725 Jahre Blankenese

Mehr als 120 Jahre Blankeneser Geschichte auf einem Friedhof

Blankenese · · 3 Min. Lesezeit · von Francesca Lauenburg
Der Blankeneser Friedhof auf Sülldorfer Gelände
Der Blankeneser Friedhof auf Sülldorfer Gelände

Geografisch gehört er zu Sülldorf, verbunden ist er seit mehr als 120 Jahren mit Blankenese: Der Friedhof ist Ruhestätte, Erinnerungsort und ein Stück Ortsgeschichte zugleich. Zwischen alten Bäumen und historischen Gräbern zeigt sich dabei auch, wie sich die Bestattungskultur verändert hat.

Seit seiner Anlage im Jahr 1902 begleitet der Friedhof Generationen von Blankenesern. Wer heute über die weitläufigen Wege geht, spürt schnell seine besondere Atmosphäre. Alte Buchen und Eichen überspannen die Wege, zwischen den Grabstätten öffnen sich stille Lichtungen. Dabei ist der Friedhof nicht ausschließlich ein Ort des Abschieds: Spaziergänger kommen regelmäßig hierher, durch die Nähe zum Marion Dönhoff Gymnasium sind auch Schüler auf den Wegen unterwegs.

Alte Buchen und Eichen überspannen die Wege, Vogelstimmen begleiten die Besucherinnen und Besucher und zwischen Grabstätten öffnen sich immer wieder stille Lichtungen. Natürlich ist der Friedhof vorwiegend für Menschen gedacht, die hier zur Ruhe kommen sollen. Er soll Geborgenheit, Trost und Frieden spenden und ist zugleich ein Ort der Gemeinschaft. Auf den Wegen kommt man nicht nur an Gräbern vorbei, sondern  auch an Spaziergängerinnen und Spaziergängern, die den Friedhof regelmäßig besuchen. Durch die unmittelbare Nähe zum Marion-Dönhoff-Gymnasium sind außerdem Schülerinnen und Schüler unterwegs, die hier in respektvoller Atmosphäre zur Belebtheit des Friedhofs beitragen. Auch die Friedhofsverwaltung selbst organisiert regelmäßige Gedenktreffen, an denen gemeinsam zu den Gräbern gegangen wird. Das Zusammenspiel aus stiller Erinnerung und lebendiger Gemeinschaft zeichnet den Friedhof Blankenese deshalb aus, denn niemand muss hier allein sein.

Ein Friedhof für das wachsende Blankenese

Der Friedhof wurde im Jahr 1902 für die damals stark wachsende Kirchengemeinde Blankenese angelegt, deren alter Kirchhof an der Blankeneser Kirche längst zu klein geworden war. Eingeweiht wurde er von dem Theologen Theodor Paulsen, dem Mitbegründer mehrerer Schulen im Hamburger Westen, aus denen später unter anderem die Gymnasien Hochrad, Blankenese und das heutige Marion-Dönhoff-Gymnasium hervorgingen. Nach seinem Tod 1921 wurde er auf dem Friedhof Blankenese beigesetzt. Die 1928 nach ihm benannte Propst-Paulsen-Straße, die am Blankeneser Marktplatz vorbeiführt, erinnert bis heute an ihn. Neben ihm lassen sich weitere Gräber bekannter Blankeneser Persönlichkeiten auf dem Friedhof finden, wie beispielsweise das der Komponistin Felicitas Kuckuck. Dazu erzählen zahlreiche Familiengräber von den Lebensgeschichten jener Menschen, die Blankenese über Generationen geprägt haben: Kapitäne, Kaufleute, Fischerfamilien, Künstler und Gemeindemitglieder. Der Friedhof bewahrt damit nicht nur einzelne Erinnerungen, sondern ein Stück kollektiver Ortsgeschichte.

Das prägende Bauwerk des Friedhofs ist die Kapelle aus dem Jahr 1927, ein eindrucksvoller Klinkerbau in norddeutscher Tradition, der sich zurückhaltend in die Landschaft einfügt. Nach einer grundlegenden Renovierung erstrahlt sie heute in neuem Glanz und bietet bei größeren Trauerfeiern bis zu 120 Gästen Platz. Neben der Kapelle stehen für Trauerfeiern im kleineren Kreis Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen Angehörige Zeit haben, sich von Verstorbenen in privater Atmosphäre zu verabschieden.

Neue Formen des Abschieds

Über eine Fläche von 18 Hektar erstrecken sich Gräber verschiedenster Art. Der Friedhof gliedert sich in einen älteren, historisch geprägten Teil und einen neueren, lichteren Bereich. Dem Wandel der Zeit entsprechend haben sich auch die Bestattungsmöglichkeiten weiterentwickelt. Neben klassischen Sarg- oder Urnenbeisetzungen bietet der Friedhof Blankenese heute vielfältige Wege des Abschieds: Beisetzungen auf hellen Lichtungen unter Obstbäumen, Landschaftsgräber inmitten blühender Blumenwiesen, Begräbnisse im Friedwald oder eine naturnahe Wasserbestattung.

Seit Kurzem gibt es zudem einen Bereich für Sternenkinder, den ein gewundener Fluss aus Steinen ziert – der sogenannte Fluss der Erinnerung. Für Tierliebhaber gibt es die Möglichkeit einer gemeinsamen Ruhestätte mit ihrem Tier. Nach Ablauf der Grabnutzungszeit können die Grabsteine, wenn gewünscht, auf dem Friedhof bleiben. Diese werden dann zu Sitzbänken oder Außenaltären umgeschliffen oder als Schotter auf den Wegen verteilt. Wer das nicht möchte, kann auch ein eigenes kleines Gedenkmal im dafür eingerichteten Erinnerungsgarten für Verstorbene aufstellen.

Es lohnt sich, einen Blick auf diesen stilleren Teil des Ortes zu werfen. Der Friedhof erzählt vom Wandel der Zeit, vom Abschied und vom gemeinsamen Erinnern und vielleicht mehr als jeder andere Ort davon, wie eng Vergangenheit und Gegenwart in Blankenese miteinander verbunden sind.

Francesca Lauenburg
Francesca Lauenburg
Redakteurin Online
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