16 Jahre Ferienfreude: Manfred Cramers Einsatz für Kinder
Für Manfred Cramer ging es nie nur darum, Kindern eine Woche Urlaub zu ermöglichen. Auf den Sommerfreizeiten der Johanniter sollten sie Gemeinschaft erleben, Rücksicht lernen und über sich hinauswachsen. Nach 16 Jahren hat der 84-Jährige die Leitung abgegeben – zu Besuch kommt er trotzdem noch.
Es klingt so, als habe Manfred Cramer immer „Ja“ gesagt und nicht „Nein“, wenn es um Engagement für die Johanniter Hilfsgemeinschaft (JHG) ging. Über Freunde war er vor 20 Jahren in Kontakt zum Johanniterorden gekommen. In der Folge organisierte er fünf Jahre gemeinsam mit seiner Frau Benefiz-Konzerte in der Laeizshalle. Das eingenommene Geld ermöglichte Sommerfreizeiten für Kinder und Behinderte. Und da war Manfred Cramer auch immer dabei. An der Freizeit habe ihm immer besonders gelegen, sagt der heute 84-Jährige: „Für die Kinder, die keinen Urlaub machen.“ Über die Maria-Magdalena-Gemeinde im Osdorfer Born ließ er sich Kinder vermitteln. Noch heute sitzt er im Kirchenvorstand der Gemeinde und kümmert sich um deren finanzielle Belange. Die Kinderfreizeiten leitete er ab 2009, erst 2025 ließ er sich verabschieden.
„Für mich war immer der größte Erfolg, wenn Kinder bei der Abreise fragten, ob sie im kommenden Jahr wieder mitfahren dürfen“
Die erste Freizeit ging nach Anklam, wohin die 20 Kinder mit Sprintern der Johanniter Unfallhilfe fuhren. „Es war ein Pastorat mit zugewiesener Bauernstelle. Der Pastor hatte mir zugesagt, es würden sanitäre Anlagen gebaut, aber als wir ankamen, lagen die Waschbecken noch auf dem Boden und die Duschen gab es nicht“, erzählt Cramer. „Das war der Start.“ In den folgenden Jahren ging es auf einen Bauernhof in der Nähe von Greifswald mit Gemüsegarten und Jungbullen-Zucht. Selbstversorgung mit Kochen und Backen stand auf dem Programm und die „Erkenntnis, dass die Mohrrübe im Boden wächst und nicht im Supermarkt.“
Weitere Fahrten gingen ins Haus Hannah, wo das nahe Freibad, gemeinsames Grillen und der Kletterpark die besonderen Attraktionen waren. „Manfred, gehst Du mit mir“, fragten dann die Kinder, sagt Cramer. „Stolz wie Bolle“ seien die Kinder gewesen, wenn sie den Parcours gemeistert hatten. „Den Kindern etwas mit Niveau zu bieten“, ist Cramers Anspruch.
„Die Kinder sind vielschichtig“
Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren mitzunehmen, habe sich bewährt. Sie könnten lesen, was wegen des gemeinsamen Singens wichtig wäre, hätten weniger Heimweh, seien aber noch nicht in der Pubertät. Trotzdem habe es manchmal Problemchen gegeben: „Die Kinder sind vielschichtig.“ Da fühle sich mal einer zurückgesetzt, einer wolle der Chef sein, sie ärgern einander. Von 20 Kindern seien ein bis zwei schwierig, rasten aus oder verschwinden einfach. Aber durch den gemeinsamen Rhythmus mit geregelten Mahlzeiten und Unternehmungen „wächst die Akzeptanz, dass der andere nicht schlechter ist“, sagt Cramer. Rücksicht müsse geübt werden, dass zum Beispiel bei Tisch erst gegessen wird, wenn alle etwas haben. Hilfreich ist da das gemeinsame Tischgebet. Zur Halbzeit am Mittwoch beruhige sich die Lage meist, die Kinder benehmen sich gesitteter „dann wird es einfacher für uns.“
In einigen Jahren fuhr Manfred Cramer direkt nach der Reise mit den Kindern noch mit der „Integra“, der Behindertenfreizeit, mit. Geht es bei den Kindern darum, Gemeinschaft und Rücksicht zu üben, so ist der Betreuer bei der Integra zuständig für einen „Schützling“, wie Cramer ihn nennt. An den heranzukommen, ihm den Tag so zu bereiten, dass es ihm gut geht, das sei das Ziel.
„Wenn man das schafft, ist man abends zufrieden, aber es ist hart am Anfang“, sagt Manfred Cramer. Behinderte seien ja in der Regel nicht extrovertiert. Integra sei viel anstrengender als die Kinderfreizeiten, denn der Austausch am abendlichen Lagerfeuer sei besonders wichtig. Folglich bekämen die Betreuer einfach zu wenig Schlaf.
Über die Kirchengemeinde kam Manfred Cramer auch zu der Familie einer Alleinerziehenden mit drei Kindern, was ihn innerlich beschäftigte. Der Ältesten, die mit 14 noch nicht lesen und schreiben konnte, gab er Nachhilfeunterricht bei sich zuhause in Blankenese. „Sie wollte zu uns kommen“, erzählt er. Leider nur zwei Mal, dann blieb sie weg. Das Mädchen wollte Altenpflegerin werden, sollte aber erst einen Vorbereitungskurs machen. Nach einem halben Jahr sei sie schwanger gewesen. Cramer hat den Kontakt zur Familie mittlerweile verloren.
Obwohl er 2025 verabschiedet wurde, so ganz kann Manfred Cramer noch nicht loslassen. Auch diesen Sommer hat er „seine“ Kinderfreizeit besucht: Zwei Nachmittage war er bei den 40 Kindern und ihren 17 Betreuern im mecklenburgischen Neu Sammit.
Manfred Cramer,
1942 in Berlin geboren, arbeitete dreißig Jahre als Jurist bei BP und lebt heute in Blankenese. Er hat vier Kinder und insgesamt zehn Enkelkinder: eigene und die seiner Frau Uta Mahnke-Cramer.