Privatsammlung

Rosa Loy und Neo Rauch: Zwei Bildwelten in Wedel

Kunst & Kultur · · 3 Min. Lesezeit · von Harriet von Schwerin
Kuratorin Heike Stockhaus erklärt Neo Rauchs „Nach der Schicht“ von 2011.
Kuratorin Heike Stockhaus erklärt Neo Rauchs „Nach der Schicht“ von 2011.

Das Barlach Kunstmuseum Wedel zeigt mit „Echo – Aus der Sammlung Perlmutt“ mehr als 50 Werke von Rosa Loy und Neo Rauch. Kuratorin Heike Stockhaus bringt die Arbeiten des Künstler-Ehepaars zusammen und macht dabei Gemeinsamkeiten ebenso sichtbar wie die Unterschiede ihrer Malerei.

Wer sind die eigentlich, diese Personen in Neo Rauchs Bildern? Wie auf einer Bühne agieren sie, scheinen aus deutschen Märchen zu stammen, sind aber von der Kleidung her aus der heutigen Zeit. Sie bieten mehrere Deutungen an, bleiben aber letztlich rätselhaft. Heike Stockhaus, Kuratorin im Barlach Kunstmuseum in Wedel, kann bei einer Führung durch das Museum auch nicht alles erklären. Mit der Ausstellung „Echo – Aus der Sammlung Perlmutt“ hat sie ein Lieblingsprojekt verwirklicht. Sie zeigt über fünfzig Bilder aus der Privatsammlung des Ehepaars. Unter anderem sind Bilder zu sehen, die sie sich gegenseitig geschenkt haben, das ein oder andere haben sie auch gemeinsam gemalt.

Von Neo Rauch, hochbezahlt und international bekannt, lässt sich sagen, dass er wohl der erfolgreichste Künstler aus dem Osten Deutschlands ist. Insbesondere in Amerika sind seine großformatigen realistisch gemalten Szenen beliebt, was bestimmt an seinem Standort in und der thematischen Ausrichtung auf die ehemalige DDR liegt. Er hat den sozialistischen Realismus in die Moderne transponiert, so kann man es vielleicht ausdrücken. 1960 geboren hat Neo Rauch in Leipzig bei namhaften Professoren (Arno Rink und Bernhard Heisig) Malerei studiert, das Ergebnis heute ist meisterhafte Malerei. In der ehemaligen Baumwollspinnerei in Leipzig, die sich seit der Wende als Hotspot der deutschen Kunstszene und Mittelpunkt realistischer Malerei etabliert hat, arbeitet er mit seiner Frau Rosa Loy Tür an Tür in nebeneinanderliegenden Ateliers.

Ebenso wie bei Rauch spielt auch in Rosa Loys Bildern der Mensch die Hauptrolle. Und mit „Mensch“ ist hier „Frau“ gemeint. Und wenn man genau hinsieht, merkt man, es ist immer dieselbe Frau in verschiedenen Stadien ihres Lebens, die da manchmal sogar in einem Bild in doppelter Ausführung zu sehen ist. Und diese Frau ähnelt mit den schmalen schönen Augen Rosa Loy selbst. Surrealistische Anklänge finden sich bei beiden Malern, ebenso die Verwendung von Attributen aller Art.

„Der Kreisel“ (1999) von Rosa Loy
„Der Kreisel“ (1999) von Rosa Loy

Doch es gibt auch Unterschiede: Rosa Loy zeichnet vor, Neo Rauch beginnt links unten auf der großen Leinwand und lässt das Bild erst im Malprozess entstehen. Loy verwendet Kasein (eine Art von Tempera, die matt auftrocknet) und lässt manches skizzenhaft stehen, Rauchs Ölbilder glänzen wie Schmuckstücke und verschließen wie Emaille die gesamte Leinwand.

Entfremdung, gesellschaftliche Räume, DDR-Landschaften – das sind Rauchs Themen. Frausein, Rituale, weibliche Gemeinschaft die von Rosa Loy. Rauchs Bilder sind politisch. In „Zustrom“ von 2016 stelle er die Frage nach dem Wert von Gemeinschaft, in „Nach der Schicht“ ist der Tagebau Thema. Rosa Loys Bildern fehlt diese politische Dimension, sie erzählen von ewigem Wissen und Intuition. Filme im Untergeschoß des Museums zeigen Rauch beim Malen. Er lässt sich über die Schulter gucken und spricht auch gern über seine Malerei: „Hintergründigkeiten und Unheimliches, wenn nicht sogar Verhängnisvolles“ erkennt er in seinen eigenen Werken, „es ist einfach ein heilloses Durcheinander, das sich aber dennoch zu einer hoffentlich stimmigen Einheit fügt.“

Rosa Loy,

1958 in Zwickau geboren, machte an der Humboldt-Universität in Berlin ein Diplom als Gartenbauingenieurin bevor sie in Leipzig Buchgestaltung studierte und sich der Malerei zuwandte. Neo Rauch studierte nach der Schule in Leipzig Malerei bei Arno Rink und Bernhard Heisig. Das Ehepaar lebt in Markkleeberg bei Leipzig und hat einen gemeinsamen Sohn.

Harriet von Schwerin
Harriet von Schwerin
Redakteurin Print
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