Mensch des Monats April 2026

Nach 34 Jahren in Blankenese: Pastor Klaus-Georg Poehls verabschiedet sich

Mensch des Monats · · 4 Min. Lesezeit · von Anna-Lena Walter
Pastor Klaus-Georg Poehls
Die Blankeneser Kirche am Markt war lange sein Arbeitsplatz, nun ist Pastor Poehls (64) im Ruhestand.

Sein Leben hat Pastor Klaus-Georg Poehls der Gemeinde Blankenese gewidmet. Über drei Jahrzehnte setzte er sich für Dialog, Völkerverständigung und Gemeinschaft ein. Nun beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt im Ruhestand.

Klaus-Georg Poehls ist seit 34 Jahren Pastor in der Blankeneser Kirche am Markt. Nun schlägt er ein neues Kapitel auf. Am 29. März feierte er mit einem großen Gottesdienst und einem anschließenden Empfang im Gemeindehaus seinen Abschied in den Ruhestand.

Er ist ein bekanntes Gesicht in der Gemeinde und hat über Jahrzehnte die klassischen Aufgaben eines Pastors übernommen, wie Gottesdienste, Trauungen, Taufen und Beerdigungen. „Dieser Teil meiner Arbeit war mir immer wichtig, ist gefühlt aber neben all den anderen Aufgaben leider öfter zu kurz gekommen.“

Ihm lag von Anfang an besonders der Austausch mit den Menschen am Herzen. Dabei schloss er niemanden aus, im Gegenteil für jeden hatte er ein offenes Ohr, ob für Gemeindemitglieder oder Geflüchtete, die in Sieversstücken unterkamen. So war ihm auch die Arbeit mit Ehrenamtlichen und Organisationen wie beispielsweise dem „Runden Tisch Blankenese“  wichtig, denn „interreligiöser Dialog macht uns alle offener.“ Auch er trat Menschen, Ideen und anderen Religionen immer offen entgegen. Als er 1988 ein Auslandsjahr in Bloemfontein (Südafrika) absolvierte, ahnte er wohl noch nicht, dass ihn diese Erfahrung zu einer Lebensaufgabe inspirieren würde. Menschen verschiedener Religionen zusammen zu bringen, sie zu informieren und den Austausch zu ermöglichen. „Respekt geht nicht ohne Kenntnis der Religionen.“

Blankenese hat er in der Richtung als Gemeinde und als Stadtteil als aufgeschlossen und engagiert wahrgenommen. Dank seines Zutuns ist das Dorf eine „Weltethos-Gemeinde“ geworden, die den interreligiösen Austausch pflegt und mit der Stiftung Weltethos in Tübingen verbunden ist. Die von ihm initiierte Ausstellung „Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos“ in den Räumen des Pastorats möchte Menschen einladen, sich über die fünf Weltreligionen und ihre Gemeinsamkeiten zu informieren. „Wir können alle voneinander lernen, es gibt nun mal nicht die einzig wahre Religion. Die Kirche am Markt heißt so, weil ein Markt ein lebendiger Ort ist, der für Austausch steht. Unsere Kirche möchte mit ihrem Namen aufzeigen, dass wir offen für alle sind.“

In all den Jahren nahm er sich besonders viel Zeit für die jungen Gemeindemitglieder und betreute zum Teil zehn Konfi-Gruppen gleichzeitig im zweijährigen Modell. „Nur so kann man Beziehungen aufbauen. Wenn man sich über zwei Jahre jede Woche trifft, lernt man sich gut kennen.“

In besonderer Erinnerung wird ihm die beliebte Tradition des „Amrumer Segens“ bleiben, wobei viele Kinder und Jugendliche ihr Tauffest am Elbstrand feiern. „Das macht deutlich, wie viel Schönheit in Religion steckt: in den Worten, der Musik und der Umgebung, in der wir sie ausüben.“

Viele Konfirmanden schlossen sich der „Marafiki“-Gruppe an. Gemeinsam mit Pastor Poehls reisten über Jahre viele Jugendliche in die Partnergemeinde Lupombwe in Tansania, um dort an dem Projekt „maji safi“ (sauberes Wasser) mitzuwirken. Gemeinsam erreichten sie 2025, dass das afrikanische Dorf von einer hoch gelegenen Quelle mittels einer 14 Kilometer langen Leitung mit frischem Wasser versorgt wird. „Diese Arbeit hat uns alle sehr bereichert und wirklich etwas bewirkt. Das hat das Leben der Frauen und Kinder dort sehr erleichtert.“

In seinem Wirken wird immer die Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen. „Das Gemeindebewusstsein zu stärken, wird eine große Aufgabe bleiben, gerade damit sich auch Menschen anderen Glaubens ernst- und angenommen fühlen.“

Für sein erstes Jahr im Ruhestand hat Pastor Poehls sich vorgenommen, tatsächlich zur Ruhe zu kommen und sich um seine Gesundheit zu kümmern. „Die Gemeinde und ich müssen uns sicherlich daran gewöhnen, dass ich nicht mehr jederzeit ansprechbar bin. Wenn es sich ergibt und ich das gesundheitlich kann, würde ich schon gern ab und an eine Trauung oder eine Taufe machen.“

Ganz lösen von seiner Gemeinde kann sich der 1961 geborene Pastor nicht. Immerhin hat er hier seine Familie gegründet und seine beiden Söhne mit seiner Frau Lucia von Treuenfels großgezogen. Er wird immer ein wichtiger Teil des Dorfes bleiben.

Für den neuen Lebensabschnitt wünscht der Klönschnack alles Gute!

Anna-Lena Walter
Anna-Lena Walter
Redakteurin Print / Online
Artikel teilen