Herr Hoffmann, welche Art von Fahrrädern oder E-Bikes fahren denn die Menschen in den Elbvororten am liebsten und wird besonders gern gekauft?
Im Prinzip ist das sehr vielfältig. Unsere Kundschaft kommt nicht nur direkt aus den Elbvororten, das Einzugsgebiet ist deutlich größer. Beliebt sind vor allem klassische E-Bikes – also komfortorientierte Modelle für den Alltag. Aber auch sportlichere Varianten wie E-Mountainbikes sind gefragt. Die werden zwar oft fürs Gelände entwickelt, machen aber auch auf normalen Wegen Spaß.
Also eine große Bandbreite?
Genau. Wir sehen alles – vom Trekkingrad bis hin zu Lastenrädern, die meist von Familien genutzt werden, aber auch im gewerblichen Bereich, zum Beispiel im Handwerk oder Einzelhandel. Manchmal werden auch Hunde transportiert. Lastenräder sind sehr flexibel. Daneben spielen auch Speziallösungen eine Rolle, wie Dreiräder für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. So können sie weiterhin mobil bleiben und aktiv am öffentlichen Leben teilnehmen. Unser Portfolio deckt die gesamte Palette ab – bis hin zu individuell konfigurierten Rädern.
E-Bikes, S-Pedelec, Lastenrad … Wo liegen die Unterschiede und wer darf wo fahren?
Welche Arten von E-Bikes gibt es eigentlich?
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Kategorien: die normalen E-Bikes – also Pedelecs – mit Unterstützung bis 25 km/h. Und dann gibt es die sogenannten S-Pedelecs, eine kleine Nische. Die unterstützen bis 45 km/h, erfordern aber einen Führerschein, ein Versicherungskennzeichen, eine Helmpflicht und dürfen nur auf der Straße gefahren werden. Normale E-Bikes haben keine Helmpflicht, wobei wir das natürlich empfehlen.
Und innerhalb der Pedelecs?
Da gibt’s sehr viele Unterarten: Die City- und Komforträder machen den größten Anteil aus. Sie sind eher gemütlich und auch für längere Touren geeignet. Ein immer stärker nachgefragter Bereich sind sportliche Räder, wie E-Rennräder, E-Gravel-Bikes und E-Mountainbikes. Trekkingräder gibt es natürlich auch: Sie sind eine gute, etwas sportlichere Alternative zum City-Rad, die besonders gut für Pendelstrecken oder Radreisen geeignet ist.
SUV-Bikes kennen wohl bislang die wenigsten. Das könnte sich aber ändern: Es sind E-Fahrräder in Mountainbike-Optik, aber mit alltagstauglicher Ausstattung wie Schutzblechen, Licht und Gepäckträger. Zuletzt gibt es noch Kompakt- und Falträder, die man öfter bei den Pendlern in der S-Bahn sieht. So wie ihr Gegenstück ohne Motor sind sie leicht verstaubar, perfekt für Camping, Auto oder Bahn.

Spezialräder: Der Weg zu mehr Teilhabe
Wie sieht es bei den Lastenrädern aus?
Da unterscheiden wir zwischen einspurigen Modellen – meist mit einer Box vorne für Kinder oder Einkäufe – und mehrspurigen Rädern, die stabiler stehen und mehr Platz bieten. Es gibt auch Varianten, bei denen Kinder hinten sitzen, mit dem Handling eines normalen E-Bikes. Manche Modelle erlauben sogar das Ziehen eines zusätzlichen Fahrrads. Auch Hunde werden gerne mitgenommen.
Und die erwähnten Spezialräder?
Das sind zum Beispiel Dreiräder oder vierrädrige Modelle für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Auch Tandems mit nebeneinandersitzenden Personen – etwa für Blinde oder stark eingeschränkte Menschen – gibt es. Oder Rollstuhlräder, bei denen ein Rollstuhl vorne fixiert werden kann. Solche Räder sind eine Chance auf mehr Mobilität und Teilhabe für Menschen mit Handicap.
