Botanischer Garten

Zwischen Mammutblatt und Wildblumenwiese: Ein Spaziergang durch den Loki-Schmidt-Garten

Flottbek · · 6 Min. Lesezeit · von Anna-Lena Walter
See im Loki-Schmidt-Garten
Idyllischer Blick aufs ruhige Wasser: Zentral im Loki-Schmidt-Garten liegt ein großer See.

10.000 Pflanzenarten aus aller Welt, wissenschaftliche Forschung, Naturbildung und Erholung: Der Loki-Schmidt-Garten in Klein Flottbek ist weit mehr als ein Botanischer Garten. Zwischen Wildblumenwiese, Japangarten und neuen Gewächshäusern gibt es auf 24 Hektar immer wieder Neues zu entdecken.

Sattes Grün, bunte Farbtupfen  und darüber ein azurblauer Himmel: Wer den Loki-Schmidt-Garten besucht, betritt eine wahre Naturoase mitten in Klein Flottbek. Der Garten dient der Forschung, Bildung und Erholung, ist öffentlich zugänglich und lädt alle Besucher zum Entdecken der Pflanzenwelt ein. Das 24 Hektar große Freigelände bietet mit 10.000 Pflanzenarten aus aller Welt eine beeindruckende Vielfalt.

Christine Kreuzkam, Pressereferentin des Loki-Schmidt-Gartens, erzählt: „Neben dem Erholungsaspekt dient der Garten auch der Uni Hamburg als Forschungsfeld. Ein gutes Beispiel hierfür ist die über einen Hektar große Wildblumenwiese in der Mitte des Parks.“  Der Botanische Garten ist Projektpartner bei dem Hamburger Naturschutzgroßprojekt „Natürlich Hamburg!“, initiiert von der BUKEA (Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft).

Forschung unter freiem Himmel

Weißes Zelt im botanischen Garten
Im weißen Zelt finden regelmäßig Veranstaltungen statt.

Die Wildblumenwiese ist für Insekten wie Bienen Lebensraum und Nahrungsquelle. Das Projekt möchte damit unter anderem ästhetische Gestaltung mit Biodiversität verbinden und Naturerleben in der Stadt fördern. Wöchentlich kommen Forscher zu der Wildblumenwiese und dokumentieren das Tummeln der Insekten. Ein anderes Forschungsprojekt befasst sich damit, warum nicht alle Bäume ihr totes Laub im Winter abwerfen. Ziel ist es, das für jeden gut zu beobachtende Phänomen wissenschaftlich besser verstehen und einordnen zu können und zu klären, welchen Nutzen oder Einfluss auf den Kohle- und Nährstoffhaushalt es für die Pflanze haben könnte, ihre tote Biomasse zu halten. Christine Kreuzkam erklärt: „Dass der Garten sich für verschiedenen Zielgruppen eignet, macht ihn so besonders. Jeder der mag, kann hier etwas lernen oder einfach nur in Ruhe einen Spaziergang machen.“

Die Grüne Schule bietet beispielsweise Unterricht für alle Altersstufen an, auch Kitas können Führungen durch den Garten buchen. Zudem organisieren viele ehrenamtliche Helfer für Kinder jedes Jahr ein buntes Programm – vom Gartenfest bis hin zum Gastspiel des Zirkus Zartinka während des Sommerfestivals. Im Rahmen des Sommerfestivals wird es von Mitte Mai bis Mitte Juni ein vielfältiges Programm aus Veranstaltungen zum Thema Naturschutz und Biodiversität geben. An den Wochenenden ziehen Theater, Musik und Artistik ins Zelt ein. Mit dabei sind: „Ole allein zu Haus“ ein Gastspiel des Thalia Theaters, Pianist Thomas Lambrich and Friends zu einem Konzertabend, die BUKEA mit dem öffentlichen „Wiesenzirkus“ zum Thema Wildstauden und viele mehr.

Der Garten entwickelt sich weiter

Um mehr geht es auch bei den aktuellen Bauprojekten des Loki-Schmidt-Gartens. Wer derzeit durch den Park spaziert, stößt hier und da auf Bauzäune und geschäftiges Treiben der über 70 Parkmitarbeiter. Grund hierfür ist die Sanierung der alten Tropengewächshäuser in Planten un Blomen am Dammtor. Die rund 3.000 teils seltenen Gewächse aus verschiedenen Klimazonen müssen übergangsweise nach Klein Flottbek umziehen. Das neue Gewächshaus soll auch danach genutzt werden. „Wir möchten außergewöhnliche Pflanzenarten der Öffentlichkeit zugänglich machen. Hier denken wir auch über einen Baumwipfelpfad nach“, so Kreuzkam.

