Sommerferien

Tierheim Süderstraße warnt vor neuer Welle ausgesetzter Haustiere

Umwelt · · 2 Min. Lesezeit · von Sophie Rhine
Löwenkopfkaninchen Amaretto und Widderkaninchen Tiramisu
Löwenkopfkaninchen Amaretto und Widderkaninchen Tiramisu wurden unter einer Bahnbrücke gefunden. Die Langohren wurden dort in einem Käfig ausgesetzt – ihr Pflegezustand ist mäßig.

Die Sommerferien bringen das Tierheim Süderstraße erneut an seine Kapazitätsgrenzen. Der Hamburger Tierschutzverein hat seit Anfang Juni bereits 176 Fundtiere aufgenommen, deren Besitzer sich nicht gemeldet haben. Viele von ihnen wurden nach Einschätzung des Vereins vermutlich ausgesetzt.

Während viele Hamburger in den Urlaub fahren, landen zahlreiche Haustiere im Tierheim Süderstraße. Der Hamburger Tierschutzverein (HTV) zieht zur Halbzeit der Sommerferien eine ernüchternde Bilanz: Die Zahl mutmaßlich ausgesetzter Tiere bleibt hoch, gleichzeitig erschweren Aufnahmestopps die Versorgung weiterer Fundtiere.

Seit Anfang Juni wurden 176 Fundtiere aus dem Hamburger Stadtgebiet aufgenommen, deren Halter sich bislang nicht gemeldet haben. Allein in den ersten beiden Ferienwochen kamen 51 Tiere hinzu. Nach Einschätzung des HTV dürfte die tatsächliche Zahl ausgesetzter Tiere jedoch deutlich höher liegen. Nicht alle Tiere würden rechtzeitig gefunden, andere könnten wegen der wiederkehrenden Aufnahmestopps gar nicht erst im Tierheim abgegeben werden.

Katze Honey
Honey wurde verletzt in einem Karton neben Müllcontainern ausgesetzt.
 

Besonders häufig wurden in den vergangenen Wochen Katzen, Kaninchen, Ziervögel und Schildkröten aufgenommen. Insgesamt wurden im Juni und Juli bislang unter anderem sieben Hunde, 57 Katzen, 28 Kaninchen, 22 Ziervögel und 16 Schildkröten als mutmaßlich ausgesetzt aufgenommen. Für 22 Tiere kam jedoch jede Hilfe zu spät – sie starben trotz tierärztlicher Versorgung oder mussten eingeschläfert werden.

Tierheim warnt vor weiterer Belastung

Das Tierheim Süderstraße arbeitet nach Angaben des HTV bereits seit Längerem an der Belastungsgrenze. Für mehrere Tierarten, darunter Katzen, Reptilien, Ziervögel, Aquarientiere und Hausgeflügel, gelten derzeit Aufnahmestopps. Auch für Hunde drohe ein Aufnahmestopp, wenn die Zahl der aufgenommenen Tiere weiter steigt. Erfahrungsgemäß erreichen die Aussetzungen während der Sommerferien ihren Höhepunkt häufig erst in den kommenden Wochen.

Der Tierschutzverein appelliert deshalb an Tierhalter, rechtzeitig eine Betreuung für ihre Haustiere zu organisieren, anstatt sie auszusetzen. Das Aussetzen von Tieren verursache großes Leid und sei kein Kavaliersdelikt.

Aussetzen ist kein Bagatelldelikt

Das Labrador-Dogge-Mischlingsmädchen Dori
Das Labrador-Dogge-Mischlingsmädchen Dori wurde im Alter von nur zwölf Wochen gefunden. Dori war nicht gechippt. Niemand hat das Hundekind bisher vermisst …

Nach dem Tierschutzgesetz ist es verboten, ein Haustier auszusetzen oder zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen. Verstöße können als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Stirbt ein Tier infolge der Aussetzung, kann der Tatbestand sogar als Straftat verfolgt werden.

Der HTV bittet zudem um Hinweise aus der Bevölkerung, wenn Tiere ausgesetzt oder herrenlos aufgefunden werden. Jeder Hinweis könne dazu beitragen, Tierhalter zu ermitteln und weiteres Tierleid zu verhindern.

Sophie Rhine
Sophie Rhine
Redakteurin Print / Online
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