Sorge um Sagebiels Fährhaus: Bürgerinitiative fordert Klarheit
Seit Jahren steht Sagebiels Fährhaus leer, inzwischen wächst in Blankenese die Sorge um das Traditionshaus. Eine Bürgerinitiative fordert seinen Erhalt. Das Bezirksamt nennt nun Details zum genehmigten Umbau – während auch die Politik Antworten verlangt.
Wer heute an Sagebiels Fährhaus vorbeikommt, sieht wenig von dem einstigen Ausflugslokal mit seiner bekannten Terrasse über der Elbe. Das Gelände ist abgesperrt, Teile des Gebäudes sind entkernt. Obwohl der Baubeginn offiziell bereits zum 15. Juli 2024 angezeigt wurde, ist von außen seit längerer Zeit kaum Baufortschritt zu erkennen.
Das sorgt in der Nachbarschaft zunehmend für Unruhe. Dirk Reininghaus wohnt in der Nähe und kommt regelmäßig an Sagebiels vorbei. Über das Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de suchte er nach Mitstreitern. Inzwischen haben sich dort nach seinen Angaben mehr als 40 Menschen einer neu gegründeten Initiative angeschlossen. Auch bei einem ersten Treffen vor dem Fährhaus kamen zahlreiche Interessierte zusammen.
„Das kann man nicht mit ansehen“, sagt Reininghaus. Der Initiative gehe es nicht darum, jede Veränderung an dem Gebäude zu verhindern. Auch Wohnungen seien grundsätzlich vorstellbar. Entscheidend sei jedoch, dass Sagebiels erhalten bleibe und nicht vollständig zu einem privaten Ort werde.
Sorge um die Bausubstanz
Besonders der Zustand des Gebäudes beschäftigt die Initiative. Anwohnende berichten von Fenstern, die auch während der kalten Jahreszeit über längere Zeit offen gestanden hätten. Ähnliche Beobachtungen wurden zuletzt auch gegenüber dem NDR geschildert. Einige Mitglieder der Initiative befürchten deshalb, dass die historische Bausubstanz weiter Schaden nehmen und ein Abriss irgendwann unausweichlich werden könnte. Für die Vermutung, ein solcher Verfall werde absichtlich herbeigeführt, gibt es bislang allerdings keinen Beleg. Hadi Teherani ließ entsprechende Fragen des NDR unbeantwortet.
Auch Stefan Bick vom Blankeneser Bürger-Verein verfolgt die Entwicklung seit Jahren. Der Verein hatte bereits 2022 auf offene Fenster und Türen sowie den Zustand des Grundstücks aufmerksam gemacht. In einer inzwischen eingereichten Kleinen Anfrage wird darauf ausdrücklich Bezug genommen.
Bick verweist außerdem darauf, dass das Grundstück im Geltungsbereich des Bebauungsplans Blankenese 45 liegt. Dieser setzt einen städtebaulichen Erhaltungsbereich fest. Nach Angaben des Bürger-Vereins besteht für Sagebiels darüber hinaus ein ausdrückliches Erhaltungsgebot. Auch diese Frage soll nun politisch geklärt werden.
Drei Wohnungen sind genehmigt
Was derzeit gebaut werden darf, beschreibt das Bezirksamt Altona auf Anfrage des HAMBURGER KLÖNSCHNACK konkret. Für das Grundstück sei eine Baugenehmigung für einen Umbau und eine Nutzungsänderung erteilt worden. Künftig soll dort demnach ein Wohnhaus mit drei Wohneinheiten entstehen.
Die Genehmigung umfasst auch den Abbruch des südlichen Restaurantanbaus. Dieser Teilabbruch sei genehmigt und werde von einem Prüfstatiker begleitet. Der Abbruch nichttragender Gebäudeteile sei dagegen verfahrensfrei. Die Verantwortung dafür liege beim Bauherrn beziehungsweise seinen Fachplanern, teilt das Bezirksamt mit. Ein vollständiger Abriss des Bestandsgebäudes wurde nach Angaben des Bezirksamts weder beantragt noch genehmigt.
Genau auf diese Genehmigung und den Zustand des Hauses richtet sich nun auch eine Kleine Anfrage des CDU-Bezirksabgeordneten Sven Hielscher. Darin wird unter anderem gefragt, welche Maßnahmen konkret genehmigt wurden, ob die Baugenehmigung weiterhin gültig ist und welche Vorgaben sich aus dem Bebauungsplan zum Erhalt des Gebäudes ergeben. Auch die Frage, wie die Einhaltung dieser Vorgaben kontrolliert wird, soll beantwortet werden.
Darf der Bezirk eingreifen?
Noch konkreter wird die Anfrage beim derzeitigen Zustand des Hauses. Gefragt wird, wann das Bezirksamt Sagebiels seit 2022 kontrolliert hat, ob dabei Schäden an Gebäudehülle oder durch Feuchtigkeit festgestellt wurden und ob die Behörde Maßnahmen gegenüber dem Eigentümer veranlasst hat. Außerdem soll geklärt werden, ob Sicherungs- oder Instandsetzungsmaßnahmen nach dem Baugesetzbuch oder der Hamburgischen Bauordnung möglich beziehungsweise erforderlich sind.
