Ortskern-Debatte

Streit um Verkehr und Parkplätze: Wohin steuert Blankenese?

Mobilität & Verkehr · · 3 Min. Lesezeit · von Sophie Rhine
Mitglieder der BIG versammeln sich gegen autofreies Blankenese
Gewerbetreibende äußern Kritik an möglichen Verkehrseinschränkungen im Blankeneser Ortskern.

Die Diskussion um Verkehr, Parkplätze und Aufenthaltsqualität in Blankenese wird intensiver. Auslöser sind die Vorschläge eines Bürgerrats, der Ideen für die Mobilität der Zukunft entwickelt hat. Vor allem mögliche Verkehrsversuche im Ortskern sorgen derzeit für kontroverse Debatten zwischen Politik, Gewerbe und Anwohnern.

Wie soll Mobilität in Blankenese künftig aussehen? Kaum ein Thema wird derzeit im Stadtteil so emotional diskutiert wie Verkehr, Parkplätze, Nutzung des öffentlichen Raums und die Zukunft des Ortskerns. Auslöser der Debatte sind die Ergebnisse eines losbasierten Bürgerrats, der sich in den vergangenen Monaten mit Ideen für die Mobilität in Blankenese beschäftigt hat. Besonders die mögliche zeitweise Sperrung der Blankeneser Bahnhofstraße für den Autoverkehr sorgt für Diskussionen.

Dabei greift die öffentliche Debatte vielen Beteiligten zu kurz. Denn tatsächlich umfasst der Bürgerrat insgesamt 35 Vorschläge – und nicht nur die viel diskutierte Idee eines Verkehrsversuchs im Ortskern. Ziel sei es vor allem gewesen, Lösungen dafür zu entwickeln, wie weniger private Autos in den Ortskern fahren müssen. Im Mittelpunkt stehen laut Beteiligten unter anderem bessere Mobilitätsangebote, alternative Parkmöglichkeiten sowie die Reduzierung des Parkplatzsuchverkehrs. Gerade Fahrzeuge, die mehrfach durch den Ortskern kreisen, um einen Stellplatz zu finden, würden die Situation zusätzlich verschärfen.

Ein vollständig autofreier Ortskern steht dabei nach aktuellem Stand keineswegs fest. Vielmehr geht es zunächst um mögliche Verkehrsversuche und unterschiedliche Szenarien. Taxen, Lieferverkehr und weitere Ausnahmen gelten weiterhin als denkbar. Die Ergebnisse des Bürgerrats sollen offiziell erst am 1. Juni im Mobilitätsausschuss vorgestellt und diskutiert werden – nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe. Der Bürgerrat selbst ist ein neues Beteiligungsformat, das der Bezirk Altona erstmals testweise eingesetzt hat. Ziel war es, zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger zusammenzubringen, um konkrete Empfehlungen für lokale Zukunftsfragen zu entwickeln. Beschlossen wurde das Verfahren zuvor politisch im Bezirk. Befürworter sehen darin eine Möglichkeit, zusätzliche Perspektiven in politische Prozesse einzubringen und Diskussionen breiter aufzustellen.

Kritik und offene Fragen

Kritik daran kommt vor allem aus CDU und FDP. Beide warnen davor, mit Verkehrsversuchen die funktionierenden Strukturen im Ortskern zu gefährden. FDP-Fraktionsvorsitzende Katarina Blume bezeichnete den Bürger:innenrat als „Schnapsidee“ und kritisierte „ideologisch motivierte Verkehrsversuche“. Auch die Blankeneser CDU-Vorsitzende Antje Müller-Möller äußerte Bedenken hinsichtlich möglicher Einschränkungen für den Autoverkehr und der Auswirkungen auf Einzelhandel und Erreichbarkeit.

Oliver Diezmann: „Wir unterstützen einige Vorschläge des Bürgerrates. Für einen funktionierenden Stadtteil ist es aber hochgradig riskant, einfach testweise den Autoverkehr rauszunehmen.“

Viele Geschäftsinhaber befürchten negative Folgen für den Ortskern und den Einzelhandel. Oliver Diezmann, Vorstand der Blankenese Interessengemeinschaft (BIG), betont zwar, dass man sich nicht grundsätzlich gegen Veränderungen sperre. Mehrere Vorschläge aus dem Bürgerrat unterstütze man ausdrücklich – darunter feste Parkzonen für E-Scooter, zusätzliche Fahrradstellplätze, eine Bushaltestelle vor den Schulen oder eine stärkere Nutzung des Marktplatzes für Gastronomie und Veranstaltungen. Aber wenn man die Mobilität grundlegend verändern wolle, müsse das langfristig geplant werden. „Man muss alle Gewerbetreibenden mitnehmen und die gesamte Mobilität im Ort bedenken.“ Als Beispiel nennt er Ottensen, wo ähnliche Projekte über Jahre vorbereitet worden seien.

Andere Beteiligte mahnen dagegen zu mehr Sachlichkeit in der Debatte, denn genau um diese langfristige, gesamte Veränderung und Betrachtung gehe es. Parallel zum Bürger:innenrat arbeitet in Blankenese bereits seit längerer Zeit eine Arbeitsgruppe Mobilität mit Vertreterinnen und Vertretern aus rund 15 Organisationen und Parteien an einem Gesamtkonzept für den Stadtteil. Geplant sind Umfragen, Workshops und Vorträge. Ziel sei es, gemeinsam mit Bezirk, Initiativen, Politik und Bürgerinnen und Bürgern langfristige Lösungen zu entwickeln, die Erreichbarkeit, Aufenthaltsqualität und Alltagstauglichkeit gleichermaßen berücksichtigen.

Projekt Mobilitätskonzept

Hinter den aktuellen Diskussionen steht ein längerfristiger Prozess zur Zukunft der Mobilität im Stadtteil. Eine Arbeitsgruppe sorgt für Austausch von Ideen zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Vereinen, Initiativen und weiteren Organisationen für ganz Blankenese. Themen sind unter anderem Verkehrssicherheit, Aufenthaltsqualität, Parkraum, Radverkehr und alternative Mobilitätsangebote. Geplant sind außerdem Workshops, Vorträge und Beteiligungsformate für Bürgerinnen und Bürger.

Sophie Rhine
Sophie Rhine
Redakteurin Print / Online
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