Wenn das Vermögen im eigenen Haus steckt
Das Eigenheim ist viel wert, doch das Vermögen steckt in den eigenen vier Wänden. Für ältere Eigentümer gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Immobilie zur Finanzierung des Ruhestands zu nutzen. Welche Lösung infrage kommt, hängt von der persönlichen Situation und den individuellen Zielen ab.
Wer heute durch Blankenese, Nienstedten oder Othmarschen spaziert, sieht gepflegte Einfamilienhäuser, Jugendstilvillen und großzügige Eigentumswohnungen. Viele dieser Immobilien wurden vor Jahrzehnten gekauft – zu Preisen, die aus heutiger Sicht kaum vorstellbar sind. Inzwischen sind sie oft mehrere hunderttausend oder sogar Millionen Euro wert. Doch dieser Wert ist für viele ihrer Besitzerinnen und Besitzer zunächst nur eine Zahl. Denn das Vermögen steckt in den eigenen vier Wänden. Gleichzeitig steigen Lebenshaltungskosten, Energiepreise und nicht selten auch die Ausgaben für Gesundheit oder Pflege. Die gesetzliche Rente hält mit dieser Entwicklung häufig nicht Schritt. Das Ergebnis: Viele Seniorinnen und Senioren gelten als vermögend, verfügen im Alltag aber nur über ein begrenztes Einkommen.
„Es gibt eine Vielzahl an Lösungen, um mit der eigenen Immobilie den Ruhestand zu finanzieren. Jedes Modell hat seine Vor- und Nachteile“
Kein Wunder also, dass Modelle der Immobilienverrentung zunehmend auf Interesse stoßen. Sie versprechen zusätzliches Geld, ohne dass Eigentümerinnen und Eigentümer ihr Zuhause aufgeben müssen. Doch die Angebote unterscheiden sich erheblich. „Es gibt eine Vielzahl an Lösungen, um mit der eigenen Immobilie den Ruhestand zu finanzieren. Jedes Modell hat seine Vor- und Nachteile“, betont Denham Block, Immobilienexperte der Verbraucherzentrale Hamburg. Eine Möglichkeit ist der Verkauf der eigenen Immobilie unter Vorbehalt eines lebenslangen Wohn- oder Nießbrauchrechts. Das Eigentum geht auf den Käufer über, während die bisherigen Eigentümer weiterhin dort wohnen bleiben können. Ein Wohnrecht berechtigt zur eigenen Nutzung der Immobilie, während ein Nießbrauchrecht darüber hinaus das Recht umfasst, die Immobilie zu vermieten und die Mieteinnahmen zu beziehen. Wie attraktiv dieses Modell ist, hängt von der Vertragsgestaltung ab. Nutzungsrechte, Instandhaltungs- und Modernisierungskosten, Regelungen für einen möglichen Auszug sowie Kaufpreis und laufende Zahlungen können sich erheblich unterscheiden.
Relativ neu am Markt ist der Teilverkauf. Dabei wird nur ein Anteil der Immobilie an ein Unternehmen verkauft, während die Eigentümer weiterhin darin wohnen. Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht dieses Modell jedoch kritisch. Sie verweist auf komplexe Vertragskonstruktionen, laufende Nutzungsentgelte, Beteiligungen an Wertsteigerungen und oft hohe Kosten bei einem späteren Gesamtverkauf. Die tatsächliche finanzielle Belastung lasse sich deshalb häufig nur schwer abschätzen. Eine weitere Möglichkeit ist der Verkauf mit Rückmietung. Das Haus oder die Wohnung wird verkauft, die bisherigen Eigentümerinnen oder Eigentümer bewohnen die Immobilie weiterhin, jetzt aber zur Miete.
Alternativ können Darlehenslösungen infrage kommen. Bei einem Seniorenkredit bleibt die Immobilie im Eigentum, dient aber als Sicherheit für ein Darlehen, das beispielsweise als Einmalbetrag oder in regelmäßigen Auszahlungen ausgezahlt wird. Ob ein solches Modell sinnvoll ist, hängt stark von den persönlichen finanziellen Zielen, der Einkommenssituation und der konkreten Ausgestaltung des Vertrags ab. Entscheidend sind insbesondere Zinssatz, Laufzeit, Tilgungsregelungen, mögliche Sicherheiten sowie die Auswirkungen auf das spätere Vermögen und die Erbfolge.
Eine Universallösung gibt es nicht. „Entscheidend bei der Auswahl sind immer die persönlichen Wünsche und Vorstellungen der Immobilienbesitzerinnen und -besitzer“, sagt Block. „Wer möglichst lange im eigenen Zuhause leben möchte, stellt andere Anforderungen als jemand, der seine Immobilie ohnehin verkaufen möchte oder keine Erben hat.“ Vor einer Entscheidung empfiehlt die Verbraucherzentrale, mehrere Angebote einzuholen, sämtliche Kosten offenzulegen und Verträge unabhängig prüfen zu lassen. Gerade bei Entscheidungen über das eigene Zuhause zahle sich eine zweite Meinung aus.
Unabhängige Beratung
Die Verbraucherzentrale Hamburg unterstützt Eigentümerinnen und Eigentümer bei Fragen rund um Immobilienverrentung, Teilverkauf, Immobilienfinanzierung und weitere Verbraucherthemen. Die Beratung erfolgt unabhängig von Anbietern und hilft dabei, Verträge und Angebote besser einzuordnen.