Hinzu kommt die besondere Lage des Gebäudes am Elbhang. Die Anfrage erkundigt sich nach geotechnischen Untersuchungen und Standsicherheitsnachweisen für das Grundstück sowie nach möglichen Auswirkungen auf benachbarte Grundstücke. Auch mögliche Folgen des langen Baustillstands, der Entwässerung und von Witterungsschäden für die Hangsicherheit sollen geprüft werden.
Eine Antwort liegt noch nicht vor. Nach Angaben der CDU wird sie spätestens am 12. Oktober erwartet.
Besondere Regelung für Sagebiels
Neben dem öffentlichen Baurecht gibt es bei Sagebiels eine weitere Besonderheit. Teherani erwarb 2019 gemeinsam mit einem Geschäftspartner das Gebäude, nicht aber das Grundstück. Dieses blieb im Besitz der Familie Sagebiel. Grundlage ist eine besondere Erbpachtregelung. Nach bisherigen Berichten ist damit auch die Vorgabe verbunden, dass an diesem Ort weiterhin ein Restaurant betrieben und der Name Sagebiel erhalten werden soll.
Stefan Bick verweist ebenfalls auf diese Regelung. Sie ist allerdings von der Baugenehmigung zu unterscheiden: Die Vereinbarung betrifft das private Vertragsverhältnis rund um das Grundstück und ist damit nicht automatisch Gegenstand des öffentlich-rechtlichen Genehmigungsverfahrens. In der aktuellen Auskunft des Bezirksamts wird eine gastronomische Nutzung jedenfalls nicht genannt. Für Bick und die Bürgerinitiative bleibt damit die Frage offen, wie die Verpflichtung zur Gastronomie mit den aktuellen Plänen für das Gebäude zusammengebracht werden soll.
Dabei waren Gastronomie und Wohnungen in Teheranis früheren Planungen durchaus gemeinsam vorgesehen. 2023 erklärte der Architekt, die Baugenehmigung liege vor. Geplant seien eine kleine Gastronomie und drei Wohnungen, von denen er eine selbst beziehen wolle.
Inzwischen spricht das Bezirksamt dagegen von der genehmigten Nutzungsänderung zu einem Wohnhaus mit drei Wohneinheiten. Wie die endgültige Nutzung aussehen soll und ob weiterhin eine Gastronomie vorgesehen ist, bleibt offen.
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Foto: KlönschnackFast verschwunden: Das Sagebiel-Schild am Grundstück ist inzwischen von Pflanzen überwuchert. -
Foto: KlönschnackDer Baubeginn wurde bereits zum 15. Juli 2024 angezeigt. Auf dem Grundstück sind die Arbeiten bislang nicht abgeschlossen und aktuell nicht wirklich im Gange. -
Foto: KlönschnackDer Blick zur Elbe erinnert an die besondere Lage des früheren Ausflugslokals am Blankeneser Hang. Von der Terrasse ist kaum noch was übrig. -
Foto: KlönschnackTeile des Grundstücks und des Gebäudes sind inzwischen stark zugewachsen.
Vom Fährhaus zum bekannten Ausflugslokal
Für viele Blankeneser ist Sagebiels nicht irgendeine Immobilie. Die Geschichte des Ortes reicht Jahrhunderte zurück. Das Fährhaus wurde bereits 1302 erwähnt. Nachdem das Gebäude mehrfach durch Feuer zerstört und wieder aufgebaut worden war, kaufte Wilhelm Anton Conrad Sagebiel 1868 das damalige Wirtshaus und gab ihm seinen bis heute bekannten Namen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Sagebiels zu einer der bekannten gastronomischen Adressen an der Elbe. Auch Szenen des Filmklassikers „Große Freiheit Nr. 7“ entstanden dort.
Nach mehreren Betreiberwechseln schloss das Haus am 30. November 2016 zunächst. 2017 folgte noch einmal ein Neustart mit neuen Pächtern. 2019 erwarben Teherani und ein Geschäftspartner schließlich das Gebäude. Seither ist die Zukunft des Fährhauses immer wieder Thema in Blankenese.
Auch deshalb stößt die neue Initiative auf Resonanz. Reininghaus berichtet von Menschen, die mit Sagebiels Hochzeiten, Familienfeiern oder persönliche Begegnungen verbinden. Für ihn wäre deshalb auch eine deutlich kleinere Gastronomie als früher denkbar. Wichtig sei vor allem, dass das Haus nicht vollständig aus dem öffentlichen Leben Blankeneses verschwindet.
Die Initiative will nun weiter auf die Zukunft des Gebäudes aufmerksam machen. Ein offener Brief und weitere Aktionen sind im Gespräch. Vom Eigentümer wünschen sich die Beteiligten vor allem eine Antwort auf eine einfache Frage: Wie soll es mit Sagebiels weitergehen?
Hadi Teherani hat der Redaktion auf eine Anfrage zum aktuellen Stand des Projekts bislang nicht geantwortet.