Vom Schriftsetzer zum Stadtmagazin: Wie der Klönschnack in Blankenese entstand
Seine Geschichte beginnt mit Bleilettern und einer Ausbildung mitten in Blankenese: 1983 gründete Klaus Schümann den HAMBURGER KLÖNSCHNACK. Mehr als vier Jahrzehnte später blickt er zurück auf die Anfänge des Magazins, große Feste, einen Eigentümerwechsel – und seine letzten Monate als Chefredakteur.
Mit der Ausbildung zum Schriftsetzer bei den Norddeutschen Nachrichten in Krögers Buch- und Verlagsdruckerei hatte ich die richtige Wahl getroffen. Die Druckerei befand sich Ende der 1960er-Jahre noch in der Bahnhofstraße, im Herzen Blankeneses. Der Job des Setzers hatte sich im Wesentlichen in den vergangenen 500 Jahren – seit Gutenbergs Erfindung der beweglichen Lettern – nicht gerade verändert. Es galt, einzelne Lettern aus dem Setzkasten zu fingern und mittels Winkelhaken und Feingefühl zu Worten, Sätzen und ganzen Texten zusammenzuführen. Letztere kamen allerdings schon aus dem Maschinensatz, wo ganze Zeilen in Blei gegossen wurden. Buchdruck hieß das damals, der Offsetdruck (Flachdruck) war noch relativ neu.
Produktionsumstände, die bei den heutigen Medien-Designern nur Kopfschütteln und Unverständnis hervorrufen. So gesehen hatte ich eine Reise von Gutenbergscher Technik über Schreibsatz (Composer und Letraset), Fotosatz mit Kathoden- und Laserstrahlbelichtungen bis zur digitalen Typografie. Eine Reise für sich. Mein Job war (und ist) mein Hobby. Die neuen Techniken erweckten zunächst die Lust auf Selbstständigkeit eines grafischen Ateliers (1974) und dann einen Verlegerehrgeiz, der nach kurzer Zeit zur Gründung eines Monatsmagazins führen sollte.
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Foto: KlönschnackDer erste KLÖNSCHNACK-Titel 1980 -
Foto: KlönschnackDas Cover im März 2005 -
Foto: KlönschnackDas Cover im März 2015 -
Foto: KlönschnackDas Cover im März 2025
Nachdem wir im Atelier Schümann bei der Namensfindung für das neue Blatt Titel wie Das Elbvorohr oder Seemannsgarn schnell verworfen hatten, tippte ich den Titel KLÖNSCHNACK in die Fotosatzanlage und bastelte die erste Ausgabe – immerhin 16 Seiten und 12.000 Exemplare für Blankenese. Zuvor hatten wir das Konzept mit einer 0-Nummer in einem Prospekt auf vier Seiten vorgestellt, um die notwendigen Anzeigenkunden zu gewinnen. Im März 1983 erschien die erste Ausgabe, im Mai die zweite, im Juli die dritte und von September 1983 bis heute jeden Monat zum Ersten.
Während sich die Agentur in den ersten Jahren noch im Karolinenviertel befand, zogen wir mit dem KLÖNSCHNACK zunächst in die Auguste-Baur-Straße und später in den Neubau am Blankeneser Bahnhof. Hartnäckig, aber nicht ohne Schrammen, taumelte der KLÖNSCHNACK in den wirtschaftlichen Erfolg. 2013 nahm der Axel Springer Verlag Kontakt auf, um das Magazin zu erwerben. Die Gespräche zogen sich hin. Ist es zu früh für den Verkauf? Will ich nicht dabei bleiben? Als in den Verhandlungsphasen plötzlich das Hamburger Abendblatt samt Hintergrund von Funke Medien übernommen wurde, hielt ich die Angelegenheit für erledigt.
Doch mitnichten. Nicht nur Funke Medien blieb am Ball, der SHZ (Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag) war ebenfalls auf der Matte und wollte Anteile erwerben. Funke erwarb schließlich 100 Prozent, behielt mich aber als angestellten Chefredakteur.
Der KLÖNSCHNACK und seine Mitarbeiter hatten schon früh ihr gesellschaftliches Interesse ausgebaut. So fand von 1985 bis 2004 insgesamt 19-mal das KLÖNSCHNACK Sommerfest auf dem Blankeneser Marktplatz statt. Die Stadtteilparty am Sonntag mit plattdeutscher Morgenandacht und bedeutenden Bands (Beatles Revival Band, Truck Stop, The Lords etc.) lockte Tausende auf den Marktplatz. Stände der heimischen Gastronomie und Kneipen machten ihr Geschäft und alle waren zufrieden. Manche Ehe hat ihren Ursprung auf dem KLÖNSCHNACK Sommerfest.
1995 kam eine neue Idee auf den Tisch: Der Blankeneser Neujahrsempfang hatte Premiere im alten Gemeindehaus der Blankeneser Kirche. Lokale Größen hielten Ansprachen und 200 (1985), 300 (1986) und 400 (1987) geladene Gäste folgten der Einladung. Doch der Gemeindesaal sollte abgerissen werden, ein Neubau war in Planung. Wohin mit dem Neujahrsempfang? Jost Deitmar, seinerzeit Direktor im Louis C. Jacob, meinte, sein Haus sei doch der richtige Ort. Ich zweifelte, wie das zu bezahlen sei. Doch wir fanden Sponsoren, erfanden das kleine Gästebuch mit Anzeigen und steigerten die Neujahrsansprachen durch Politik- und Wirtschaftsgrößen aus ganz Deutschland. Im kommenden Jahr bitten wir das 32. Mal zum „politischen Aschermittwoch des Nordens“, wie die Presse ihn gern nennt.
In diesem Jahr baten wir das elfte Mal zur Blankeneser Sommernacht (1.200 Gäste) zur Juni-Party auf den Süllberg, der auch nach dem Ausflug ins Grand Elysée (der Süllberg hatte geschlossen) wieder Heimat des Neujahrsempfangs wurde. Kleine Formate rundeten das Motto – gedruckt, digital und unter Menschen – ab. So gab es die KLÖNSCHNACK Küchenparty im Landhaus Scherrer, KLÖNSCHNACKs kleinen Weinabend im Kleinen Jacob und die Talkrunde Lebensläufe (im Vierjahreszeiten, The Fontenay und im Louis C. Jacob), bei der ich namhafte Persönlichkeiten über ihr Leben befragte. Dass ein weiteres Hobby (Schlagzeug) eine Rolle spielt, fand sich bei der Namensfindung für eine Blues- und Rockband. Sechs Mann spielen unter dem Namen KLÖNSCHNACK Allstars.
Die Zeit ging ins Land. Neuer Wind wehte. Ein guter Freund des Hauses, Christian Dunger, begann 2023 Gespräche mit der Verlagsleitung, denn Funke wollte sich von lokalen Medien trennen – auch vom KLÖNSCHNACK, allerdings 49 Prozent behalten. Christian und seine Schwester Nathalie wollten aber 100 Prozent.
Anfang Januar 2025 wechselte das Magazin in die neue Firma HAMBURGER KLÖNSCHNACK Verlag & Medien GmbH und baute mit frischem Wind den Auftritt gedruckt, digital und unter Menschen weiter aus.
Die Dezember-Ausgabe ist mein letztes Blatt als Chefredakteur, Tim Holzhäuser wird den Job übernehmen. Ich werde aber weiterhin aktiv an Bord sein – und dem KLÖNSCHNACK treu bleiben, vielleicht noch bis zum 50. Jubiläum (2033).