6. Februar 2026
Magazin-Tipp

Kreek in Blankenese: Harm Bielenberg und ein winterliches Kulturgut

Der älteste Kreekbauer Blankeneses ist Harm Bielenberg. Seit über 65 Jahren baut er in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne Kreeken. Sein Ziel ist es, diese Kunstfertigkeit für kommende Generationen zu erhalten.

Harm Bielenberg in seiner Kreek-Werkstatt

Harm Bielenberg baut in seiner Werkstatt in der Hardenbergstraße Kreeken und Steuerlatten.

„Raum!“, schallt es vom Abhang. Dieser Ruf ist wohl allen Kreekfahrern ein Begriff. Er bedeutet „Bahnfrei fürs Rüschen“. Dieser Tage feiert die eingeschworene Kreek-Community in Blankenese beste Bedingungen, um ihre heiß geliebten Kreeken und dazugehörige Steuerlatten zu entstauben.

Treffpunkt ist Schinckels Park. Hier ist die einzige Kreekbahn Hamburgs zu finden. Ein aufgehängter Schlitten im Baum ermahnt Schlittenfahrer, einen anderen Spot zu nutzen, denn das „Plätten“ und Eisen der Bahn ist ein aufwendiger Prozess. Normalerweise trifft sich eine kleine Gruppe, um den Hang zu plätten, von Laub zu befreien und Rillen und Ausspülungen aufzufüllen.

„In diesem Jahr sind die Bedingungen hart. Im November hätte die Bahn bereit gemacht werden müssen“, so der erfahrene Kreekfahrer Sören Sörensen. Auch Florian Weiss berichtet: „Besonders im oberen Teil der Strecke haben sich gefährliche Buckel gebildet. Nach zwei Abfahrten war für mich Schluss. Ergebnis: Leichte Prellungen an beiden Händen und am linken Ellenbogen sowie starke Prellungen am Ellenbogen und Hüfte. Glücklicherweise keine Brüche, nächstes Mal bin ich aber wieder dabei.“

Ein Leben mit der Kreek

Auch Harm Bielenberg, ältester Kreekbauer Blankeneses, bedauert, dass die Bahn in einem schlechten Zustand ist. „Die Kreek-Gemeinschaft wird künftig sicherlich mit dem Bezirksamt ins Gespräch gehen müssen.“

Die Gruppe der Kreekfahrer ist geprägt von Zusammenhalt und Tradition. „Zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen gehört das Kreekfahren. Meine erste eigene bekam ich 1952 mit sechs Jahren. Mit zehn durfte ich mir bei Harmstorf am Falkensteiner Ufer selbst eine aussuchen – die Kreeken hatten den besten Ruf,“ erinnert sich der 79-Jährige. Danach ging es direkt zum Schlosser von Appen ins Treppenviertel, denn die Kufen fehlten noch. „Danach war kein Halten mehr, ab zum Rüschen auf Schinckels Wiese!“

Mit 16 Jahren begann Bielenberg seine erste eigene Kreek zu bauen. Alles Hand- und Maßarbeit. In Blankenese gab es damals drei Familien, die privat Kreeken bauten, eine davon war Familie Krumm. „Die haben abweichend von Familie Harmstorf Esche statt Eiche verwendet. Das habe ich übernommen.“ Als Familie Krumm Hamburg verließ, hinterließen die Krumm-Jungs Bielenberg ihre Kufen-Schablone. „Mit der Auflage, ich möge die Tradition aufrecht erhalten – das tue ich nun seit 65 Jahren.“

Handwerk, Technik und Verantwortung

Für Studium und Beruf verließen Harm Bielenberg und seine Familie Hamburg, aber sein Hobby nahm er mit. Die Nachbarn in Hessen und Bayern staunten nicht schlecht über diese besonderen Konstruktionen. Zur Rente zog es die Bielenbergs wieder nach Blankenese. Im Winter finden seine Kreeken dankbare Abnehmer. „Es ist aber kein Geschäft, es ist ein Hobby. Ich verdiene damit kein Geld, sondern decke lediglich meine Ausgaben“, betont der aktive Rentner. „Für mich ist meine Arbeit ein Beitrag zur Aufrechterhaltung der Tradition. Manche nennen sie sogar Kulturgut.“

Wenn Kinder in seine Werkstatt kommen, ist das ein besonders glücksbringendes Erlebnis, dazu trage er gern bei. Was für ihn als Kind begann, hat er über die Jahrzehnte perfektioniert. Dafür war er auch mit anderen Kreekbauern im Austausch, darunter sein verstorbener Freund Jens Eckhoff. Es tauchen immer wieder neue Namen von Kreekbauern auf, „das ist auch gut so, denn das ist Überlieferung. Wichtig ist, jeder baut die Kreeken, die ihm am Herzen liegen“.

Um seiner Passion nachkommen zu können, muss Harm Bielenberg ganz schön viel organisieren. Das Holz kommt aus der Lüneburger Heide und wird nach seinen Schablonen und einem kritischen Blick zugeschnitten. Zurück in Blankenese baut er die Kreek Stück für Stück zusammen. Es folgen drei Schichten Bootslack. Für die Kufen verwendet er Halbrundstahl aus einem Stahlwerk in Regensburg.

Zu der einzigartigen Kufenform hat den studierten Ingenieur die sogenannte Klothoide – ähnlich dem Übergangsbogen in Schnellfahrweichen der Bahn – inspiriert. Diese macht die Kreek besonders schnell.

Aus seiner langen Praxis im Kreekfahren und -bauen hat er drei Design-Kriterien extrahiert: Design, Langlebigkeit und beste Laufeigenschaften. Er hat mehr als 50 Modelle in seinem Leben gebaut und denkt noch lange nicht ans Aufhören. „Ich wünsche mir, dass dieses Blankeneser Kulturerbe am Leben erhalten wird.“ So hat er eine Broschüre erstellt, inklusive Bauanleitung, denn Nachahmen ist ausdrücklich erwünscht.

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