Hamburger Gründerpreis

Vom Mikroorganismus bis zum Rohkaffee: Hamburg zeichnet Unternehmergeist aus

Wirtschaft · · 3 Min. Lesezeit · von Sophie Rhine
Die Preisträger des Hamburger Gründerpreises 2026 mit ihren Laudatoren
Gemeinsam auf der Bühne: Die Preisträger des Hamburger Gründerpreises 2026 mit ihren Laudatoren bei der Preisverleihung in der Fischauktionshalle.

Biotech, Gleisbau und eine Hamburger Kaffeegeschichte: MicroHarvest, die Willke Unternehmensgruppe und Michael R. Neumann erhalten den Hamburger Gründerpreis 2026. Die drei Preisträger stehen für ganz unterschiedliche unternehmerische Wege.

Protein, das innerhalb von 24 Stunden mithilfe von Mikroorganismen entsteht. Ein Familienunternehmen, das seit fast fünf Jahrzehnten Schienen baut. Und ein Hamburger Kaufmann, der aus einer kleinen Kaffeehandelsfirma einen weltweit tätigen Rohkaffeehändler machte. Viel unterschiedlicher könnten die Geschichten hinter dem Hamburger Gründerpreis 2026 kaum sein.

Zum 25. Mal wurden am Montag, 7. September 2026, Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Metropolregion ausgezeichnet. Die Preise gehen in diesem Jahr an das Hamburger Biotech-Unternehmen MicroHarvest, die Willke Unternehmensgruppe aus Wittorf bei Lüneburg und Michael R. Neumann, Gründer der Neumann Kaffee Gruppe. Verliehen wurden die Auszeichnungen bei einer Gala in der Hamburger Fischauktionshalle.

MicroHarvest-Gründer Jonathan Roberz und Katelijne Bekers mit ihrer Auszeichnung.
MicroHarvest-Gründer Jonathan Roberz und Katelijne Bekers mit ihrer Auszeichnung.

Den Preis in der Kategorie Existenzgründer erhält MicroHarvest. Das Unternehmen von Katelijne Bekers, Luisa Cruz und Jonathan Roberz setzt auf eine Proteinquelle, die weder Acker noch Stall benötigt. Mithilfe von Biomasse-Fermentation werden Mikroorganismen und Nebenströme aus der Agrar- und Lebensmittelindustrie zu Proteinpulver verarbeitet. Vereinfacht gesagt funktioniert das ähnlich wie beim Brauen von Bier oder bei der Herstellung von Joghurt – nur dass am Ende Protein entsteht.

Das Verfahren braucht nach Angaben des Unternehmens gerade einmal 24 Stunden. Noch landet das Produkt vor allem in Futtermitteln für Fische, Hunde und Katzen; die EU-Zulassung für Lebensmittel steht aus. MicroHarvest denkt allerdings bereits in deutlich größeren Dimensionen: Im sachsen-anhaltischen Leuna entsteht eine Produktionsanlage, die bis Ende 2028 jährlich rund 15.000 Tonnen Protein herstellen können soll.

Haspa-Vorstand mit den Aufsteigern
Haspa-Vorstand Dr. Olaf Oesterhelweg (Mitte) mit den ausgezeichneten Aufsteigern Moritz und Niklas Willke (r.).

Ganz ohne Hightech-Biologie kommt der diesjährige Aufsteiger aus – dafür mit jeder Menge Stahl, Schotter und schwerem Gerät. Die Willke Unternehmensgruppe begann 1979 als Familienunternehmen und ist heute in weiten Teilen der Bahninfrastruktur zu Hause. Vom Vermessen und Planen über den Gleis- und Oberleitungsbau bis zur Instandhaltung und Eisenbahnlogistik reicht das Geschäft inzwischen.

Seit 2012 führen Niklas und Moritz Willke das Unternehmen ihrer Familie in zweiter Generation. Mehr als 600 Mitarbeitende sind heute deutschlandweit für die Gruppe tätig, der Umsatz liegt nach Unternehmensangaben bei rund 175 Millionen Euro. Projekte realisiert Willke mittlerweile in ganz Europa.

Michael R. Neumann mit Laudator Peter Tschentscher
Michael R. Neumann (r.) erhielt den Gründerpreis für sein Lebenswerk – mit Laudator Dr. Peter Tschentscher.

Beim dritten Preisträger reicht der Blick noch weiter zurück. Michael R. Neumann erhält den Gründerpreis für sein Lebenswerk. Den Grundstein hatte bereits sein Vater Hanns R. Neumann gelegt, der 1934 eine kleine Kaffeehandelsfirma in Hamburg aufbaute. Sein Sohn entwickelte sie ab den 1960er-Jahren zur international tätigen Neumann Kaffee Gruppe weiter.

Heute begleiten rund 50 Tochtergesellschaften in 28 Ländern den Rohkaffee vom Anbau über Transport und Lagerung bis zu den Röstereien. Mehr als 3.300 Menschen arbeiten für die Gruppe. Michael R. Neumann selbst zog sich 2004 aus dem operativen Geschäft zurück. Ganz vom Kaffee verabschiedete er sich damit nicht. 2005 gründete er die Hanns R. Neumann Stiftung, die sich unter anderem für bessere Lebensbedingungen von Menschen in Kaffeeanbaugebieten, Umwelt- und Naturschutz sowie Bildungsprojekte engagiert.

Dass ausgerechnet diese drei Geschichten gemeinsam ausgezeichnet werden, zeigt auch die Bandbreite des Hamburger Gründerpreises: vom jungen Biotech-Unternehmen über den gewachsenen Familienbetrieb bis zum Lebenswerk eines Hamburger Kaufmanns. Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang brachte den Gedanken bei der Jubiläumsausgabe auf eine kurze Formel: „Ein gutes Gründungsklima entsteht nicht von selbst – es braucht Mut, Vorbilder und die Wertschätzung derer, die etwas wagen.“

Sophie Rhine
Sophie Rhine
Redakteurin Print / Online
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