Neue Quartiere, neue Wohnungen: Wo im Westen gebaut wird
Während vielerorts über Wohnungsnot und fehlende Bauprojekte geklagt wird, entstehen im Hamburger Westen gleich mehrere neue Quartiere. In Othmarschen und Osdorf sind in den kommenden Jahren weit über 500 Wohnungen geplant – darunter geförderter Wohnraum, soziale Wohnprojekte und neue Nachbarschaften mit viel Grün.
Stadtverdichtung hat einen durchwachsenen Ruf, erwarten doch viele aufgestockte Gebäude und zunehmendes Gedränge. Tatsächlich aber finden sich gerade im Hamburger Westen noch einige Freiflächen, die über die Jahrzehnte in Vergessenheit geraten sind. So haben die Otto Wulff-Projektentwicklung und der Altonaer Spar- und Bauverein eG (Altoba) mit dem symbolischen Spatenstich im April den Bau eines neuen Wohnquartiers in Othmarschen begonnen. Auf dem Gelände des ehemaligen Sportplatzes am Othmarscher Kirchenweg, das im Zuge des Bebauungsplans „Othmarschen 42“ entwickelt wird, entstehen insgesamt 83 Wohneinheiten. Das Areal war zuvor in den Sportpark Baurstraße verlagert worden und wird seit Sommer 2025 gemeinsam erschlossen.
Vorgesehen ist eine Mischung aus unterschiedlichen Wohnformen: Otto Wulff realisiert unter dem Projektnamen „Elbseits“ 21 Townhouses mit zwei Vollgeschossen, Staffelgeschoss und ausgebautem Keller. Großzügige Fenster, private Gärten und eine zurückhaltende Architektur sollen eine Verbindung von städtischem Wohnen und naturnahem Umfeld schaffen. Ergänzt wird das Angebot durch 20 kompakte Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus, das sich eine Tiefgarage mit den Reihenhäusern teilt. Der Altoba errichtet parallel dazu 42 öffentlich geförderte Wohnungen sowie einen Gemeinschaftsraum. Ein Teil der Einheiten ist für Frauen aus Frauenhäusern mit ihren Kindern vorgesehen, weitere entstehen in Kooperation mit der Alsterdorf Assistenz West für Ein-Eltern-Haushalte mit Unterstützungsbedarf. Sämtliche Gebäude werden im Effizienzhausstandard 40 gebaut und mit Wärmepumpen, Photovoltaik sowie Dach- und teilweise Fassadenbegrünung ausgestattet. Die Fertigstellung des Quartiers ist für Ende 2027 geplant.
400 Wohnungen auf dem Weg
Ein ungleich größeres Projekt wird in Osdorf entstehen. Hier planen das Bezirksamt Altona und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben auf einem Teil der bisherigen Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne ein neues Quartier. Vorgesehen sind in den kommenden Jahren rund 350 bis 400 Wohnungen sowie eine Kindertagesstätte, mit dem Ziel, insbesondere bezahlbaren Wohnraum für Beschäftigte des Bundes zu schaffen. Das Bebauungsplanverfahren „Osdorf 50“ läuft bereits, parallel wird in einem Workshopverfahren die städtebauliche Grundkonzeption entwickelt.
Das Quartier soll sich durch eine grüne, parkartige Gestaltung auszeichnen und sich behutsam in den Stadtteil einfügen. Der vorhandene Baumbestand bleibt weitgehend erhalten und wird in die Planung integriert. Herzstück ist eine zentrale, begrünte Nord-Süd-Promenade, die vor allem Fußgängern und Radfahrern vorbehalten ist und als Begegnungsraum dienen soll. Auch Aspekte wie Klimaanpassung und Regenwassermanagement spielen bei der Planung eine zentrale Rolle. Teile der bestehenden Gebäude sollen erhalten und für Wohnzwecke umgebaut werden, darunter das Ensemble der sogenannten „Windmühle“. Andere, vor allem aus den 1950er-Jahren stammende Bauten, werden schrittweise abgebrochen und durch Neubauten ersetzt. Die Umsetzung ist ab 2029 in mehreren Bauabschnitten vorgesehen, sodass ein Umzug innerhalb des Quartiers möglich bleibt.
Was wird aus dem UCI-Gelände?
Das dritte Projekt zeichnet sich auf den 30.000 Quadratmetern des 2024 geschlossenen UCI-Kinos ab, wieder in Othmarschen. Hier ist noch nichts Konkretes geplant, aber die Politik, besonders die Altonaer FDP, mahnt auf einen schnellen Beginn. Fraktionsvorsitzende Katarina Blume sieht hier großes Potenzial, allerdings nicht für Wohnungen, sondern für gut angebundene Freizeiteinrichtungen.
Wohnungsbau in Hamburg
Bereits 2025 Jahr konnte Hamburg den Tiefstand beim Wohnungsneubau verzeichnen. Während auf Bundesebene die Baugenehmigungszahlen in 2024 um 15 Prozent sanken, verzeichnete Hamburg gegenüber 2023 mit 6.710 genehmigten Wohnungen ein Plus von 24 Prozent. 2025 wurden 6.734 Genehmigungen erteilt. Studien beziffern den jährlichen Bedarf allerdings auf bis zu rund 12.000 Wohnungen.