Science City wird Zentrum der deutschen Laserfusionsforschung
Die Science City Bahrenfeld baut ihre Rolle als einer der bedeutendsten Forschungsstandorte Europas weiter aus: Der Bund fördert gemeinsam mit Hamburg, Schleswig-Holstein und Hessen einen neuen Laser Fusion Hub. Herzstück des norddeutschen Netzwerks wird der European XFEL auf dem Forschungscampus in Schenefeld.
Die Science City wächst nicht nur räumlich, sondern gewinnt auch wissenschaftlich weiter an Bedeutung. Mit der Entscheidung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) entsteht rund um den European XFEL und das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) künftig eines der wichtigsten Zentren der deutschen Laserfusionsforschung.
Kernstück des Vorhabens ist der Fusion R&D Campus Hamburg/Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit einem zweiten Standort im hessischen Biblis sollen dort Technologien entwickelt werden, die den Weg zu künftigen Fusionskraftwerken ebnen könnten.
Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal spricht von einer wichtigen Weichenstellung: „Die Entscheidung des Bundes zur Förderung der Laserhubs ist ein starkes Signal – für den Norden und für Hamburgs Rolle bei der Entwicklung von Technologien, die unsere Zukunft prägen.“ Die Science City bringe mit dem European XFEL, DESY und der Universität Hamburg eine Forschungsinfrastruktur von Weltrang ein.
Einzigartige Voraussetzungen für die Laserfusion
Dass der neue Hub im Hamburger Westen entsteht, kommt nicht von ungefähr. Mit dem European XFEL, dem DESY und der Universität Hamburg verfügt die Region bereits heute über eine weltweit anerkannte Forschungslandschaft.
Am European XFEL lassen sich mithilfe des leistungsstarken Röntgenlasers Prozesse untersuchen, die bei der Laserfusion eine entscheidende Rolle spielen. Forschende analysieren dort Wechselwirkungen zwischen Hochleistungslasern und winzigen Brennstoffkapseln und gewinnen so Erkenntnisse für neue Zünd- und Kompressionsverfahren.
Für Prof. Thomas Feurer vom European XFEL ist genau diese Infrastruktur der entscheidende Vorteil des Standorts. „Der European XFEL ist einer der leistungsstärksten Röntgenlaser der Welt – unsere hochpräzise Diagnostik für Kompressionsphysik ist weltweit einzigartig.“ Sie sei der Schlüssel, um Konzepte für die Laserfusion experimentell zu überprüfen und die Entwicklung der Technologie gezielt voranzubringen.
Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten Hand in Hand
Den neuen Campus entwickeln European XFEL, DESY, die Universität Hamburg, die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und die Universität Rostock gemeinsam mit den Unternehmen Marvel Fusion und Focused Energy. Ziel des industriegeführten Hubs ist es, Forschung, Hochschulen und Unternehmen enger zu vernetzen und neue Technologien schneller zur Marktreife zu bringen. Die Bundesregierung fördert das Projekt im Rahmen ihrer Hightech-Agenda. Neben dem Standort Hamburg/Schleswig-Holstein entsteht ein weiterer Laser Fusion Hub im hessischen Biblis.
Bei der Kernfusion verschmelzen leichte Atomkerne unter extrem hohen Temperaturen und hohem Druck zu schwereren Kernen. Dabei wird – wie in der Sonne – enorme Energie freigesetzt. Gelingt es, diesen Prozess künftig technisch und wirtschaftlich nutzbar zu machen, könnte daraus eine nahezu CO₂-freie und jederzeit verfügbare Energiequelle entstehen.
Mit dem neuen Laser Fusion Hub stärkt der Bund nicht nur die Forschung auf diesem Gebiet, sondern auch die Science City Bahrenfeld als einen der wichtigsten Wissenschaftsstandorte Deutschlands.
European XFEL
Der European XFEL zählt zu den leistungsfähigsten Röntgenlasern der Welt. Die rund drei Kilometer lange Forschungsanlage verbindet das DESY-Gelände in Hamburg mit dem Forschungscampus in Schenefeld. Forschende aus aller Welt nutzen die Anlage, um Prozesse auf atomarer Ebene sichtbar zu machen – von der Materialforschung bis zur Entwicklung neuer Energietechnologien. Für die Fusionsforschung bietet der European XFEL weltweit einzigartige Möglichkeiten, Laser- und Plasmaprozesse in Echtzeit zu untersuchen.