankenese ist weit mehr als ein Hamburger Stadtteil. Zwischen Elbhang, Parks und Treppenviertel ist über Generationen ein besonderes Heimatgefühl entstanden, das Zugezogene ebenso prägt wie alteingesessene Familien – und den Stadtteil bis heute zu einem Sehnsuchtsort macht.

Ob nun zugereist oder seit Generationen in Blankenese zuhause spielt eigentlich keine Rolle. Für die Bewohner und Bewohnerinnen gilt wie überall – es ist ein Zuhause. Wer neu im Beritt ist, sich ordnungsgemäß angemeldet hat und nun Blankeneser nennt, macht eigentlich keine Fehler. Blankeneser Fundamentalisten aus dem Hanggebiet sahen das früher anders. Da galten Regeln (siehe Kasten), die unumstößlich waren und den vermeintlichen nicht-Blankeneser Mitbürgerinnen und Mitbürgern dies auch mit einem gerüttelt Maß Süffisanz spüren ließ. Sind die Umstände, Blankenese als Magnet für einen ständigen Wohnsitz zu empfinden, auch darüber hinaus von Bedeutung? Also so eine Art, dazu zu gehören?

Mehr als nur ein Wohnort

Dass die Blankeneser Welt landschaftlich herausragende Eckpunkte mit sich bringt, sieht das bloße Auge zwangsläufig sofort. Es folgt die Erkenntnis: Ach, hier könnte ich auch leben. Und wenn dann der hier lebende (und immer noch) Wachsjacken tragende Blankeneser beim Blick auf die Elbe schulterklopfend hinzufügt: Mehr als Blankeneser kann ein Hamburger nicht werden!, steigert sich das Interesse und fördert Begehrlichkeiten des Dazugehörens.

Für prominente Persönlichkeiten ist es eine Art Rückzug, den schon der Stadtteil Blankenese (er gehört erst seit 1936 zu Hamburg) als privat-persönliches Revier empfinden lässt. So eine Art Wohnzimmer am Rande der Großstadt, fernab des auf die Nerven gehenden Trubels – womit Rest-Hamburg gemeint ist. Das Vorgehen bewiesen schon die eher Betuchten in vergangen Zeiten. Da wurde es in Hamburg zu laut und zu schmutzig und zu eng. Der vermögende Hanseat – nicht selten auch britischen Ursprungs – entdeckte den Reiz des Ländlichen weit vor der Stadt. Man ließ ausschwärmen und entdeckte an der Peripherie reizvolle Ruhepunkte. So geschehen im Auftrag des Kaufmanns Joseph Blacker, der sich auf dem fernen Krähenberg, hoch über der Elbe, ein Landhaus errichten ließ: das Landhaus Blacker, später bekannt unter dem Namen des weiteren Käufers: Goßlerhaus.

Ähnlich verlief der Hintergrund beim Landhaus Baur (Katharinenhof), beim Hessehaus im Hessepark und beim Landhaus Godeffroy im Hirschpark. Letzteres wird von den Blankenesern gern „eingemeindet“, befindet sich aber – wie auch der Hirschpark – auf Nienstedtener Gebiet. Als die damaligen Blankeneser Fischer und Dockenhudener Bauern die Landhäuser wahrnahmen, erschien für sie der Begriff „Herrenhäuser“ passender, denn immerhin trennten sie Welten.

Als soziologisches Forschungsfeld dient Blankenese in heutigen Tagen eher nicht mehr. Auch wenn in Glossen und Kommentaren stets aufs Neue von SUVs, Wachssjacken und der vermeintlich dazu gehörenden britischen Affinität im „feinen“ Blankenese gelabert wird, so ist es auch nur einer von 104 Stadtteilen, die die Freie und Hansestadt Hamburg heute vorweisen kann.

Auch wenn das Blankeneser Haushaltsnettoeinkommen Hamburgs Durchschnitt hebt, sind auch hier Bürgergeldempfänger, Arbeitslose und Rentner an der Armutsgrenze gegenwärtig. So gesehen ist die Bandbreite sicherlich etwas gespreizter als beispielsweise in Stadtteilen wie Billstedt, Harburg oder Rothenburgsort. Nun fällt es den Einheimischen hier allerdings leichter, vor Ort ihr Umfeld zu lieben. Grüne Parkanlagen und sandige Elbstrände, die Blankenese zur „Hanseatischen Riviera“, zum „Palermo des Nordens“ oder zum „Diamant der Endmoräne“ glorifizieren, sind schon einmalig und binden damit auch die Bevölkerung über Generationen hinweg ans Heimische.

Während die junge Generation in ihrer Aufbruchstimmung hippe Wohnfelder in Eimsbüttel ersehnt, liebäugelt sie später, mit oder ohne Familiengründung, wieder mit ihrem Ursprung. Was Familien erreicht haben, wird in der Regel innerhalb der Familien weitervererbt und gerät nur im Streifall durcheinander. Mit der Preisgestaltung ist das so eine Sache. Wohnungen zu mieten ist eigentlich nicht das Problem, wären da nicht die „gehobenen“ Preise. Auch das Immobilienangebot ist nicht zwingend vernachlässigt, bedarf allerdings eines entsprechenden Portemonnaies. Zusätzlich Umstände, die in der äußeren Betrachtung zur Vorsortierung seiner Bewohner ausreichen.

Blankenese ist nicht nur einzigartig, es ist zauberhaft, bietet hohe Lebensqualität und wird immer wieder gern genommen. Touristen sind ebenso gern gesehen. Und wenn das Wetter mal wieder grau, windig und regnerisch daher kommt, freuen sich die Blankeneserin und der Blankeneser in wetterbedingter Kleidung über raue Zeiten am Strand zum Luftholen. Die sind nämlich auch schön.

Sind die Umstände, Blankenese als Magnet für einen ständigen Wohnsitz zu empfinden, darüber hinaus von Bedeutung? Also nur dazu zu gehören? Ja, denn die ganz persönliche Empfindung spielt sicherlich eine größere Rolle als die anderenorts unnötig eingeworfene Bemerkung: „Ich bin Blankeneser!“

„Echte“ Blankeneser?

Eine schwierige Frage, deren Antworten sich im Laufe der Zeit verschieben und verändern, sie werden liberaler. Doch die Eckpunkte bleiben:
1. im Tabea zur Welt gekommen.
2. mit Elbwasser getauft
3. Nachname Breckwoldt oder Kröger
4. in mindestens dritter Generation!

Klaus Schümann
Klaus Schümann
Herausgeber und Chefredakteur
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