Hauke Jessen schafft aus Holz Skulpturen mit Charakter und Persönlichkeit
Mit Kettensäge, Schnitzeisen und viel Gespür für Details erschafft Bildhauer Hauke Jessen aus Holz ausdrucksstarke Figuren und Porträts. In seiner Werkstatt in Alt-Osdorf verbindet er traditionelles Handwerk mit künstlerischer Interpretation und einem Blick für den Menschen.
Ganz schön laut hier – in der Werkstatt von Hauke Jessen in Alt-Osdorf kommt die Kettensäge zum Einsatz. Der Bildhauer selbst, angetan mit Helm, Gehörschutz und Brille, arbeitet an einem rohen Holzklotz, legt die erste Form an. Er ist in guter Gesellschaft von seinen fertigen Köpfen und Figuren. Schmollmünder und Faltenwurf in Holz ist da zu entdecken und kleine farbige Figuren aus Plastillin.
Der Mensch ist sein ausschließliches Thema, wenn es um die eigenen Arbeiten geht. Und da muss man genau hinsehen. Einige der Skulpturen verbinden antike Themen mit Attributen der modernen Zeit. So gibt es den Kopf einer „Athene“, die eine Brille in den Haaren trägt. Wer wissen will, warum das so ist, muss sich etwas länger auf das Werk einlassen, nachdenken, warum die „Göttin der freien Kunst“ vielleicht eine Brille in petto haben könnte. Eine andere Arbeit zeigt einen Mann im Anzug, ausgerüstet mit Pfeil und Bogen. Bei einem nackten Cupido verdeckt eine Popper-Tolle die Augen.
Die erste Idee setzt Jessen in ein Modell aus Ton um. Erst wenn alle Details stimmen, folgt die Umsetzung in Holz. „Dann geht es nur noch geradeaus“, so der Bildhauer. Nach Vorbildern seiner Arbeit gefragt, meint er bescheiden: „Wir stehen auf den Schultern von Titanen. Man versucht immer, etwas besser zu werden.“
An einer Werkkunstschule in Flensburg hat er nach dem Realschulabschluss drei Jahre lang die Schnitzkunst studiert. Mit dem Gesellenbrief in der Tasche ging er anschließend weitere drei Jahre lang ganz traditionell auf Wanderschaft durch Europa. Mit der „Prinz Hamlet“ etwa setzte er nach England über, hielt sich zeitweise in London auf und baute monatelang gemeinsam mit einem Zimmermann eine Werkstatt für einen privaten Auftraggeber auf dem Land. 1998 kam er in Hamburg an.
Sich von der Kunst zu ernähren ist bekannterweise nicht ganz einfach. Für Hauke Jessen bedeutete das, neben seiner Kunst auch zeitweise andere Jobs zu machen. Zwölf Jahre etwa arbeitete er beim NDR, baute für die „Sesamstraße“ Kulissen. Heute kann er von privaten Auftragsarbeiten und Porträts leben und lehnt auch Anfragen der Kirche nicht ab. So hat er für den Michel an der Restaurierung eines Epitaphs mitgearbeitet und für das Rauhe Haus ein Triptychon geschnitzt. Immer wieder sind seine Arbeiten in Galerien zu bewundern – so ist er im August mit drei Arbeiten in der Galerie am Dom in Wetzlar vertreten.
Interessierte können das Schnitzen bei Hauke Jessen lernen. An zwei Abenden in der Woche führt er ein offenes Atelier, Holz und Werkzeug sind vor Ort.