Sportgeschichte

Altona 93 verliert sein Stadion an der Griegstraße

Freizeit & Sport · · 4 Min. Lesezeit · von Jörg Marwedel
ans von Altona 93 feiern mit Fahnen und Pyrotechnik in der Adolf-Jäger-Kampfbahn.
Demnächst Geschichte: Bombenstimmung in Altonas Stadion

Die Adolf-Jäger-Kampfbahn zählt zu den ältesten Fußballstadien Deutschlands. Spätestens 2029 soll sie abgerissen werden, Altona 93 zieht dann in ein neues Stadion am Diebsteich. Für den Traditionsklub endet damit ein 121-jähriges Kapitel.

Porträt von Andreas Dressel.
Senator Andreas Dressel: Das Areal soll mit dem Stadion, den neuen Büro- und Gewerbeflächen, einem neuen Vereinsheim von Altona 93 und viel Grün „ein lebendiger, lebenswerter Ort“ werden.

Dass Bautermine nicht eingehalten werden, ist nicht neu. Siehe Elbphilharmonie oder der Elbtower. Jetzt aber hat Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) einen Termin in der zweiten Jahreshälfte 2029 bestätigt, der ein 121-jähriges Kapitel schließen soll.

Er hat quasi verbürgt, dass dann nach etlichen Verzögerungen das neue Stadion von Altona 93 am Diebsteich auf dem ehemaligen ThyssenKrupp-Gelände fertig ist. Und das bedeutet: Die Adolf-Jäger-Kampfbahn, eines der ältesten Fußballstadien in Deutschland, wird dann für den Wohnungsbau abgerissen. Die bisher für 2026 geplante Demontage wird, so Altonas Präsident Ragnar Törber, nach guten Gesprächen mit den neuen Besitzern wohl bis 2029 hinausgezögert.

Das Aus für die Adolf-Jäger-Kampfbahn ist nichts für Fußball-Romantiker. 1908 wurde die Arena an der Griegstraße eingeweiht, die aber erst 1944 nach dem berühmtesten 93-Fußballer und Nationalspieler so genannt wurde. 1922 wurde der Zuschauerrekord von 27.000 bei einem Repräsentativspiel Norddeutschland gegen Südschweden aufgestellt – damals war es die größte Arena in Altona und Hamburg. 1964 kamen noch einmal 16.000 Fans, um fast den Einzug des AFC ins DFB-Pokalfinale zu erleben. Erst in der 85. Minute gelang dem Bundesligisten 1860 München der Ausgleich. In der Verlängerung siegten die Münchner noch 4:1 und kamen im Jahr darauf bis ins Europacup-Endspiel.

Obwohl die Adolf-Jäger-Kampfbahn immer maroder wurde und inzwischen nur noch für 5.000 Menschen zugelassen ist, ist die Faszination für das Stadion inmitten der Genossenschaftshäuser rund um die Griegstraße nicht verloren gegangen. Und obwohl Altona 93, einer der Mitbegründer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Jahr 1900, nur noch viert- und in der kommenden Saison sogar wieder fünftklassig spielt, ist der AFC nach dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli der populärste Klub in Hamburg.

2.340 Zuschauer pro Spiel kamen in der vergangenen Abstiegssaison in der Regionalliga. In der Oberliga pilgerten im Jahr zuvor mit einem Schnitt von 1.457 nicht weniger als 56 Prozent aller Oberliga-Fans in die Adolf-Jäger-Kampfbahn. Viele AFC-Anhänger stehen dem FC St. Pauli nahe, der ihnen aber zu kommerziell geworden ist. Da gehen sie lieber zur Adolf-Jäger-Kampfbahn.

Schon 2007 hatte Altona 93 das Gelände, das man 1921 erworben hatte, für 11,25 Millionen Euro an den Altonaer Spar- und Bauverein (Altoba) und die Behrendt Grundstücke KG verkauft. Allerdings ohne Wertsteigerungsklausel, was im Nachhinein einen erheblichen Verlust bedeutet. Heute ist das Grundstück geschätzte 38 Millionen Euro wert.

Ein nicht unerheblicher Teil wird jetzt in das neue, 4.999 Zuschauer fassende Stadion am Diebsteich investiert. Mieter der städtischen Immobilie wird die Behörde für Inneres und Sport, Betreiber einschließlich der Vereinsgastronomie wird Altona 93 sein. Der gesamte Sportpark am Diebsteich soll 159 Millionen Euro kosten. Das Areal soll mit dem Stadion, den neuen Büro- und Gewerbeflächen, einem neuen Vereinsheim von Altona 93 und viel Grün „ein lebendiger, lebenswerter Ort werden“, sagte Andreas Dressel dem „Abendblatt“. Ob die Fans diesen neuen Ort annehmen werden?

Das Areal soll mit dem Stadion, den neuen Büro- und Gewerbeflächen, einem neuen Vereinsheim von Altona 93 und viel Grün „ein lebendiger, lebenswerter Ort“ werden.

Senator Andreas Dressel

Immerhin hat der Klub durchaus ehrgeizige Pläne. „Wir wollen dann dauerhaft in der Regionalliga spielen“, sagt Präsident Ragnar Törber. Es gibt dieses Jahr noch mal einen Umbruch in der Mannschaft. Man hat schon einige viel versprechende Talente verpflichtet. Und vor allem hat man nach der sechsjährigen Ära des Trainers Andreas Bergmann den Oberliga-Meistertrainer Jan-Philipp Rose, 40, samt Assistent Hubertus Reinecke vom ETSV Hamburg unter Vertrag genommen.

„Tolle Leute“, sagt Törber, der Ende 2025 das Präsidenten-Amt von Gönner Dirk Barthel übernommen hatte. Der stand dem Verein 26 Jahre vor und ist nun Ehrenpräsident. Die neue AFC-Generation muss demnächst ohne die Adolf-Jäger-Kampfbahn zusammenkommen.

Altona 93

Der Altonaer Fußball-Club von 1893 e. V. (AFC) ist einer der ältesten Fußballclubs in Deutschland und spielt aktuell in der Oberliga Hamburg.

Jörg Marwedel
Jörg Marwedel
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