Für den Bau des neuen Schaugewächshauses musste einiges weichen und neue Standorte gefunden werden, wie für das alte Amphitheater, den Duft- und Tastgarten sowie den Bibelgarten. „Wir haben im Park genug Platz, um einiges neugestalten zu können. So sind viele Mitarbeiter derzeit damit beschäftigt, einen neuen Bibelgarten zu gestalten. „Wir möchten mit der Auswahl der hier gezeigten Pflanzen auf alle Weltreligionen Bezug nehmen – und das sich hier viele Überschneidungen finden. Pflanzen spielen in religiösen Schriften eine zentrale Rolle, oft als Symbole für göttlichen Segen, Fruchtbarkeit, Vergänglichkeit oder als Nahrungsmittel mit hoher kultureller Bedeutung. Sie verbinden spirituelle Botschaften mit der Naturerfahrung.“

Der Bibelgarten wird sich wohl künftig in der Nähe des Wüstengartens befinden. Landmarke und fotogenes Markenzeichen hier sind die „blauen Pyramiden“. Sie sind ein Geschenk der Arabischen Emirate an den Garten und symbolisieren zwei Dau-Segel. Im blauen Glas lassen sich die Spiegelungen der Wolkenformationen beobachten. Das arabisch inspirierte Bewässerungssystem mit den kleine Stufen hinablaufendem Wasser lässt leise plätschernd ein echtes Oasengefühl aufkommen.

Auf einem etwa zweieinhalb Kilometer langen Rundweg begibt sich der Besucher auf eine Reise durch die botanische und geografische Vielfalt unseres Planeten. Abzweigungen, kleine Trampelpfade oder verzweigte Zwischenwege machen die Erkundung des Geländes dabei vielfältig und abwechslungsreich. Sie führen den Besucher mitten in die verschiedenen Gebiete und ihre Pflanzenwelt hinein und erlauben immer wieder neue Perspektiven, sehr nahe und unmittelbare An- und überraschende Aussichten. Wie beispielsweise die riesigen Mammutblätter der Gattung Gunnera, die größer als ein Erwachsener werden können.

Zudem ist der Park in drei große Oberthemen unterteilt: Pflanze und Mensch, Pflanzen-System sowie Pflanzen-Geografie. Auf eine kleine Weltreise lädt der Bereich „Pflanzengeografie“ ein. Hier sind die Gewächse nach geografischen und geobotanischen Gesichtspunkten ausgewählt. So können Besucher beispielsweise die amerikanische Prärie sowie Süd- und Nordamerika erkunden. Bizarre Ansichten bieten beispielsweise die Araukarien mit ihren stacheligen Ästen.

Von Japan bis zum Alpinum

Besonders faszinierend ist die Pflanzenwelt Japans und Chinas. Ob zur zarten Kirschblüte im Frühjahr oder zur vollen Blütezeit der Azaleen im Sommer, wenn der ganze Japangarten sich in ein kräftig pinkes Farbenmeer verwandelt – kaum vorstellbar, dass man sich noch immer mitten in Hamburg und nicht in Fernost befindet. Etwas weniger exotisch, aber nicht weniger spannend: das Alpinum, in dem sich die Besucher mit der Pflanzenwelt der Hochgebirge Europas vertraut machen können. Auf schmalen Pfaden geht es auf und ab, Bachläufe plätschern, während die Spaziergänger durch das Miniatur-Gebirge wandern.

Wald, Heide und Moor schließen sich an. Nicht verpassen: Die Abzweigung rechter Hand ins etwas versteckt liegende Kameliental – gerade zur Blüte im Frühjahr wunderschön – oder den Weg durch die üppigen Rhododendren. Hier gelangen die Besucher auch zum Bauerngarten mit dem Shop und zum neu gestalteten Apothekergarten, der auf ein ungewöhnliches Konzept setzt: Die einzelnen Beete zeigen entscheidende Stationen der Medizingeschichte mit ihren charakteristischen Pflanzen – nicht sortiert nach Krankheitsbildern. „Der Apothekergarten in all seiner Pracht fügt sich optimal in den thematischen Schwerpunkt des  Loki-Schmidt-Gartens ‚Pflanze und Mensch‘ in ihrer engen Verbindung und Interaktion miteinander zu zeigen“, so Kreuzkam.

Dieses Paradies bietet allen die Möglichkeit, Natur bewusst zu erleben, Neues zu entdecken und dabei zur Ruhe zu kommen

Veranstaltungen & Infos

Führungen: Allgemeine Sonntagsführungen: Von April bis Oktober jeden Sonntag, 10 Uhr zu unterschiedlichsten Botanischen Themen.

Musik: Do., 2. Juli: Ben Lux (Trompete) - Preisträger des Elise-Meyer Wettbewerbs.

Mähen mal anders: Sa., 4. Juli : Sensenworkshop – die umweltschonende handbetriebene Mahd (Mähen) erlernen.

Info: Ohnhorststraße, am S-Bahnhof Klein Flottbek, der Eintritt ist kostenlos und der Garten ist ganzjährig geöffnet.

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Anna-Lena Walter
Anna-Lena Walter
Redakteurin Print / Online
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