Zwischen Trainingsplatz und Fernuni: Jan Kuller lebt für Hockey
Vier Jugendteams trainieren, Spiele organisieren, Eltern koordinieren und nebenbei studieren: Für Jan Kuller ist Hockey längst mehr als ein Hobby. Der 24-Jährige hat sich bewusst gegen ein klassisches Maschinenbaustudium entschieden – und für einen Berufsalltag auf dem Hockeyplatz der SV Blankenese.
Trainer stehen zwei Stunden auf dem Platz – und das war’s? Bei dieser Vorstellung muss Jan Kuller lachen. „Schön wär’s“, sagt der 24-Jährige. Als dualer Student bei der SV Blankenese verbindet er Studium und Beruf: Der Verein finanziert sein Sportmanagement-Studium, dafür trainiert er vier Jugendmannschaften im Hockey und unterstützt zusätzlich die Geschäftsstelle.
Seit 2024 ist Kuller in Vollzeit bei der SVB tätig. Zuvor arbeitete er bereits vier Jahre nebenbei als Hockeytrainer in Blankenese – zunächst parallel zu seiner Ausbildung zum Industriemechaniker, später neben einem Maschinenbaustudium.
„Das hat irgendwann einfach nicht mehr funktioniert. Ich musste mich entscheiden, ob ich die Zeit fürs Hockey stark reduziere oder das Studium aufgebe. Und Hockey war mir viel zu wichtig, um es aufzugeben“, erzählt er.
Mehr als nur Training
Nach einigen vereinsinternen Gesprächen und der Suche nach einer passenden Fernuniversität fiel schließlich die Entscheidung für ein duales Modell. „Das klappt echt gut, weil das Studium komplett digital ist und ich dadurch zeitlich sehr flexibel bin.“
Flexibilität ist ihm auch im Arbeitsalltag wichtig: „Abgesehen von Training und Spielen kann ich selbst entscheiden, wann und wo ich organisiere und plane.“ Ganz ohne Einschränkungen funktioniert das allerdings nicht. „Ich arbeite schon sehr antizyklisch zu meinem Umfeld. Gerade an Wochenenden ist es schwierig, da noch Freunde und Familie unterzubringen.“
„Ich bin Hockeytrainer – Ich trainiere bei der SV Blankenese die Jungs in den Altersklassen U8, U10, U16 und U18. Das ist ein Vollzeitjob, an drei Tagen steh ich von 15 bis oft 22 Uhr auf dem Platz, an den Wochenenden sind Spieltage und Turniere.
Davor plane ich zu Hause die Trainingseinheiten, kümmere mich um Organisatorisches und die Planung der Saison. Dazu arbeite ich in der Geschäftsstelle im Bereich der Mitgliedergewinnung und kümmere mich insbesondere um die Kooperationen mit Schule und Kitas.“
Die Entscheidung gegen Maschinenbau und für Hockey hat er bis heute nicht bereut. „Hockey und alles drumherum macht einfach zu viel Spaß, als dass ich darauf verzichten möchte. Es ist ein wichtiger Teil meines Lebens.“
Zum Hockey kam Kuller eher zufällig: „Bei uns im Dorf wurde 2011 die Abteilung neu gegründet und mein Bruder war direkt dabei. Ich fand seinen Schläger damals so cool, dass ich es einfach ausprobiert habe.“ Auch in Blankenese fühlt sich der 24-Jährige wohl. „Nach dem Studium habe ich auf jeden Fall vor, erst einmal hierzubleiben.“
Sein Arbeitsalltag bleibt dabei abwechslungsreich – auch wegen der unterschiedlichen Altersklassen. „In der U8 müssen viele erst einmal lernen, mit dem Schläger überhaupt zu laufen. In der U10 geht es dann richtig mit Hockey los. In der U16 konzentriert man sich schon mehr auf die individuellen Stärken, und in der U18 erfolgt nach und nach die Integration in die Herrenmannschaft.“