Wenn Dr. Merle Weiland arbeitet, geht es oft um millimetergenaue Bewegungen. Ein kurzer Druck hier, eine gezielte Korrektur dort – und plötzlich läuft ein Hund wieder leichter, bewegt sich freier oder wirkt deutlich entspannter. Die Tierärztin hat sich auf Chiropraktik für Hunde spezialisiert und betreibt mit „Tierarzthände“ seit Ende 2024 eine eigene Praxis in Rissen.
Wer eine sterile, weiße Praxis mit Behandlungstisch und typischem Desinfektionsmittel-Geruch erwartet, wird positiv von einer gemütlichen Wohnzimmer-Atmosphäre überrascht. Die Behandlung findet auf einer weichen Matte auf dem Boden statt, es gibt kaum Geräte. Merle Weiland arbeitet größtenteils mit ihren Händen. Mit ihnen ertastet sie Verspannungen, Blockaden oder Fehlstellungen im Bewegungsapparat. Chiropraktische Behandlungen können etwa bei Lahmheiten, Schmerzen, Arthrose, nach Operationen oder bei Bewegungseinschränkungen helfen.
„Ich bin Spezialistin für Chiropraktik beim Hund – ich behandle Hunde nachhaltig und ganzheitlich. Manchmal dauert es, bis ich die Ursache für Veränderungen oder Schmerzen gefunden habe, aber wenn es Auffälligkeiten gibt, gibt es auch immer einen Grund. Ich gebe ihnen dann kein Schmerzmittel, sondern mache sie langfristig gesund, beziehungsweise helfe ihnen dabei, das selber zu schaffen. Dann zu sehen, wie die Hunde mehr Lebensenergie haben und ihre Dankbarkeit zu spüren, ist einfach toll.“
Der Weg dorthin begann mit einem klassischen Tiermedizinstudium und der Arbeit in verschiedenen Tierarztpraxen. 2015 entschied sie sich für eine Weiterbildung in tierärztlicher Chiropraktik. „Ich war auf der Suche nach neuen Impulsen und war direkt überzeugt“, erzählt sie. Statt Symptome mit Schmerzmitteln zu behandeln, gibt sie Impulse, damit die Hunde sich langfristig wieder wohlfühlen und schmerzfrei laufen. „Ich war selber skeptisch, aber man fühlt an der Wirbelsäule so viel!“ Sie arbeitet im engen Austausch mit Tierarztpraxen: „Ich schau mir immer auch die Röntgenaufnahmen und Blutbilder an und nicht jeden Bandscheibenvorfall kriegt man ohne OP in den Griff.“
Diagnose mit den Händen statt mit Geräten

Statt hektischer, eng getakteter Abläufe geht es um Beobachtung, Geduld und Vertrauen – sowohl zwischen Tier und Tierärztin als auch zwischen Tierhalter und Therapeutin. „Ich schaue mir an, wie der Hund läuft – vor Ort, auf verschiedenem Gelände und gerne auch auf Videos.“ Sie ertastet die Schmerzpunkte dadurch, dass sie sich jeden Wirbel einzeln anguckt und dessen Beweglichkeit in alle Richtungen.
Ist die Ursache gefunden, läuft es eigentlich ab, wie bei uns Menschen. Mit Physiotherapie, Akupunktur, Laser, Wackelbrettern oder Wärme. „Es macht nicht einmal Knack und alles ist wieder gut“, sagt Merle Weiland lachend. Oft braucht es Zeit, um wirklich langfristige Erfolge zu erzielen. „Ich gebe auch immer Übungen für zu Hause mit – da reichen oft fünf Minuten. Gezieltes Über- oder Unterlaufen von Hindernissen, beim Spazierengehen bewusst verschiedenen Untergrund wählen, Berge hoch und runter – und man merkt direkt den Unterschied und die Dankbarkeit!“