Gerichtsreport

Wohnungslos und vorbestraft: Haftstrafe nach Einbruch in Blankenese

Kolumnen · · 2 Min. Lesezeit · von Harriet von Schwerin
Aus dem Amtsgericht Blankenese
Im April beschäftigte sich das Blankeneser Amtsgericht mit einem Einbruch.

Ein angeblich leer stehendes Haus, ein improvisierter Einbruch und mehrere gestohlene Elektronikgeräte: Vor dem Blankeneser Amtsgericht endete der Fall mit einer Haftstrafe für einen wohnungslosen Mann.

Die Rechtsanwältin verliest eine Stellungnahme, eine Übersetzerin überträgt alles ins Rumänische: Bogdan A. (Name geändert) sei geständig, in das Haus in Blankenese eingebrochen zu sein „in dem Wissen, dass es nicht bewohnt“ sei. Dies sei an Gerümpel im Garten, dem hohen Gras und einem „Zu verkaufen“-Schild an der Straße ersichtlich gewesen. Im Vorgarten habe A. einen Schraubenzieher gefunden, habe damit die Terrassentür aufgehebelt und in dem Haus übernachtet. Er habe vier defekte Handys mitgenommen.

Angeklagter mit langer Vorgeschichte

Seit zweieinhalb Jahren ist Bogdan A. wohnungslos, lebte auf der Straße, wochenweise bei Pik As und auch zeitweise bei einem Bekannten in Sülldorf. 2012 war er nach Deutschland gekommen, weil eine Ex-Partnerin mit der heute 13-jährigen Tochter hier lebt, die er allerdings nur selten treffen durfte. 2022 musste er Deutschland verlassen und ging nach England. Von dort war er 2023 wieder eingereist. Seit 2006 gibt es Verurteilungen wegen Diebstahls in Rumänien, seit 2009 in Innsbruck und seit 2012 rund um Hamburg. Er war in Österreich und in Deutschland in Haft. Der Mieter des Hauses, ein Ende 40-Jähriger in blauer Steppjacke und Hornbrille, tritt als Zeuge auf. Er war tatsächlich dabei, auszuziehen. Übergangsweise lebte er mit seinen beiden Kindern in dem „kleinen Hexenhaus“, wie er es nennt, „ein 50/50-Modell mit der Mama.“ Er musste die eigene Firma auflösen, den kürzlich überschwemmten Keller leerräumen, musste zusätzlich ins Krankenhaus wegen einer Verletzung – kurzum: Hier stand auch nicht alles zum Besten.

Gestohlene Elektronik und klare Verurteilung

Er sagt aus, dass die 60 bis 70 Umzugskartons, die im Flur gestapelt waren, „alle komplett aufgerissen“ und wohl durchsucht worden waren. Ein E-Roller von Segway, der entweder im Haus oder auf der Terrasse gestanden habe, zwei Nintendo Switch der Kinder sowie circa 15 Spiele dazu, ein Samsung Tablet mit Sprung und tatsächlich vier lädierte Handys („fallen mir auf der Baustelle immer aus der Tasche“) seien gestohlen worden. „Das hat wehgetan, da es mir finanziell nicht gut ging. Die Firma lief nicht,“ sagt er aus und dass er keine Hausratsversicherung habe. Die Richterin sieht die Schuld des Angeklagten als erwiesen und verurteilt ihn zu einem Jahr sechs Monate Gefängnis wegen Einbruchsdiebstahl.

Harriet von Schwerin
Harriet von Schwerin
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