600 Betten, 17 OP-Säle: So soll die neue Klinik Altona aussehen
Am Standort in Othmarschen soll bis 2035 eine neue Asklepios Klinik Altona entstehen. Der Senat hat nun die Weichen für das Vergabeverfahren gestellt – auf einem Grundstück mit besonderen Herausforderungen.
Die Asklepios Klinik Altona gehört zu den wichtigsten Krankenhäusern für den Hamburger Westen. Mehr als 280.000 Menschen leben allein in den umliegenden Stadtteilen, hinzu kommen mehr als 300.000 Menschen im benachbarten Kreis Pinneberg. Auch Teile der A7 und das Hafengebiet gehören zum Versorgungsgebiet. Rund 90.000 Patienten werden jährlich in der Klinik behandelt, mehr als 30.000 davon stationär.
Nun ist der geplante Neubau einen Schritt weiter. Der Senat hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Asklepios ein europaweites Vergabeverfahren starten kann. Planung und Bau sollen dabei aus einer Hand vergeben werden. Über die endgültige Umsetzung und Finanzierung muss die Bürgerschaft allerdings noch entscheiden. Grundlage dafür sollen die Angebote aus dem Vergabeverfahren sein.
Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer spricht von einem „entscheidenden“ Schritt: „Jetzt starten wir das Vergabeverfahren und machen den nächsten wichtigen Schritt hin zu einem hochmodernen Krankenhaus.“
600 Betten und neue medizinische Zentren
Vorgesehen ist ein Klinikum mit rund 54.000 Quadratmetern Nutzfläche und 600 Betten, darunter 60 Intensivbetten. Für die Neonatologie sind zusätzlich 47 Betten vorgesehen. Zwölf Operationssäle sollen der stationären Versorgung dienen, fünf weitere ambulanten Eingriffen.
Dabei geht es nicht nur um ein neues Gebäude. Stationäre, teilstationäre und ambulante Angebote sollen stärker miteinander verzahnt werden. Behandlungsschwerpunkte sollen räumlich und organisatorisch in Zentren gebündelt werden. Geplant sind ein Bauchzentrum für Gastroenterologie, Gynäkologie und Urologie, ein Herz-Gefäß-Zentrum sowie ein Neuro-Kopf-Zentrum. Kurze Wege zwischen den Funktionsbereichen sollen die Abläufe für Patienten und Beschäftigte verbessern.
Auch die umfassende Notfall- und Unfallversorgung soll erhalten bleiben. Gemeinsam mit dem Altonaer Kinderkrankenhaus wird zudem das Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe weitergeführt.
Schwieriger Baugrund verändert die Planung
Eine der größten Herausforderungen liegt unter der Erde. Das vorgesehene Baufeld zwischen Behringstraße, A7, dem bisherigen Perinatalzentrum und den Teichen nördlich der Klinik befindet sich im Bereich eines Salzstocks. Hinzu kommen mehrere Erdfälle. Bei einem davon wurden laut Drucksache Baugrundverschiebungen bis in 400 Meter Tiefe festgestellt. Eine Überbauung dieses Bereichs gilt deshalb nahezu als ausgeschlossen.
Die Planung wurde daraufhin verändert: Die Grundfläche des Neubaus wurde verkleinert, das Gebäude weiter nach Süden verschoben und höher geplant. Der nördliche Gebäudeteil soll bis zu elf oberirdische Geschosse und rund 45 Meter Höhe erreichen. Auf dem Dach ist der Hubschrauberlandeplatz vorgesehen.
Auch ein anderer Standort wurde geprüft. Nach Angaben des Senats fand sich im Hamburger Westen jedoch keine verfügbare Fläche, die zugleich die Anforderungen an Größe, Tragfähigkeit, Verkehrsanbindung und Lage im Versorgungsgebiet erfüllt. Deshalb soll trotz der schwierigen Bodenverhältnisse in Othmarschen gebaut werden.
Auch Straßen, Bushaltestelle und Kita müssen weichen
Der Neubau verändert das Umfeld der Klinik erheblich. Die Kita auf dem Krankenhausgelände liegt im künftigen Baufeld und soll an den Othmarscher Kirchenweg verlegt werden. Auch eine neue Rettungswache ist vorgesehen. Die heutige Paul-Ehrlich-Straße verläuft durch das Baufeld und muss zurückgebaut werden. Später soll sie südlich des Neubaus neu entstehen.
Die Bushaltestelle soll an die Behringstraße verlegt werden. Hinzu kommen neue Leitungen sowie Änderungen an Fuß- und Radwegen. Allein für diese Infrastrukturmaßnahmen rechnet die Stadt bis 2035 derzeit mit rund 30 Millionen Euro. Für erste Arbeiten sind im Haushaltsplanentwurf 2027/2028 bereits 14 Millionen Euro vorgesehen.
Während der gesamten Bauzeit soll die bestehende Klinik weiterarbeiten. Insbesondere die Zufahrt für Rettungs- und Notarztfahrzeuge sowie Versorgungsverkehr muss durchgehend gewährleistet bleiben. Auch der bisherige Hubschrauberlandeplatz muss bis zum Umzug funktionsfähig bleiben.
Noch offen ist eine zusätzliche Funktion der geplanten Tiefgarage. Geprüft wird, ob sie im Zivilschutzfall für zusätzliche medizinische Kapazitäten vorbereitet werden kann. Denkbar sind laut Senatsdrucksache fahrzeuggestützte OP- und Behandlungscontainer, die dort an vorbereitete Versorgungsleitungen angeschlossen werden könnten. Eine Entscheidung über die dafür notwendigen Vorkehrungen und deren Finanzierung steht noch aus.
Kosten werden erst später veröffentlicht
Wie teuer der Klinikneubau insgesamt wird, ist derzeit nicht öffentlich bekannt. Stadt und Asklepios haben sich zwar auf einen Kostenrahmen verständigt, die Summe soll aber erst nach Eingang der Angebote genannt werden, um das laufende Vergabeverfahren nicht zu beeinflussen.
Für die förderfähigen Investitionskosten ist eine Aufteilung vereinbart: Hamburg übernimmt aufgrund der besonderen Bedingungen am Standort 77 Prozent, Asklepios 23 Prozent. Bei großen Klinikneubauten liegt der Eigenanteil des Trägers in Hamburg üblicherweise eher bei rund einem Drittel; die schwierige Baugrundbeschaffenheit wurde bei der niedrigeren Asklepios-Quote berücksichtigt.
Was passiert mit dem alten Klinikhochhaus?
Mit dem Neubau stellt sich auch die Frage nach der Zukunft des markanten Bestands. Das heutige Krankenhaus wurde für 1.000 Betten konzipiert, das 21-geschossige Hauptgebäude 1970 fertiggestellt. Bereits eine Untersuchung aus dem Jahr 2017 kam zu dem Ergebnis, dass ein Neubau für einen modernen Krankenhausbetrieb erforderlich sei.
Nach dem Umzug sollen die alten Klinikgebäude nicht einfach verschwinden. Für die mehr als 100.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche werden verschiedene Nachnutzungen untersucht. Genannt werden unter anderem Wohnungen, Büros, Hotel- und Gastronomieangebote, studentisches Wohnen sowie öffentliche oder wissenschaftsnahe Nutzungen. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Mit einer Vermarktung der sanierten Flächen rechnet die Stadt frühestens 2037 oder 2038.
Die Inbetriebnahme des neuen Krankenhauses ist derzeit für 2035 vorgesehen.