Denkmalschutz

Baukultur bewahren heißt Zukunft gestalten

Gastkolumnen · · 3 Min. Lesezeit · von Kristina Sassenscheidt
Treppenviertel
Das Blankeneser Treppenviertel ist denkmalgeschützt, wobei die gesamte Struktur aus Treppen und Gassen bewahrt wird, um das frühere Fischerdorf als Gesamtbild zu erhalten.

Ottensen, das Treppenviertel oder der Süllberg: Viele prägende Orte im Hamburger Westen sind nicht selbstverständlich erhalten geblieben. Kristina Sassenscheidt zeigt, warum Denkmalschutz immer auch vom Einsatz engagierter Bürger und Initiativen lebt.

Noch in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren wollte die Stadtplanung aus Ottensen die „City West“ machen und den historischen Arbeiterstadtteil in ein „modernes Geschäftszentrum“ mit Hochhäusern, Autobahnzubringer und Hubschrauberlandeplätzen auf dem Altonaer Bahnhof verwandeln. Die Pläne stießen jedoch auf den massiven Widerstand von Bürgerinnen und Bürgern, die auf der Straße und auf den Plätzen demonstrierten und am Ende ein Umdenken in der Stadtplanung erwirkten: Anstelle der geplanten Abrisse fand eine behutsame Stadterneuerung statt, bei der viele der Gründerzeithäuser saniert oder nachverdichtet wurden. Die ehemalige Maschinenfabrik Zeise und andere Industriebauten wurden umgenutzt und begründeten Hamburgs Tradition der Industrieumnutzungen. Dadurch konnte Ottensen seinen gewachsenen Charakter bewahren und sich gleichzeitig zu einem beliebten Wohnquartier entwickeln.

Dipl.-Ing. Kristina Sassenscheidt
Dipl.-Ing. Kristina Sassenscheidt: „Unterstützen Sie gerne unsere Arbeit mit einer Mitgliedschaft oder Spende!“

Aber auch Blankenese sähe heute ohne bürgerschaftliches Engagement deutlich anders aus: In den 1990er-Jahren war das traditionsreiche Restaurant auf dem Süllberg bedroht, weil ein Großinvestor hier Luxuswohnungen bauen wollte. Zum Glück wurden die Pläne durch eine Bürgerinitiative rund um Monika Lühmann verhindert, die sich zuvor auch schon erfolgreich für den Erhalt des Blankeneser Ortsbildes am Bahnhof eingesetzt hatte. Ein etwas jüngeres Beispiel für erfolgreiches Engagement ist die Rettung und Sanierung des „Dehmelhauses“ durch die Kulturwissenschaftlerin Carolin Vogel und die Hermann Reemtsma Stiftung. Das Baudenkmal aus dem Jahr 1912 stand über viele Jahre leer und verfiel. Inzwischen kann seine kunstvolle Inneneinrichtung regelmäßig von der Öffentlichkeit bewundert werden.

Und auf einem sehr guten Weg ist auch der bald 200-jährige Katharinenhof im Baurs Park: Gerade startet seine denkmalgerechte Sanierung, damit sich das Gebäude im Anschluss als neuer Kunst-Ort für die Elbvororte etablieren kann. Eine stete Freude ist die erhaltene historische Bebauung in Blankenese, die von ihren Besitzerinnen und Besitzern liebevoll gepflegt wird. So lassen die kleinteilige Häuserlandschaft des Treppenviertels das ehemalige Fischerdorf noch spüren, ebenso wie die Gaststätten am Elbufer und der Kaffeegarten Schuldt das beliebte Ausflugsziel um 1900. Und mit dem frisch sanierten Fischerhaus ist eines der ältesten Häuser Hamburgs wieder begehbar. Sorgenkinder bleiben leider weiterhin die leerstehende Backstein-Villa am Bahrenfelder Marktplatz aus den 1920er-Jahren oder das elegante Hochhaus des AK Altona von Werner Kallmorgen, dessen Zukunft nach dem geplanten Neubau des Krankenhauses noch völlig ungewiss ist. Umso wichtiger ist es, dass die Öffentlichkeit diese Gebäude aufmerksam im Blick behält.

„Blankenese sähe heute ohne bürgerschaftliches Engagement deutlich anders aus ...“

Kristina Sassenscheidt

Der Denkmalverein Hamburg mit seinen über 1.100 Mitgliedern engagiert sich schon seit über 40 Jahren dafür, dass Hamburgs Baukultur vielfältig bleibt: Er betreibt Presse- und Lobbyarbeit, vernetzt Gleichgesinnte, unterstützt Initiativen für bedrohte Baukultur und vermittelt auf unterschiedlichen Ebenen für die Denkmäler der Hansestadt. Mit seiner Publikationsreihe „Stadt Neu!“ präsentiert er vorbildhafte Sanierungen, um die Erfolge besonders engagierter Bauherren und Architekten hervorzuheben und Lust auf Bauen mit dem Bestand zu machen.

Ein beliebtes Format für alle interessierten Hamburgerinnen und Hamburger ist der Podcast, den der Verein gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt herausgibt: Bei „Denkmal im Wandern“ spaziert man gemeinsam mit Fachleuten durch denkmalgeschützte Parks oder bauliche Ensembles. Ob auf dem Fischmarkt, im Wohlers Park, auf dem Platz der Republik oder bald auch im Jenischpark – der Podcast öffnet die Augen für Baugeschichte und besondere Details und wurde dafür 2023 mit dem Medienpreis des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz ausgezeichnet.

Wer den Denkmalverein mit seiner Arbeit unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen, Mitglied oder sogar Fördermitglied zu werden und sich damit ganz konkret für die reiche Baugeschichte dieser Stadt zu engagieren. Weitere Infos zu gefährdeten, geretteten und verlorenen Gebäuden sowie zum Podcast „Denkmal im Wandern“ unter www.denkmalverein.de

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