Digitalisierung

KI im Unterricht: Lehrkräfte brauchen neue Kompetenzen

Gastkolumnen · · 3 Min. Lesezeit · von Prof. Maren Baumhauer
Symbolische Darstellung künstlicher Intelligenz mit einer Hand an einem Tablet, digitalen Anzeigen und einem Roboter.
Der Umgang mit KI erfordert, das Lehrer das Tool verstehen und die Rahmenbedingungen kennen.

Wie lässt sich künstliche Intelligenz sinnvoll und verantwortungsbewusst in Lehr- und Lernprozesse integrieren? Ein an der TU Hamburg entwickeltes Lernmodul setzt auf die Verbindung von Theorie und Praxis und soll Lehrkräfte beim kompetenten Umgang mit KI unterstützen.

Künstliche Intelligenz (KI) ist heute fester Bestandteil des Schul- und Hochschulalltags. Lernende nutzen KI-basierte Tools wie z. B. ChatGPT, DeepL oder Grammarly bereits selbstverständlich. Trotzdem sind viele Fragen zu neuen Kompetenzanforderungen im Umgang mit KI-Tools ungeklärt. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, KI-Technologien zu verstehen, sondern sie auch didaktisch sinnvoll und verantwortungsbewusst in Lehr- und Lernprozesse zu integrieren. Besonders in der Lehrkräftebildung zeigt sich, dass KI-gestützte Bildungsprozesse einen strukturierten, kritisch-reflektierten und ethisch fundierten Orientierungsrahmen benötigen.

Porträt von Prof. Maren Baumhauer.
Prof. Maren Baumhauer: Juniorprofessorin für Berufliche Bildung und Digitalisierung am Dekanat Technologie und Innovation in der Bildung der TU Hamburg.

Mit dem Lernmodul „Kom.KI“, das im Kontext der Hamburg Open Online University (HOOU) am Institut für Berufliche Bildung und Digitalisierung der Technischen Universität Hamburg (TUHH) entwickelt wurde, möchten wir Anlässe schaffen, sich aktiv und praxisnah mit dem Thema Künstliche Intelligenz in schulischen und außerschulischen Bildungskontexten auseinanderzusetzen. Ziel ist es, durch einen problemlösungs orientierten Ansatz Gestaltungschancen und Optimierungspotenziale für den Unterricht zu identifizieren.

Im Rahmen der Entwicklung dieses innovativen Lehr-Lernangebots arbeiteten neun studentische Teams mit Praxispartnern, überwiegend aus beruflichen Schulen, zusammen. Die Lehrkräfte formulierten offene Projektideen mit zwei Schwerpunkten: Einerseits sollten konkrete didaktische Herausforderungen mithilfe von KI gelöst werden. Andererseits galt es, Bereiche zu finden, in denen KI-Tools sinnvoll im Unterricht verwendet werden können. Die Projektideen wie z. B. EduAI (Erstellung einer praxisnahen Anleitung zur Integration von KI-Tools in die Unterrichtsplanung und -vorbereitung), SmartStart (Entwicklung von Methodenkompetenzen durch KI-gestützte Assistenzsysteme) und WALKI (KI als Lernbegleiter und Sparringspartner für Lernende) veranschaulichen die vielfältigen Möglichkeiten, innovative Lösungsansätze aber auch bestehende Herausforderungen für die Kompetenzentwicklung im Umgang mit KI-Tools in schulischen Lehr- und Lernsituationen.

Porträt von Johannes Schäfers M. Ed.
Johannes Schäfers M. Ed.: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Berufliche Bildung und Digitalisierung an der Technischen Universität (TU) Hamburg.

Es geht nicht nur darum, grundlegendes Wissen über KI zu vermitteln, sondern auch darum, einen Ermöglichungsraum bereitzustellen und neue Impulse zu setzen, um KI-bezogene Kompetenzentwicklungsprozesse zu fördern. Durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis werden Gelegenheiten geschaffen, die Potenziale und Herausforderungen von KI zu reflektieren und ihre Bedeutung für den eigenen beruflichen oder persönlichen Alltag zu bewerten. Denn der Einsatz von KI im Bildungsbereich wirft zahlreiche Fragen auf – von Datenschutz und Diskriminierung über mögliche Verzerrungen in Trainingsdaten bis hin zu den ökologischen Auswirkungen energieintensiver Modelle. Ein kritisch-reflektierter Umgang mit KI erfordert, dass Lehrkräfte nicht nur die Funktionsweise eines Tools kennen, sondern auch die zugrunde liegenden strukturellen Rahmenbedingungen nachvollziehen können.

Diese Entwicklung verändert die Rolle der Lehrkraft grundlegend: Lernumgebungen KI-basiert zu gestalten, KI-Tools kompetent zu integrieren und gleichzeitig kritische Distanz zu wahren, markieren nur einige der Herausforderungen. KI hilft jedoch auch bei Routineaufgaben (z. B. Erstellung von Lernmaterialien, Dokumenten- und Datenmanagement) zu unterstützen, um mehr Raum für individuelle Förderung und Lernprozessbegleitung zu schaffen. Lehrkräfte verlagern dadurch ihren Fokus von der reinen Wissensvermittlung hin zur aktiven Unterstützung des Lernprozesses und Ermöglichung des Kompetenzerwerbs. Es reicht nicht aus, KI lediglich als technische Neuerung zu sehen: Zentral ist es, eine pädagogische Haltung im Umgang mit KI zu entwickeln. Bildung im KI-Zeitalter vereint technische Fähigkeiten, kritisches Denken, Offenheit und Lernbereitschaft.

Prof. Maren Baumhauer
Juniorprofessorin für Berufliche Bildung und Digitalisierung
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