Vom Blumenbeet bis zur Demokratie vor Ort: Das Zukunftsforum Blankenese
Wie können Bürger ihren Stadtteil mitgestalten? Für Dr. Rosario Then de Lammerskötter lautet die Antwort: durch Vernetzung, Beteiligung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Genau dafür setzt sich das Zukunftsforum Blankenese ein.
Mit einem herzlichen Lächeln öffnet mir Dr. Rosario Then de Lammerskötter die Tür. Ihr Heim ist offen und freundlich, genau wie meine Gastgeberin. Voller Energie berichtet die Geschäftsführerin des Zukunftsforums Blankenese, was sie persönlich antreibt, aber auch was es mit dem Verein eigentlich auf sich hat. Wir sind uns bereits einige Male im Rahmen ihres Engagements für das Dorf begegnet, beispielsweise beim 17-UN-Ziele-Schulfest auf dem Blankeneser Marktplatz, bei einer Adventsaktion vor dem Martini Block, wo Passanten ihre Zukunftswünsche bei Punsch und Keksen an einem kleinen Tannenbaum manifestieren durften. All das sind sichtbare Aktionen im Ort, wo sich Jung und Alt aktiv beteiligen.
Doch was macht das Zukunftsforum Blankenese genau? Die Arbeit des Vereins begann bereits vor 15 Jahren und trägt bis heute eine starke Idee in sich: Die Überzeugung, dass man lokal – direkt vor der eigenen Haustür – Einfluss auf die großen Fragen unserer Zeit nehmen kann. Die Geschäftsführerin erläutert: „Es geht nicht nur um soziale Begegnungen, sondern auch um Vernetzung im Stadtteil und darum, gemeinsam etwas zu bewirken. Es geht um Selbstwirksamkeit – und darum, die eigenen Talente, die eigene Zeit und Ideen einzubringen, um die Zukunft im Sinne kommender Generationen zu formen.“ Das Motto des Forums lautet: „Den Stadtteil von morgen heute gestalten.“ Then de Lammerskötter sagt: „Wir möchten einen Rahmen für direkte Partizipation und aktives Mitmachen bieten. Es geht um Verantwortung – über das Private und Familiäre hinaus. Wir möchten Demokratie an der Basis stärken und lebendig halten.“
Ideen für den Stadtteil von morgen
Bereits in ihrer Heimat Venezuela studierte sie Jura und arbeitete für eine staatliche Stiftung zur Armutsbekämpfung. In Hamburg vertiefte sie ihr Wissen in europäischem und deutschem Wirtschaftsrecht. „Mir ist wichtig, Zusammenhänge zu verstehen. Was kann ich schon im Kleinen tun, um etwas zu verändern?“
Etwas Bewegen möchten die rund einhundert Mitglieder des Zukunftsforums alle – die einen passiv durch Spenden, die anderen aktiv durch Mitwirkung an Aktionen. Gute Beispiele für die nachhaltige Arbeit des Vereins im Dorf sind die Blumenbeete entlang der Blankeneser Bahnhofstraße, die solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) Blankenese und der Fahrradtag mit den Schulen. Weniger sichtbar ist die intensive Vernetzungsarbeit innerhalb und außerhalb Blankeneses. Besonders wichtig ist dem Forum dabei der Ausbau von „lokalkraft“, hier vernetzen sich ähnliche Initiativen in Hamburg. „Die Stadtteile haben keine eigene Verwaltungsstruktur. Viele Themen laufen über die Bezirke, während Stadtteile selbst kaum über Kompetenzen, Personal oder Budgets verfügen. Hier sehen wir Potenzial für eine engere Zusammenarbeit.“
Aktuell arbeitet das Zukunftsforum mit der evangelischen Kirche und weiteren Akteuren an der Belebung des Blankeneser Marktplatzes. Gemeinsam mit der Interessengemeinschaft möchte es das Projekt „Stark in Blankenese“ (Vorsorge und Katastrophenschutz) vorantreiben. Im Rahmen von „Blankenese miteinander“ engagieren sich die Mitglieder an Schulen und entwickeln Formate, wo Schüler aktiv mitwirken können. Zudem arbeitet das Forum an einer Nachhaltigkeitskarte für das Dorf, sowie an einem modernen Mobilitätskonzept.
„Mein Wunsch ist es, dass Menschen ihre Talente entdecken und einsetzen, um Gutes zu bewirken. Dank des Zukunftsforums kann ich etwas der Gesellschaft zurückgeben und optimistisch in die Zukunft blicken – ich freue mich auf neue Mitstreiter.“
Dr. Rosario Then de Lammerskötter
Dr. Rosario Then de Lammerskötter ist 55 Jahre alt und wurde in Venezuela geboren, lebt aber seit 28 Jahren in Blankenese – länger als in ihrem Geburtsland. Mit ihrem Mann hat sie zwei Kinder groß gezogen. Sie ist Juristin und verfügt über einen Magister in Handelsrecht. Weiterhin hat sie europäisches und deutsches Wirtschaftsrecht studiert und an der Uni Hamburg in internationalem Wirtschaftsrecht promoviert.