Traditionen im Wandel

Von Fischertracht bis Osterfeuer: Die alten Bräuche von Blankenese

Blankenese · · 3 Min. Lesezeit · von Jörg Marwedel
Gruppe in Blankeneser Tracht steht in der Elbe
Traditionspflege durch die Blankeneser Trachtengruppe

Trachten, Osterfeuer, Kreek-Fahren und Rummelpottlaufen gehörten einst fest zum Leben im alten Fischerdorf. Manche dieser Bräuche werden bis heute gepflegt, andere sind nahezu verschwunden. Besonders die Osterfeuer und die Trachtengruppe halten ein Stück Blankeneser Geschichte lebendig.

Die klassische Blankeneser Tracht
Die klassische Blankeneser Tracht

Vier Bräuche gab es in Blankenese, die das einstige Fischerdorf ausmachten: Die Trachten, das Osterfeuer, das Kreek-Fahren (Seite 76 ff.) sowie das Rummelpottlaufen, das aber inzwischen vom amerikanischen (eigentlich irischen) Halloween weitgehend abgelöst wurde.

Die Volkstanz- und Trachtengruppe des Blankeneser Männerturnvereins (BMTV), die 1984 von der Schneiderin und Kostümbildnerin Lore Hülsen gegründet wurde, ist noch immer aktiv. Sie hat nicht nur bei der 725-Jahr-Feier Auftritte, sondern auch bei anderen Events, zum Beispiel Ende August beim Trachtensommer auf Hallig Hooge. Vorgeführt werden dort bei Folk-lore-Tänzen unter der Leitung der Tanzpädagogin Astrid Witt-Eggert, die nach Originalen aus dem Altonaer Museum selbst genähten Trachten – etwa die um 1780 verbreitete Fischertracht.

Bei den Frauen ist der Oberrock (plattdeutsch Babenrock oder Lakenrock) aus rotem feinen Wollstoff, die weiße Schürze („Plaaten“) aus Leinen. Das Merkmal des Strohhutes ist eine flache, tellerartige Form. Die Haare wurden ohne Scheitel von allen Seiten stramm zurückgekämmt, dann am Hinterkopf fest in Knotenform zusammengedreht. Schon damals fertigten die Blankeneserinnen Mützen selbst an. Die Stoffe wurden von den Männern aus Holland mitgebracht, wo diese ihren Fisch verkauften. Halsschmuck wurde nur an Sonn- und Feiertagen getragen. An „normalen“ Tagen lief man barfuß, seltener in Holzschuhen oder schwarzen Pantoffeln. Dazu wurden hellblaue und bei Trauer schwarze Strümpfe getragen.

Die Osterfeuer haben eine heidnische Tradition, nicht nur in Blankenese. Einst sollten die Frühlingsfeuer den Winter und böse Geister vertreiben. Das Besondere an den Blankeneser Osterfeuern aber ist, dass dort vier Feuerstellen auf engstem Raum in Konkurrenz sind: Viereck, Knüll, Osten und Mühlenberg. Bis in die 1960er-Jahre gab es regelrechte Revierkämpfe unter den Osterfeuerbauern, bei denen alteingesessene Familien eine große Rolle spielten. Da wurden auch Verstecke geplündert, in denen schon nach Weihnachten die Tannenbäume gehortet wurden. Auf dem Feuer, das nach jahrelangen Streitigkeiten mit dem Altonaer Bezirksamt aus feuerschutztechnischen Gründen nur noch einen Durchmesser von acht Metern und eine Höhe von fünf Metern haben darf, prangt eine Stroh-Puppe, die für den zu vertreibenden Winter steht, während das Feuer die Sonne symbolisiert. Jedes Jahr locken die Blankeneser Osterfeuer Tausende Schaulustige an. Auch einige Reedereien haben daraus ein Geschäft gemacht: Von ihren Schiffen aus kann man die Flammen von der Wasserseite aus sehen.

Osterfeuer am Elbufer
Raus mit dem Winter: Blankeneser Osterfeuer am Elbufer – zwei von vier.

Das Rummelpottlaufen, das noch vor einigen Jahrzehnten zum festen Blankeneser Brauchtum gehörte, ist dagegen inzwischen fast ausgestorben. Die Kinder von heute kennen nur noch Halloween, bei dem man sich am 31. Oktober als Geist, Hexe oder Vampir verkleidet und von Haus zu Haus zieht, um vor allem Süßigkeiten zu schnorren. Rummelpottlaufen – eine norddeutsche Silvester-Tradition – hatte in Blankenese auch eigene Lieder. Am Abend zogen die Kinder los, ebenfalls, um Naschkram zu sammeln. Der Rummelpott war eine Konservendose oder ein Tontopf, der früher mit einer Schweinsblase bespannt war. Ein Reethalm oder Schilfrohr wurde in der Mitte durch die Folie gesteckt, und wenn man mit feuchten Fingern am Stab rieb, entstand ein tiefes, brummendes Geräusch. Auch die kleinen Blankeneserinnen und Blankeneser waren verkleidet, etwa mit weißen Bettlaken als Geist, als Pirat oder Hexe und stimmten mehrere Lieder an. Stücke, die heute schon aus antirassistischen Gründen in dieser Form nicht mehr gesungen würden, links das bekannteste.

Jörg Marwedel
Jörg Marwedel
Redakteur Print
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