Autonomes Fahren

Wie lange fahren wir noch selbst?

Tims Thesen · · 3 Min. Lesezeit · von Tim Holzhäuser
Waymo
Der Testbetrieb ist lange her. Bereits seit 2023 bietet die Firma Waymo in San Francisco autonome Taxifahrten an.

Die Diskussion um die Blankeneser Bahnhofstraße führt zu einer viel grundsätzlicheren Frage: Wie lange werden Menschen überhaupt noch selbst Auto fahren? Tim glaubt, dass die Entscheidung darüber nicht bei den Autofahrern liegen wird – sondern bei der künstlichen Intelligenz.

Die Debatte um die Verkehrsberuhigung in der Blankeneser Bahnhofstraße hat mich auf eine These gebracht. Vorweg meine Position zum Thema Autos in der Bahnhofstraße – ja oder nein? In gewohnt diplomatischer Manier: Ist mir egal. Es gibt gute Argumente auf beiden Seiten, also mögen sich die Betroffenen einigen.

Ein Argument finde ich allerdings besonders spannend: Ältere Menschen mit Gehbehinderungen, Schwindel oder schweren Erkrankungen seien auf das Auto angewiesen. Das klingt zunächst plausibel. Ich brauche vom S-Bahnhof bis in die Bahnhofstraße fünf Minuten zu Fuß. Mit 85 Jahren und körperlichen Einschränkungen sähe das anders aus.

Nur stellt sich dann eine andere Frage: Wie fahrtüchtig wäre ein 85-jähriger Tim mit Schwindel überhaupt noch? Natürlich gibt es auch junge Menschen, die trotz Führerschein besser nicht hinter dem Steuer sitzen sollten. Die Soko „Autoposer“ kann davon ein Lied singen. Das entkräftet meinen Gedanken aber nicht. Denn ich glaube, dass die eigentliche Lösung weder in Fahrverboten noch in neuen Regeln liegt, sondern im autonomen Fahren.

Wenn KI besser fährt als wir

In den USA sind selbstfahrende Taxis längst unterwegs. Noch gibt es Situationen, die künstliche Intelligenz vor Herausforderungen stellen – Baustellen, Einsatzfahrzeuge oder überflutete Straßen etwa. Die Liste der Situationen, in denen Menschen Fehler machen, ist allerdings ungleich länger. Die Unfallstatistik zeigt ziemlich eindeutig: Nicht weil wir besonders gut fahren, sitzen Menschen am Steuer, sondern weil es bislang keine bessere Alternative gab. Ich halte es deshalb für eine reine Zeitfrage, bis KI nachweislich sicherer fährt als der Mensch. Und genau dann beginnt die eigentliche Revolution.

Viele glauben, KI- und menschliche Fahrer würden dauerhaft nebeneinander existieren. Ich bezweifle das. Denn in dem Moment, in dem autonom fahrende Autos statistisch weniger Unfälle verursachen, entsteht ein Versicherungsproblem. KI-Fahrzeuge werden zu den guten Risiken, menschliche Fahrer zu den schlechten. Die Folge: Wer selbst fahren möchte, zahlt höhere Prämien – und muss sich nach einem Unfall womöglich fragen lassen, warum er sich überhaupt noch selbst ans Steuer gesetzt hat. Gemessen an einer überlegenen KI wäre irgendwann niemand von uns mehr wirklich fahrtüchtig.

Das klingt zunächst nach Science-Fiction. Andererseits leben wir in einer Gesellschaft, die Sicherheit über fast alles stellt. Wir diskutieren über Tempolimits, Helmpflichten und Warnhinweise auf Kaffeebechern. Wir cremen uns bei bewölktem Himmel mit Sonnenmilch ein und halten Orangensaft für gefährlich, wenn zu viel Zucker drin ist. Warum sollten wir dann ausgerechnet beim Autofahren akzeptieren, dass Menschen mehr Fehler machen als Maschinen?

Ich vermute deshalb, dass der Übergang vom Lenkrad zur KI deutlich schneller kommen wird, als viele heute glauben. Unsere Generation wird das vielleicht als Verlust empfinden. Unsere Kinder dagegen vermutlich als ganz normalen Fortschritt. Und vielleicht sollten wir sie tatsächlich einmal fragen, was sie von der Debatte um die Blankeneser Bahnhofstraße halten.

 
 
Tim Holzhäuser
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