Tierwohl oder Tradition?

Streit um Damwildgehege: Widerstand gegen Schließung im Hirschpark wächst

Blankenese · · 4 Min. Lesezeit · von Sophie Rhine
Protestplakat Hirschpark
Im Hirschpark hängen bereits Plakate, die den Verbleib des Damwilds fordern.

Die Entscheidung des Bezirksamts Altona steht fest: Das Damwildgehege im Hirschpark wird geschlossen, die Tiere sollen in den Klövensteen umziehen. Doch Bürgervereine, FDP und weitere Unterstützer geben nicht auf. Mit Petitionen, Anträgen und öffentlichen Aktionen kämpfen sie weiter für den Verbleib der Hirsche im Hirschpark.

Damwildanlage Klövensteen
In der Damwildanlage im Klövensteen sollen die Tiere ihr neues Zuhause finden.

Nach der Entscheidung des Bezirksamts Altona, das Damwildgatter im Hirschpark dauerhaft zu schließen und die Tiere ins Wildgehege Klövensteen zu verlegen, bleibt die politische Diskussion kontrovers. Inzwischen haben FDP-Fraktion sowie der Verein der Freunde des Hirschparks Blankenese und des Wildgeheges Klövensteen, der Nienstedtener Bürger- und Heimatverein und der Blankeneser Bürgerverein Anträge auf Erhalt und konzeptionelle Weiterentwicklung des Geheges im Ausschuss für Grün, Naturschutz und Sport eingebracht – diese wurden jedoch mehrheitlich abgelehnt. Das Bezirksamt hält an seinem Beschluss fest. Als Grund für die Schließung gibt das Bezirksamt an, dass die Tiere im Hirschpark nicht artgerecht gehalten werden können. Trotz umfassender Umbaumaßnahmen in den vergangenen Jahren. In Folge von Brunftkämpfen kamen zwei Tiere ums Leben. Auch außerhalb der Brunftzeit sei die Situation nicht mehr tragbar, haben sorgfältige Beobachtung und intensive Abstimmung zwischen der zuständigen Forstabteilung sowie der Abteilung Veterinärwesen ergeben. Anders als das Wildgehege im Klövensteen hat der Hirschpark keine Schließzeiten, sodass die Tiere zum Teil auch nachts durch Lärm im Park gestört werden und dadurch nicht zur Ruhe kommen. Zudem gab es wiederholt Probleme mit unangeleinten Hunden.

Zustimmung kommt von den Grünen. „Ich bin es leid, Rechtfertigungen zu lesen, die Tradition und Attraktionswunsch über das Tierwohl stellen. Tierschutz ist nicht verhandelbar“, so Dana Vornhagen, Vorsitzende der Fraktion.

Vereine und FDP setzen Protest fort

Kritik kommt von den Linken und der FDP. Hier wird ein „politisch gewolltes Aus“ für das traditionsreiche Gehege vermutet. Fraktionsvorsitzende Katarina Blume kritisiert insbesondere die späte Einbindung der Politik sowie Aussagen der Amtsveterinärin, wonach das Gehege über Jahre hinweg nicht genehmigungsfähig gewesen sei. Die Fraktion hat Akteneinsicht beantragt und prüft rechtliche Schritte.

Am 21. Februar sammelte die FDP auf dem Blankeneser Marktplatz Unterschriften für den Erhalt des Damwildgeheges. „Der Andrang an unserem Infostand zur Rettung des Damwildgeheges war enorm. In nur zwei Stunden haben wir über 250 Unterschriften gesammelt. Das zeigt deutlich, wie groß der Rückhalt für den Erhalt des Geheges ist“, sagte Katarina Blume und betonte: „Wir hören zu, wir nehmen den Wunsch für den Verbleib der Hirsche ernst und wir setzen uns weiter mit Nachdruck für den Erhalt des Damwildgeheges ein.“ Die Bürgervereine Blankenese und Nienstedten sehen die Lage ähnlich. In einer gemeinsamen Eingabe mit dem Verein der Freunde des Hirschparks Blankenese und des Wildgeheges Klövensteen fordern sie eine artgerechte Haltung des Damwilds – weiterhin im Hirschpark. Diese sei durchaus möglich, auch im Einklang mit den Leitlinien der Bundesregierung für Wild in Gehegen. Als Hauptproblem wird angeführt, dass in dem Gehege nur männliche Hirsche gehalten wurden – da seien Brunftkämpfe vorprogrammiert.


Wie das Gattergelände genutzt werden soll, ist noch offen. Das Bezirksamt will sich mit Bezirkspolitik und den beteiligten Fachbehörden abstimmen. Eine Rückkehr der Hirsche ist seitens des Bezirksamts ausgeschlossen. Die Tiere sollen ins Wildgehege Klövensteen kommen, sodass Interessierte weiterhin die Möglichkeit haben, sie kostenfrei zu beobachten. Auch hier gibt es Kritik. Es sei fraglich, ob die männlichen Tiere sich in den bestehenden Verband problemlos einfügen können oder es auch dort zu Revierkämpfen kommt.

Die Diskussion um die Hirsche scheint noch nicht beendet zu sein. Denn die FDP will weiterhin an dem Thema dranbleiben und auch die Vereine planen weitere Veranstaltungen. Zudem haben sie ihre Petition nicht nur an Bezirksversammlung Altona gerichtet, wo sie bereits abgelehnt wurde, sondern auch an die Hamburgische Bürgerschaft.

Infoabend

Der Blankeneser Bürgerverein veranstaltet am Freitag, 13. März, einen Infoabend    mit anschließender Diskussion mit dem Titel „Hirschpark ohne Hirsche?“ im Blankeneser Markthaus. Los geht es um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Sophie Rhine
Sophie Rhine
Redakteurin Print / Online
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