Opernloft und Kammeroper: Großes Musiktheater auf kleinen Bühnen
Während Hamburg über eine neue Staatsoper diskutiert, funktioniert Musiktheater in Altona längst im kleineren Maßstab. Opernloft und Kammeroper setzen dabei auf ganz unterschiedliche Konzepte.
Während an der Staatsoper darüber nachgedacht wird, wie man Barrieren abbaut, um Zuschauer zu gewinnen, herrscht in diesem Punkt bei kleineren Häusern Entspannung: Schwellenangst ist hier unbekannt. In Altona lässt sich das an zwei unterschiedlichen Beispielen beobachten.
Die Hamburger Kammeroper im Allee Theater wurde 1996 gegründet und verfügt über rund 200 Plätze. Schwerpunkt ist das Musiktheater des 18. und 19. Jahrhunderts, auch bekannt als Fürstentheater. Kleine Ensembles, wenige Zuschauer – das ist historisch durchaus korrekt und gibt Oper einen ungewohnten aber stimmigen Rahmen. Neben bekannten Werken stehen Wiederentdeckungen und Rekonstruktionen selten gespielter Stücke auf dem Programm. Eine Besonderheit sind deutsche Textfassungen.
Bemerkenswert ist auch, wie hier das demografische Problem angegangen wird. Opernzuschauer sind tendenziell nicht ganz taufrisch; der Nachwuchs ist fern. Im Allee Theater hingegen kommt er regelmäßig in das bereits 1968 gegründete Theater für Kinder. Opern- und Schauspielklassiker werden dort für Kinder adaptiert, Musiktheater gibt es bereits für Dreijährige. Mehr Frühprägung geht nicht.
Nur wenige Kilometer entfernt geht das Opernloft im ehemaligen Englandfährterminal einen radikaleren Weg. Es entstand aus dem 2002 gegründeten Jungen Musiktheater Hamburg und stand von Anfang an unter dem Motto „Oper für alle“. Seit 2018 sitzt es direkt an der Elbe. Hier wird nicht nur der Apparat verkleinert, sondern kräftig in die Werke eingegriffen. Opern dauern hier in der Regel 90 Minuten, wenige Sänger übernehmen die Partien, häufig begleitet von einem kleinen Ensemble. Bei „La Traviata“ sitzt ein Teil des Publikums sogar an Spieltischen mitten in Violettas Casino. Daneben gibt es Krimiopern, Fußballoper und einen Opern-Slam.
Eine Oper dauert hier in der Regel 90 Minuten.
Allerdings bedeutet klein weder billig noch wirtschaftlich unabhängig. Beide Häuser sind auf öffentliche Förderung angewiesen. Für 2025/26 sind für die Kammeroper 262.000 Euro institutionelle Förderung der Stadt vorgesehen, für das Opernloft 368.000 Euro. Die kleineren Häuser sind also kein wundersames Gegenmodell, das ohne Subventionen und wirtschaftlichen Druck auskommt. Ihr Vorteil liegt woanders: Ein kleinerer Apparat erlaubt es, mit Formen, Spielorten und Publikumserwartungen zu experimentieren, ohne dafür gleich einen ganzen Opernbetrieb umbauen zu müssen.
Und natürlich hat die Verkleinerung ihren Preis. Eine auf 90 Minuten konzentrierte Oper mit wenigen Sängern und kleinem Ensemble ist etwas anderes als eine Aufführung mit großem Orchester, Chor und aufwendiger Bühne. Aber vielleicht liegt genau darin das Experiment: herauszufinden, wie viel vom großen Apparat notwendig ist, damit Oper Oper bleibt.
Der Opern-Oktober
Opernloft: Auf dem Spielplan steht unter anderem die „Fußballoper“. Die Produktion verbindet Operngesang mit Stadionatmosphäre. Mitsingen ausdrücklich erlaubt!
Van-der-Smissen-Straße 4, Altona
Kammeroper: „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti. Die komische Oper hatte Ende September Premiere und wird im Oktober an zahlreichen Abenden weitergespielt.
Max-Brauer-Allee 76, Altona