Interview

Markus Schneider: „Genuss und Gesundheit schließen sich nicht aus“

Gesundheit · · 4 Min. Lesezeit · von Pia Möller
Markus Schneider
Markus Schneider (50) blickt über die Weinberge seines Weinguts in Rheinland-Pfalz.

Wein, Gesundheit und ein langes Leben – passt das zusammen? Winzer Markus Schneider spricht im Interview über bewussten Genuss, soziale Verbundenheit, alkoholfreie Alternativen und warum ein gutes Glas Wein für ihn vor allem eines bedeutet: Gemeinschaft.

Markus, wir haben uns dieses Jahr mitten auf dem Pazifik auf der „Europa 2“ kennengelernt. Dort hatten wir Zeit, über Genuss, Gesundheit und die Frage zu sprechen, ob das eigentlich zusammenpasst.

Markus Schneider Ja klar, das passt zusammen. Für mich gehört das sogar zusammen.

Du bist eher diszipliniert oder ein bewusster Genießer?

Beides, je nach Situation. Der bewusste Genuss gehört natürlich auch zu meinem Beruf. Das bildet mich weiter und hilft mir, mein Produkt besser zu machen. Gleichzeitig gibt es Zeiten wie die Ernte, in denen ich vier Wochen komplett für die Produktion da bin. Dann funktioniert auch Disziplin.

Ist Genuss für dich automatisch mit Wein verbunden?

Ja, unbedingt. Ich schaue genauso aufmerksam in ein Menü – wie in die Weinkarte. Für mich wird das eine mit dem anderen erst rund und perfekt – natürlich immer in Maßen.

Auf dem Schiff gab es morgens immer Karottensaft und abends das Glas Wein. Qualität statt Quantität?

Selbstverständlich. Ich finde den Ansatz mit dem Karottensaft hervorragend. Aber wenn du auf See bist und einen Seetag hast, dann darf es auch ein Glas Wein zum Mittagessen geben. Es muss ja keine Flasche sein. Ein Glas Wein begleitet dann einfach den Moment und entspannt.

Warum Wein mehr ist als ein Getränk

Wenn ich dir den Begriff Longevity zuspiele – also ein langes, gesundes Leben –, gehört Wein für dich trotzdem dazu?

Ja, Wein begleitet die Menschheit seit Tausenden von Jahren. Schau in die Geschichte oder in die Bibel – Wein war immer Teil von Gemeinschaft und Kultur.

Viele denken beim Thema Wein sofort an Alkohol und Zucker. Wie siehst du das?

Das kommt auf den Wein an. Bei Süßweinen ist natürlich mehr Zucker enthalten. Aber die meisten Weine, die in meinem Umfeld getrunken werden, sind trocken. Da liegt der Zuckeranteil oft nur zwischen zwei und fünf Gramm pro Liter.

Würdest du sagen, Wein hat auch etwas mit Entschleunigung zu tun?

Ja, absolut. Wein entschleunigt – zumindest mich.

Und auch mit mentaler Gesundheit?

In Maßen, ja. Das unterschreibe ich sofort.

Markus Schneider
Markus Schneider spricht im Interview über bewussten Genuss, soziale Verbundenheit und die Frage, warum Gesundheit für ihn auch Gemeinschaft bedeutet.

Trinkst du eigentlich alleine Wein?

Niemals. Für mich gehört Wein zu Kommunikation und Gesellschaft. Ich glaube nicht, dass ich mir jemals allein eine Flasche aufgemacht habe.

Wollen wir eigentlich länger leben oder länger und gesünder?

Länger und gesünder – und selbstbestimmt. Ich bin letztes Jahr 50 geworden, da denkt man natürlich darüber nach. Wichtig ist mir vor allem: Möchte ich noch laufen können? Möchte ich noch alles mitbekommen? Möchte ich die Welt auskosten können? Und vielleicht auch noch ein Glas Wein genießen?

Wie findest du den Trend alkoholfreier Wein?

Ich genieße alkoholfreie Getränke jeden Tag – Wasser oder Tee zum Beispiel. Aber Wein erst zu produzieren und ihm dann mit großem Energieaufwand den Alkohol wieder zu entziehen, ergibt für mich keinen Sinn. Das Produkt wird dadurch schlechter als das Ausgangsprodukt.

Viele wissen vermutlich gar nicht, dass alkoholfreier Wein zunächst normal vergoren wird.

Ja, genau. Erst entsteht durch die Gärung Alkohol, danach wird er wieder entzogen. Das bedeutet zusätzlichen Stress für das Produkt und auch einen hohen Energieaufwand.

Gibt es für dich Alternativen?

Ja, definitiv. Gerade Tee finde ich spannend. Durch die Tannine und die Phenolik kann Tee ein sehr guter Speisenbegleiter sein. Damit beschäftige ich mich im Moment intensiv.

Du bist inzwischen nicht nur Winzer, sondern auch Gastgeber und Netzwerker. Hat das ebenfalls mit Gesundheit zu tun?

Ja, absolut. Das habe ich von meiner Mutter gelernt: alle glücklich machen, die am Tisch sitzen – ob auf dem Teller, im Glas oder im Gespräch. Soziale Verbindungen und Kommunikation gehören für mich dazu.

Kann Genuss also Hand in Hand mit Gesundheit gehen?

Absolut. In meinem Leben funktioniert das so. Mich macht ein Glas Wein zu gutem Essen – in Maßen – glücklich. Und das hält mich gesund.

Was möchtest du den Lesern mitgeben?

Das Leben ist wunderschön.

Pia Möller
Osteopathin und Gesundheitsexpertin
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