Sicherheit am Wasser

Die „Elboma“ erklärt Kindern die Gefahren der Elbe

Mensch des Monats · · 3 Min. Lesezeit · von Anna-Lena Walter
Badeverbotsschild am Elbstrand
Gerade an der Fahrrinne der Elbe warnt die „Elboma“ Kinder immer wieder vor den Risiken des Flusses.

Mit Handpuppe, Experimenten und viel Geduld bringt Renate Veelken Kindern die Elbe näher. Die ehemalige Lehrerin aus Wittenbergen klärt seit Jahren ehrenamtlich über die Risiken des Flusses auf – von Strömungen bis zur gefährlichen Fahrrinne.

Die Sonne spiegelt sich auf der träge dahinfließenden Elbe. Entlang des Ufers herrscht reges Treiben. Viele Familien haben ihre Decken unter den säumenden Bäumen im hinteren Strandabschnitt ausgebreitet. Dicke Pötte fahren vorbei. Viele Kinder toben im Wasser – alleine. Dieser Anblick macht Renate Veelken, bekannt als „Elboma“, ein ums andere Mal nervös. „Kinder unterschätzen einfach, wie gefährlich die Elbe sein kann. Sie freuen sich natürlich an der Abkühlung und dem schönen Strand. Mir macht Sorgen, was sie dabei übersehen.“

Es geht um die gefährliche  Abbruchkante der Fahrrinne, die im trüben Wasser quasi unsichtbar ist. Diese 17 Meter tiefe Rinne liegt bei Niedrigwasser direkt hinter der Wasserlinie. „Am Wrack von „Uwe“ am Falkensteiner Ufer kann man die Kante manchmal erahnen, aber gut sichtbar ist sie nie.“ Weiter sagt die 84-Jährige: „Wer bei Niedrigwasser nur wenige Schritte ins Wasser geht, kann hier abrutschen, findet keinen Halt mehr und ertrinkt.“ Das ist für alle Strandbesucher jeden Alters gefährlich. Um auf diese und weitere Gefahren aufmerksam zu machen, besucht die Elboma seit einigen Jahren ehrenamtlich Grundschulen, um Kinder dafür zu sensibilisieren.

Renate Veelken, Kapitäns- und Kap Hoorniers-Tochter
Renate Veelken aus Rissen ist die Elboma. Gemeinsam mit Kindern geht sie an die Elbe und erklärt ihnen die lokalen Besonderheiten – insbesondere die Gefahren bei Niedrigwasser.

Wenn Renate Veelken an der Elbe spazieren geht, schlägt ihr Herz oft schneller – besonders wenn sie Kinder auf den Buhnen (Stacks) spielen sieht. „Da geht bei mir direkt das Kopfkino los. Deswegen habe ich mir vor einigen Jahren überlegt, wie kann ich Kindern in leichter, bildhafter Sprache die Elbe, ihre Eigenheiten und die Gefahren nahe bringen,“ erklärt die ehemalige Lehrerin. Herausgekommen ist ein kindgerechtes Programm, das mit spielerischen Elementen Begriffe wie Ebbe, Flut, Tidenhub, Gezeiten, Stacks, Sog und mehr erklärt. „Die Kinder leben an der Elbe, wissen aber erschreckend wenig über unseren Fluss – oder bildlich gesprochen: Die Autobahn für Schiffe.“

Zunächst hat sie die Elbe studiert, als promovierte Geografin ein Leichtes. Danach hat sie sich eine bildreiche Geschichte ausgedacht, die sie den Kindern oft mit witzig verstellter Stimme erzählt. Immer an ihrer Seite ihr Helfer, die Klappmaulhandpuppe Brommbusch. „Ich spreche mit den Kindern über ein ernstes Thema, aber Spaß darf es auch machen. Brommbusch schnackt dabei dumm‘ Tüch und bringt sie oft zum Lachen.“

Daneben arbeitet sie mit bunten Materialien und macht kleine Experimente, zum Beispiel erzeugen sie Wasserstrudel in Bechern. „Ich möchte den Kindern begreifbar machen, dass die Elbe ein Arbeits- und kein Badegewässer ist.“ Deswegen fällt dann auch mal ein Lego-Männchen eine steile Klippe runter. „Das Thema Tod kommt durchaus auch vor, aber Kinder haben damit einen anderen Umgang als Erwachsene.“ Und das Schöne ist, als Elboma vertrauen ihr die Kinder und lassen sich auch mal drücken, wenn es ihnen zu viel wird. „Ich habe viele Jahrzehnte mit Kindern gearbeitet und merke, wenn sie eine Pause brauchen. Meiner Erfahrung nach, saugen sie aber alles in sich auf und freuen sich, wenn sie etwas über ihre Heimat lernen.“

„Die Elbe ist einfach gefährlich. Allein im letzten Jahr sind acht Menschen beim Baden im Fluss tödlich verunglückt. Deswegen möchte ich besonders Kinder über die Tücken dieses Gewässers aufklären.“

Renate Veelken

Als Erinnerung erhalten alle Teilnehmer ein besonderes T-Shirt. Darauf zu sehen ist der Wittenbergener Strand, gemalt von einer Rissener Künstlerin, darunter die Aufschrift „Elbkind“. Auf der Rückseite ist zu lesen: „Ich weiß Bescheid!“ Genau das ist auch Renate Veelkens Ziel –  Kinder, und damit auch ihre Familien, aufzuklären. So möchte die Elboma ihren Teil zu einem sicheren Kinderleben beitragen.

Anna-Lena Walter
Anna-Lena Walter
Redakteurin Print / Online
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