Demokratie auf der Bühne

Bertini-Preis für Blankeneser Theaterprojekt zur politischen Bildung

Schule · · 3 Min. Lesezeit · von Anna-Lena Walter
Theaterproduktion „Wer die Wahl hat“
Demokrat oder Faschist? Das Publikum weiß bis zum Schluss nicht, wer zu welcher Partei gehört.

Mit ihrer Theaterproduktion „Wer die Wahl hat“ haben Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Blankenese einen Nerv der Zeit getroffen. Für das interaktive Stück über Demokratie, Manipulation und politische Verantwortung wurde das Geographie-Profil des 13. Jahrgangs jetzt mit dem Bertini-Preis 2025 ausgezeichnet.

Große Ehre für Schülerinnen und Schüler des 13. Jahrgangs der Stadtteilschule Blankenese: Das Geographie-Profil ist für seine Theaterproduktion „Wer die Wahl hat“ mit dem renommierten Bertini-Preis 2025 ausgezeichnet worden. Das Stück setzt sich intensiv mit der aktuellen Entwicklung auseinander, dass faschistische Positionen sowohl schleichend als auch offen populistisch in den politischen Diskurs eingebracht werden. Die Theaterproduktion gleicht dabei einer Gameshow, die auf dem Spiel „Secret Hitler“ basiert. Dabei wurden die Schüler in Demokraten und Faschisten aufgeteilt. Das Besondere daran: In der Inszenierung wird das Publikum aktiv in das Geschehen eingebunden, weiß aber bis zum Schluss nicht, wer welcher Partei angehört. Am Ende entscheidet das Publikum anhand von verschiedenen Darbietungen der Darsteller, welche Partei sie wählen würden. Der Ausgang ist also variabel. Um das Publikum für sich zu gewinnen, hält der eine Kandidat eine glühende Rede, der nächste amüsiert die Zuschauer mit 20 Liegestützen. Mal zeigte sich das Publikum von den demokratischen Kräften überzeugt, mal von den Faschisten.

Vier Schüler der Stadtteilschule Blankenese
Im Gespräch: Timmy Wolff, Chenai Mushayavanhu, Jonas Bahn und Jannes Conrad.

Den Ernst ihrer Arbeit hatte die Gruppe bei aller Spielfreude stets im Blick. „Wir finden, wer die Wahl hat, der sollte sich auch gut überlegen, was er wählt, denn es hat Konsequenzen“, sagt Kursleiterin Kerstin Hähnel. Schülerin Chenai ergänzt: „Mit unserem Projekt zeigen wir natürlich auf den Bundestag und möchten alle ermutigen, genau hinzuschauen, ob ihre Vorstellung vom friedlichen Zusammenleben wirklich repräsentiert wird.“ Bei der Inszenierung des modernen Stücks gab es sogar professionelle Unterstützung vom Thalia Theater.  Kerstin Hähnel berichtet: „Wir hatten uns zuvor bei dem Projekt „Tusch“ (Theater und Schule) beworben. Dabei gehen Theater und Schule eine zweijährige Partnerschaft ein.“ In diesem Zeitraum erarbeiten Theatermacher und Pädagogen gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern Projekte rund ums Theater. Weiter sagt sie: „Tusch" will die Zuschaukunst lehren, Spielfreude wecken, Kreativität und Sozialkompetenz stärken, kreative Handlungen erzeugen, Reflexionen und Diskussionen anstoßen.“ Nach den Aufführungen wurde deshalb das Publikum zum Austausch ermutigt. Dabei durften Zuschauer, aber auch die Schauspieler, Fragen stellen.

Kerstin Hähnel
Kursleiterin Kerstin Hähnel: „Wir finden, wer die Wahl hat, der sollte sich auch gut überlegen, was er wählt, denn es hat Konsequenzen.“

Timmy sagt: „Nach den Erfahrungen mit dem Stück steht fest, dass wir uns für kommende Generationen schon früher einen Blick auf unsere Historie wünschen, politische Bildung darf nicht erst ab der Oberstufe beginnen.“ Chenai führt aus: „Faschistischen Parteien fällt es einfach zu leicht, sich durch lustige TikTok-Clips Zugang zu jüngeren  Menschen zu verschaffen. Da hilft nur Vorwissen, um beim ersten Gang zur Wahlurne eine fundierte Entscheidung treffen zu können.“ Die Schüler sind sich einig, dass sie durch die Produktion gereift sind. Jonas berichtet: „Die Erfahrung auf der Bühne, eine Persönlichkeit zu spielen, die voll gegen meine Natur ist, hat mich zum Nachdenken angeregt.“ Mitschüler Jannes fügt hinzu: „Wir mussten uns zum Teil anpöbeln und beleidigen. Also auch eigene und fremde Grenzen überschreiten, die man im normalen Schulalltag nicht überschreiten würde. Das war hart, hat uns aber auch wachsen lassen.“

Bertini-Preis

Der Bertini-Preis wird jährlich an junge Menschen in Hamburg vergeben, die sich für ein solidarisches Zusammenleben in Hamburg engagieren. Er unterstützt Projekte von Einzelpersonen, Gruppen und Schulklassen, die gegen Ausgrenzung von Menschen eintreten. Die Preisverleihung findet immer am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, statt und wurde in diesem Jahr im Ernst Deutsch Theater ausgerichtet.

Anna-Lena Walter
Anna-Lena Walter
Redakteurin Print / Online
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