Tierschutz

Wie Usha Peters gelähmten Hunden ein neues Leben ermöglicht

Mensch des Monats · · 4 Min. Lesezeit · von Sophie Rhine
Usha Peters sitzt zwischen mehreren Hunden mit Rollwagen auf einem Hof.
Rollwagen statt Aufgeben: Auf dem De Hun’nenhoff kümmert sich Usha Peters um gelähmte und schwer verletzte Hunde.

Ein gelähmter Hund aus Bulgarien veränderte das Leben von Usha Peters. Heute kümmert sie sich mit ihrem Team auf dem De Hun’nenhoff um rund 80 Hunde – viele von ihnen blind, amputiert, traumatisiert oder auf einen Rollwagen angewiesen.

Wenn Usha Peters von Lia erzählt, lächelt sie sofort. Die kleine Hündin aus Bulgarien war schmutzig, verängstigt und hatte keine Hinterbeine mehr. „Sie saß in einer Pipilache und sah wirklich erbärmlich aus“, erinnert sich Peters. Eigentlich wollte die Hamburger Ärztin damals einfach nur einem Hund helfen, der kaum noch Chancen auf ein Zuhause hatte. Dass daraus einmal ihr Lebensprojekt entstehen würde, ahnte sie nicht.

2005 zog Lia bei Usha Peters ein. Einen Rollwagen für Hunde gab es damals kaum irgendwo. Schließlich fand sie in Hamburg einen Taxifahrer, der für seinen eigenen gelähmten Dackel Rollwagen baute. Vier Monate dauerte es, bis Lia akzeptierte, damit zu laufen. „Ich war kurz davor aufzugeben“, erzählt sie. Doch irgendwann habe es „Klick“ gemacht. Von da an sei die kleine Terrierhündin stundenlang durchs Gelände geflitzt.

„Vor 20 Jahren gab es wenig Angebote und auch wenig Bereitschaft, ein Tier mit Handicap aufzunehmen. Das hat sich zum Glück sehr verändert!“

Usha Peters

Heute, mehr als 20 Jahre später, ist aus den Erfahrungen rund um den ersten Rollihund ein besonderer Ort entstanden: der De Hun’nenhoff in der Lüneburger Heide. Auf dem Hof leben inzwischen rund 80 Hunde – viele gelähmt, blind, amputiert oder schwer traumatisiert. Dazu kommen Reha-Hunde und Tiere in Pension. Rund 20 bis 30 Hunde bewegen sich dauerhaft im Rollwagen.

Was einst mit einem einzelnen Hund begann, wuchs über die Jahre immer weiter. Erst nahm Peters einen zweiten Handicap-Hund auf, dann einen dritten. Irgendwann reichte das eigene Zuhause nicht mehr aus. 2015 fand sie gemeinsam mit Unterstützern den heutigen Hof in Reimerdingen bei Schneverdingen.

Usha Peters sitzt zwischen mehreren Hunden mit Rollwagen.

„Man denkt immer: Den einen kannst du jetzt nicht im Stich lassen“, sagt Peters. Aus dem kleinen privaten Projekt wurde nach und nach eine gemeinnützige Stiftung mit Angestellten, Ehrenamtlichen, Physiotherapie und eigenem Förderverein. Heute arbeiten mehr als 20 Mitarbeiter auf dem Hof, dazu kommen rund 40 Ehrenamtliche.

Besonders wichtig ist Peters dabei ein Gedanke: Gelähmte Hunde seien nicht automatisch unglücklich. „Die flitzen hier über den Hof, spielen Ball und gehen stundenlang spazieren wie andere Hunde auch“, sagt sie. Viele Tiere würden unterschätzt – ebenso ihre Lebensfreude.

Auch die gesellschaftliche Sicht habe sich verändert. Während Handicap-Hunde früher kaum vermittelt werden konnten, gebe es inzwischen immer mehr Menschen, die bewusst einem solchen Tier ein Zuhause geben möchten. Erst in den vergangenen Wochen konnten mehrere gelähmte Hunde vermittelt werden.

Neben der Versorgung der Tiere unterstützt der Hof inzwischen auch Besitzer, deren Hunde nach Unfällen oder Bandscheibenvorfällen plötzlich gelähmt sind. Der De Hun’nenhoff bietet Beratung, Reha und Pension an – bewusst zu möglichst normalen Preisen. „Viele denken erst einmal, das schaffen sie nie“, sagt Peters. „Aber mit Unterstützung ist vieles machbar.“

Trotz aller Erfolgsgeschichten gibt es auch schwere Momente. Besonders junge Hunde zu verlieren, belaste sie bis heute. Gleichzeitig geben ihr die zahlreichen positiven Beispiele Kraft. Etwa Hunde, die nach Monaten plötzlich wieder laufen lernen. Oder Tiere wie Spero: Der schwer verletzte Hund kam vor elf Jahren aus Rumänien auf den Hof – ohne Hinterbeine und mit schweren Verletzungen, laut Ärzten ohne Chance. Heute ist er 14 Jahre alt und jagt noch immer über den Hof.

Für ihre Arbeit erhielt Usha Peters inzwischen zahlreiche Auszeichnungen – zuletzt sogar das Bundesverdienstkreuz. Für sie selbst steht jedoch etwas anderes im Mittelpunkt: „Das ist längst nicht mehr mein Verdienst allein“, sagt sie über den Hof. „Ohne das Team und die Ehrenamtlichen würde das alles nicht funktionieren.“

Hoffest auf dem De Hun’nenhoff

Der De Hun’nenhoff lädt am 9. August von 10 bis 17 Uhr zum großen Hoffest nach Schneverdingen ein. Anlass ist ein Doppeljubiläum: Der Tierschutzhof feiert 20 Jahre De Hun’nenhoff und 10 Jahre am heutigen Standort. Besucher erwartet ein Tag mit Führungen, Einblicken in die Arbeit des Hofes, Ausstellern, Musik sowie Begegnungen mit den gehandicapten Hunden und anderen Hoftieren.

Spendenkonto bei der Haspa:
Stiftung De Hun’nenhoff
IBAN: DE53 2005 0550 1002 3210 30

Sophie Rhine
Sophie Rhine
Redakteurin Print / Online
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