Blankenese braucht ein Museum für seine Geschichte
Blankenese besitzt eine außergewöhnliche Geschichte – doch ein dauerhaftes Museum, das sie erzählt, fehlt bis heute. Dr. Eva-Maria Hanebutt-Benz blickt auf frühere Anläufe zurück und wirbt dafür, die umfangreiche Sammlung endlich wieder an einem festen Ort zusammenzuführen.
Immerhin hatte man 1921 schon 150.000 Reichsmark für ein Gebäude gesammelt – die Inflation verschlang das Geld wieder. 1927 wurde seitens der Stadt Altona amtlich festgelegt, dass im Fischerhaus ein „Heimatmuseum“ eingerichtet werden sollte, doch das Gebäude war noch von fünf Familien bewohnt und der Versuch versandete wieder. Auch der frühere Direktor des Altonaer Museums, Gerhard Wietek, bemühte sich ab 1962 darum, das Projekt fortzusetzen, leider erfolglos. Nur die mit historischer Einrichtung möblierte südwestliche Stube blieb aus dieser Zeit als museales Element. Ab 1965 wurde eine von der evangelischen Kirche getragene Altentagesstätte im Fischerhaus in Betrieb genommen.
Als es galt, im Jahr 2001 „700 Jahre Blankenese“ zu feiern, gründete sich ein Förderkreis, dem es gelang, ab 2003 den westlichen Teil des Fischerhauses dauerhaft für museale Zwecke nutzbar zu machen. In den folgenden Jahren konnte er vor allem durch das Engagement seines Vorsitzenden Ronald Holst und dessen Ehefrau Maike mit vielen Mitstreitern und in konstruktiver Kooperation mit der Kirche das „Fischerhaus-Museum“ mit Leben füllen. Aus zahlreichen Objektspenden und Leihgaben Blankeneser Bürger entstand wieder eine Sammlung. Um das Interesse wachzuhalten, wurden von 2003 bis 2017 zahlreiche Veranstaltungen und Themenausstellungen im Museum, im Gemeindehaus und andernorts ausgerichtet. Der Erfolg war so groß, dass jährlich etwa 10.000 Besucher gezählt werden konnten. Diese erfolgreiche Phase fand durch die notwendig gewordene Restaurierung des Baudenkmals Fischerhaus 2017 ein Ende. Die Corona-Zeit tat ein Übriges, um Aktivitäten einzuschränken. Erst im September 2024 konnte das Fischerhaus wieder neu eröffnet werden. Die Altentagesstätte war nun schon längst besser erreichbar, in das Gemeindehaus im Ortskern umgesiedelt worden.
Inzwischen werden die Räume im Fischerhaus bis auf die erwähnte kleine Museumsstube nun unter der Regie der Evangelischen Gemeinde-Akademie Blankenese für Veranstaltungen und als Begegnungsstätte für zeitgenössische Kunst genutzt. Daraus ergibt sich, dass das Museum für Blankenese zurzeit wieder (fast) am Nullpunkt angelangt ist. Man kann dieses Ende aber auch als Chance sehen. So idyllisch und ortstypisch die Lage des Fischerhauses ist, waren die verwinkelten Räume für ein Museum nicht optimal zu nutzen. Das Museum ist nicht tot: In den Jahren seit 2003 sind viele bleibende Publikationen entstanden und eine Sammlung von an die 1000 Objekten und Dokumenten zusammengekommen, darunter einzigartige Gegenstände, Modelle, Bilder, Fotos und Schriftzeugnisse, die nicht verlorengehen dürfen. Aus dem „Förderkreis“ hat sich der aktive „Förderverein historisches Blankenese“ entwickelt, der mit vielen gut besuchten Veranstaltungen das kulturelle und soziale Leben im „Dorf“ bereichert.
„Immer mehr Touristen kommen ...“
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein Interesse am Museum vorhanden ist, und es gibt viele gute Gründe, einen Neuanfang zu wagen. Dafür spricht so vieles: Blankenese hat mit seiner geografischen Besonderheit, seiner unbestrittenen Schönheit (von vielen pittoresken Orten wie z. B. in Cornwall nicht übertroffen) und seiner hochinteressanten Vergangenheit zahlreiche Alleinstellungsmerkmale. Die Dualitäten von Fischer- und Bauerndorf, von dem Neben- und Miteinander zwischen Handwerkern und Kleinhändlern einerseits und den großen Unternehmern und Parkgründern andererseits sind speziell. Dann die Blankeneser Schifffahrt: Im 19. Jahrhundert eine bedeutende Flotte ohne Hafen, die aber u. a. mit ihren Fruchtjagern in Blitzgeschwindigkeit Orangen und Zitronen aus dem Mittelmeer nach Hamburg brachten – es gibt so viel zu erzählen, was außer in Büchern nirgends in einer anschaulichen, zugänglichen Art und Weise vor Augen gestellt und erklärt wird. Immer mehr Touristen kommen und viele möchten gerne mehr erfahren. Wedel hat ein Stadtmuseum, die Vierlande das Rieck Haus, in anderen Stadtteilen gibt es entsprechende Museen – warum sollte Blankenese es nicht schaffen, sich in einem zeitgemäßen Museum der eigenen Umwelt und ihrer Vorbedingungen zu vergegenwärtigen? Für Kinder und Erwachsene als ein Ort der Identifikation, der Befriedigung der Neugier und voller Überraschungen.
Wichtig wäre zunächst, einen Raum zu finden, in dem die deponierten Sammlungsbestände wieder zusammengeführt und bearbeitet werden können. Wir sind dieser Sammlung und ihren Stiftern und Leihgebern verpflichtet, meine ich. Eine Konzeption für eine ansprechende Dauerausstellung ist neu zu erarbeiten. Der aktive Förderverein unter Vorsitz von Historiker Dr. Jan Kurz steht dem positiv gegenüber. Spätere Sonderausstellungen und Veranstaltungen würden das „Blankenese-Museum“ attraktiv machen. Wie wäre es damit: Nach der ersten offiziellen Gründungsbekundung 1927 ein solider Neuanfang bis zum Jahr 2027!