Warum Liebe mehr als 50:50 braucht
Liebe wirkt in unserem Leben – und vor allem in unseren Beziehungen – wie ein starker Klebstoff, der alles tiefer und fester zusammenhält. Liebe scheint eine Kraft zu sein, die sich in uns ausdehnt und wächst. Ich glaube, Liebe hat immer den Anspruch, das eigene Selbst zu entwickeln und spirituell auszudehnen und gleichzeitig einem anderen Menschen, wie in einer Partnerschaft, alles zu geben, was möglich ist, ohne nach Belohnung zu fragen.
Wie können wir uns dieser Kraft öffnen?
Viele Menschen glauben, in einer Partnerschaft und Liebesbeziehung übernimmt jeder fünfzig Prozent Verantwortung für das Gelingen der Beziehung. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum und basiert auf einer Idee von gerechter Aufteilung, die es aber in der Liebe nicht gibt. Diese Einstellung führt immer in ein Defizit. Nur wenn beide bereit sind, jeweils hundert Prozent Verantwortung zu übernehmen, können wir sicher sein, immer genügend Potenzial zur Verfügung zu haben, um auch schwierige Phasen, in denen mein Partner nicht alles geben kann, gut durchzustehen.
In den Lebensphasen, die glücklich verlaufen, entsteht durch diese Einstellung eine noch tiefere ungehinderte Verbindung, die das Liebevolle stärkt. Diese Haltung macht frei und führt dazu, Konkurrenzverhalten und das Gefühl der Ungerechtigkeit aufzulösen. „Was verletzt, ist keine Liebe“, dieser Satz beschreibt, dass Liebe, wie schon erwähnt, nicht nur eine tiefe zugewandte emotionale Dimension, sondern eine innere Haltung ist, die das Wachstum von Liebe erst möglich macht.
Aber wir alle fallen ständig aus der Liebe heraus. Warum ist das so? Die Antwort liegt in uns selbst. Es geschieht, weil wir selber ein Thema oder eine Verletzung in uns tragen, die wir an den Partner weitergeben. Verletzungen, Herabwürdigung, Aggression sind der Treibstoff, der uns aus der liebevollen Verbindung herauskatapultiert. Der Grund ist, dass wir in unserem Leben mit den vielen mächtigen Prägungen und Infiltrationen, unserer Kindheit und Jugend, inklusive der enormen gesellschaftlichen Einflussnahmen leben. Diese Verhaltensmuster tragen wir in uns und nehmen es mit in unsere Beziehungen.
Die alltäglichen Probleme, wie Überforderung, Stress und Lebensdruck, führen dazu, dass wir in unseren Partnerschaften immer wieder an der Liebe scheitern. Dann liegt es an uns, so schnell wie möglich ganz bewusst wieder zurückzukehren in die eigene Verantwortung, um das Band wieder zu stärken. Liebe ist so etwas wie auf einem hohen Berg zu stehen. Vielleicht auf der Spitze eines Berges zu verweilen, in die Wolken zu schauen und eine herrliche, klare Luft zu atmen, die sich so leicht anfühlt, als wäre sie gar nicht vorhanden. Wir sind leichten Herzens und tief verbunden mit allem. Wir fühlen uns ohne Einschränkungen akzeptiert und mit uns selbst in Kontakt.
Wer Verantwortung übernimmt, kann Liebe finden
Es wird uns nicht leicht gemacht, denn das, was wir in unserer Welt erleben, also unsere gesellschaftliche, politische und soziale Situation, ist keine Liebe. Macht und finanzielle Strukturen sind keine Liebe. Wir leben immer mehr in einer egoistischen, auf Konkurrenz ausgerichteten und narzisstischen Gesellschaft, und auch das verhindert Liebe. Aber wenn wir uns entscheiden, Liebe wirklich zuzulassen und einhundert Prozent Verantwortung in unseren Partnerschaften übernehmen, können wir uns ein großes Stück befreien, aus den Prägungen der Vergangenheit und der Klammer der Gesellschaft.
Wer seine inneren Muster bearbeitet, findet Frieden.
In meinen therapeutischen Sitzungen mit Paaren treffe ich oft auf das Phänomen der Entfremdung und des Auseinanderlebens. Sie driften wie Treibgut immer weiter voneinander weg, bis wir den anderen nicht mehr spüren können. Die Quelle ist das mangelnde Verantwortungsbewusstsein für das Gelingen der Liebesbeziehung. Fast immer wird verglichen und nach Belohnung verlangt. Wir wollen immer etwas bekommen, oft ohne vorher etwas gegeben zu haben. Wir lassen uns leiten und dirigieren von den Stimmen der Vergangenheit, die sich längst nicht mehr aufdrängen sollten. Bearbeiten Sie diese inneren Muster, kommen Sie zur Ruhe, indem Sie auch dafür die Verantwortung übernehmen.
Sie werden eine neue innere Freiheit erleben. Leben Sie in Ihrer Partnerschaft mit dem Bewusstsein, alles zu tun, was Ihnen möglich ist, ohne danach zu fragen, was für Sie drin ist. Wenn beide Partner diese Einstellung leben lernen, werden sie eine erfüllte, lange Beziehung erfahren, die vielleicht sogar in wirklicher Liebe aufgeht.
Zum Autor
Dirk Fischer ist Mentor für Persönlichkeitsbildung in Hamburg. Seit über 25 Jahren findet die Beschäftigung mit Themen in therapeutischen und beratenden Bereichen und dem Gebiet der Heilarbeit in seiner Praxis statt. Er unterstützt Menschen jeden Alters bei herausfordernden Lebensabschnitten.
Weitere Informationen: www.dirk-fischer-hamburg.de