Heimatgeschichte

Gerhard Seel hält die Geschichte der Elbvororte auf Film fest

Iserbrook · · 4 Min. Lesezeit · von Anna-Lena Walter
Gerhard Seel an seinem Arbeitsplatz
Gerhard Seel an seinem Arbeitsplatz, umgeben von Nachschlagewerken und Filmmaterial.

Ob verschwundene Höfe, alte Geschäfte oder Zeitzeugen aus Blankenese und Iserbrook: Gerhard Seel sammelt seit mehr als 50 Jahren Geschichten, Bilder und Erinnerungen. Seine Filme sind längst zu einem lebendigen Archiv der Elbvororte geworden.

Alles begann 1971 mit der Dokumentation über die Geschichte des ehemaligen Gutes der Kaffeeröster-Familie Darboven in Iserbrook. Hobbyfilmer Gerhard Seel aus Iserbrook schnappte sich damals kurzerhand seine Schmalfilmkamera und legte damit den Grundstein einer lebenslangen Passion. „Als der ehrwürdige Hof eingerissen wurde, hatte ich das Gefühl, das muss ich festhalten.“ Dem 72-Jährigen ist es heute wie damals eine Herzensangelegenheit, die Erinnerung lebendig zu halten und diese mit historischen Fakten zu untermauern. Für seine Recherche über den Hof Bockhorst klapperte er damals die Nachbarn und Anwohner um den Hof ab. Aus alten Dias und Fotos sowie Gesprächen mit Zeitzeugen konstruierte Gerhard Seel die Dokumentation „Der Hof Bockhorst und seine Umgebung“.

Hobbyfilmer Gerhard Seel
Gerhard Seel: „Vieles ist amateurhaft, aber ich lege großen Wert auf korrekte Fakten und Darstellungen, deswegen durchsuche ich Archive, Bibliotheken, Museen und spreche mit Zeitzeugen.“

Danach folgten noch viele weitere Filme, beispielsweise über die Entstehung der Stadtteile Iserbrook und Blankenese, über die dortige Gastronomie im sogenannten „Bermudadreieck“ und die Schulen Dockenhudens im 19. Jahrhundert. Sowie über Geschäfte, wie das Textilhaus Korte oder Foto Heinrich. Dabei fungiert Gerhard Seel als Autor, Regisseur, Kameramann und Sprecher. Mit seiner charismatischen Stimme zieht Gerhard Seel seine Zuschauer in den Bann. Wie es sich für einen Hobbyfilmer gehört, holt sich Seel Unterstützung für manche Szene im Freundes- und Familienkreis.

Viele Ideen für Darstellungen entsprangen einer Bierlaune, berichtet der sympathische Rentner lächelnd. Er erinnert sich: „Für eine historische Darstellung im Bauerspark brauchte ich zwei Pferde. Kurzerhand fragte ich im nächstgelegenen Stall, ob jemand dafür Zeit hätte. Hatten sie.“ Lachend fügt er hinzu: „In der Rückschau bin ich selber verwundert, dass das alles immer gut geklappt hat. Viele Menschen haben scheinbar genauso viel Spaß am Schauspiel wie ich.“ Das Filmhandwerk hat er sich mühselig selber beigebracht, so auch das professionelle Sprechen, da ist er besonders pingelig. Sein Vorbild war in jungen Jahren Grandseigneur der Sprache Will Quadflieg. Dieser sagte einst: „Sprache ist wichtiger als Bilder. Die Stimme muss so kräftig sein, dass das Publikum bis in die letzte Reihe den Schauspieler deutlich versteht.“

Historie mit Herz und Humor

Verständlich muss auch die Reihenfolge eines Films sein. So orientiert sich Seel immer an den historischen Abläufen, bringt mit Hilfe von verschiedenen Stilmitteln Übergänge zustande. Oft schimmert Seels Humor durch, aber immer mit Respekt und gegebenem Ernst. Für all seine Filme hat er jahrelang recherchiert und Material gesammelt, bis es dann zum eigentlich Schnitt kam. „Vieles ist amateurhaft, ich lege aber immer Wert auf korrekte Fakten und Darstellungen.“ Dafür durchforstet er Archive, Bibliotheken, Museen und spricht mit Zeitzeugen. Diese kommen auch in den Dokumentationen zu Wort. Dieser Umstand macht die Filme von Gerhard Seel noch liebenswerter und interessanter. Seit Jahren ziehen diese heimischen Dokumentationen interessierte Elbvorortler in ihren Bann.

„Ich freue mich, wenn meine Filme das Publikum informieren und gleichzeitig unterhalten. Dokumentationen sollen ja nicht langweilig sein.“ Wie gut, dass sich Gerhard Seel von seinem ersten Lehrgeld die Super-8 kaufte und seinem Hobby bis heute treu blieb. Natürlich mit modernerem Equipment. All die Jahre hat er Unmengen an Material gesammelt und ist nun dabei, eine Fortsetzung des 2018 erschienen „Iserbrook“-Films zu erarbeiten.

Erinnerungen für die Zukunft

Auch wenn Gerhard Seel kein studierter Historiker oder Regisseur ist, so ist sein Engagement als Chronist für die Erhaltung historischer Fakten über Blankenese, Dockenhuden, Iserbrook sowie die „alternativen und einmaligen Typen“ der Elbvororte bemerkenswert. So ist es nicht verwunderlich, dass er bei vielen Gelegenheiten gebeten wird, seine Filme in Kirchen, im Blankeneser Markthaus oder in Seniorenresidenzen zu zeigen – und so die Erinnerungen an früher Personen, Institutionen, Gebäude und ganze Stadtteile lebendig zu halten.

Gerhard Seel
wurde 1953 geboren und wuchs in Iserbrook auf. Nach seinem Schulabschluss an der Frahmstraße in Blankenese absolvierte er eine kaufmännische Lehre, machte sein Fachabitur und arbeitete als Rechnungsprüfer bei der Bundeswehr. Er ist Amateurschauspieler in Wedel, Filmer und Dokumentar. Die Dokumentarfilme sind käuflich zu erwerben. Bitte melden Sie sich deswegen bei der Redaktion.

Anna-Lena Walter
Anna-Lena Walter
Redakteurin Print / Online
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