1.700 Einsatzkräfte proben den Ernstfall in Hamburg
Hubschrauber über der Stadt, Drohnenabwehr und simulierte Sabotage: Bei „Red Storm Charlie“ probten mehr als 1.700 Einsatzkräfte den Ernstfall. Jetzt wird ausgewertet – und die nächste Großübung ist bereits geplant.
Ein Bundeswehrhubschrauber schwebt über einem Gebäude, eine Einsatzkraft seilt sich aus der Maschine ab. An anderen Orten werden Drohnen abgewehrt, Verwundete versorgt oder Sabotageakte durchgespielt. Drei Tage lang wurde Hamburg bei der Großübung „Red Storm Charlie“ zum Schauplatz verschiedener Krisenszenarien.
Mehr als 1.700 Einsatzkräfte waren beteiligt, darunter rund 500 Soldatinnen und Soldaten sowie 1.200 zivile Kräfte. Insgesamt wirkten mehr als 60 Partner mit: Polizei und Bundespolizei ebenso wie das Technische Hilfswerk, Hilfsorganisationen und Unternehmen aus Hafen, Luftfahrt, Logistik und Lebensmittelversorgung.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie militärische und zivile Kräfte im Krisenfall zusammenarbeiten. Geübt wurden hybride Bedrohungslagen und Sabotage ebenso wie die medizinische Versorgung. Dazu gehörten die Abwehr von Drohnen sowie die Versorgung und der Transport von Verwundeten.
Zusammenarbeit für den Krisenfall
Für die Bundeswehr ging es dabei nicht allein um einzelne Einsatzszenarien. Erprobt werden sollten vor allem Abläufe und Schnittstellen zwischen den beteiligten Organisationen.
Kapitän zur See Kurt Leonhards, Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, zieht nach den drei Übungstagen eine positive Bilanz. Die Fähigkeiten in der zivil-militärischen Zusammenarbeit hätten weiterentwickelt und das Netzwerk auch über Hamburg hinaus erweitert werden können. Leonhards beobachtet zugleich eine Veränderung im Verhältnis zwischen Bevölkerung und Bundeswehr. „Der Soldat, der an der Tankstelle steht, wird zum Kaffee eingeladen – das ist nur ein Beispiel.“ Eine solche Veränderung in der Beziehung zwischen der Stadt und ihren Soldatinnen und Soldaten habe er „in fast vier Jahrzehnten im Dienst der Bundeswehr so noch nicht erlebt“.
Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank verwies nach der Übung auf die veränderte sicherheitspolitische Lage. Die Szenarien seien „eindrücklich“ gewesen und hätten gezeigt, dass die Vorbereitung auf Krisen nicht allein Aufgabe der Streitkräfte sei.
Nach der Übung beginnt die Auswertung
Mit dem Ende von „Red Storm Charlie“ ist die Arbeit nicht abgeschlossen. Gemeinsam mit den beteiligten Organisationen soll nun untersucht werden, welche Verfahren funktioniert haben und an welchen Schnittstellen nachgebessert werden muss. Die Erkenntnisse sollen auch in die Vorbereitung kommender Übungen einfließen.
Die nächste steht bereits fest: Im Herbst 2027 soll „Red Storm Delta“ stattfinden. Die Planungen dafür beginnen noch in diesem Jahr. Vorgesehen ist erneut die Beteiligung ziviler und militärischer Partner, darunter Hamburg Port Authority, HHLA, Feuerwehr, Polizei und Bundespolizei. Weitere Partner sollen hinzukommen. Die Szenarien sollen bei der nächsten Übung noch komplexer werden.