Der Markt wächst stark
Wie sieht der E-Bike-Markt in Zahlen aus?
Der Fahrradabsatz in Deutschland liegt konstant bei etwa 2 Mio. Stück pro Jahr. Der E-Bike-Anteil liegt mittlerweile bei 60 bis 70 Prozent – Tendenz steigend. Klassische Fahrräder werden also seltener gekauft. Interessant ist: Das Durchschnittsalter der E-Bike-Nutzer sinkt. Junge Leute entdecken sportliche E-Bikes für sich – etwa Gravel- oder Mountainbikes mit Motorunterstützung.
Was fördert diesen Trend?
Ein großer Faktor ist das Dienstrad-Leasing. Arbeitgeber bieten Mitarbeitenden die Möglichkeit, ein hochwertiges E-Bike günstig über die Firma zu leasen. Das spart beiden Seiten Geld – und macht E-Bikes für viele erschwinglicher.
Vorsicht beim Kauf
Worauf sollte man beim Kauf achten?
Das A und O ist eine gute Beratung. Viele Kundinnen und Kunden kommen mit einer bestimmten Vorstellung – und gehen am Ende mit einem ganz anderen, besser passenden Modell. Wir nehmen uns etwa 1,5 Stunden pro Beratung. Dabei klären wir, welche Anforderungen das Rad erfüllen muss, und lassen die Leute verschiedene Modelle Probe fahren. Onlinekäufe führen oft zu Problemen – da fehlt einfach die individuelle Anpassung.
Der Weg in den stationären Handel lohnt also.
Unbedingt. Wir erleben oft, dass Leute ein günstiges Online-Rad kaufen, aber dann merken: Das passt nicht, funktioniert nicht, ist beschädigt. Der Service fehlt. Und wir können das oft nicht reparieren, weil Ersatzteile oder Garantie fehlen. Deshalb: besser von Anfang an in Qualität und Beratung investieren.
Akkus sind begehrtes Diebesgut
Wie sieht es mit Sicherheit aus – gerade beim Akku?
Moderne Akkus sind sicher, solange sie nicht beschädigt sind. Wenn ein Akku etwa aus großer Höhe fällt und innen beschädigt wird, kann Brandgefahr entstehen. Wir hatten damit bisher aber keine Probleme. Wichtig ist, auf Qualität und sachgerechte Handhabung zu achten.
Fahrradakkus sind auch begehrte Diebesbeute …
Ja, das ist leider ein großes Problem – gerade in Hamburg. Akkus und ganze E-Bikes werden regelmäßig gestohlen. Es gibt sogar Berichte, dass Akkus als Zahlungsmittel im Drogenhandel verwendet werden. Da sollte man unbedingt in gute Schlösser und sichere Abstellmöglichkeiten investieren.
„ Jeder muss sich fragen, ob er oder sie überhaupt in der Lage ist, am Verkehr teilzunehmen.“
Wie ist das mit der Geschwindigkeit – viele Autofahrer fühlen sich durch E-Bikes gestört und umgekehrt?
E-Bikes (abgesehen von den S-Pedelecs) fahren bis zu 25 km/h mit Motorunterstützung – darüber hinaus nur mit Muskelkraft. Aber durch die Unterstützung ist es viel leichter, konstant schnell zu fahren, auch bergauf oder bei Gegenwind. Auf Radwegen oder in Parks, wo Fußgänger unterwegs sind, kann das zu Konflikten führen – vor allem, wenn das Tempo nicht gut eingeschätzt wird.
Wie beim Auto oder beim Bio-Bike müssen auch die Fahrer eines E-Bikes auf die richtige Handhabung achten. Dazu gehört die Frage, ob man gesundheitlich in der Lage ist, sicher zu fahren, ob der Weg frei ist und welche Geschwindigkeit angemessen wäre. Diese Fragen sollten sich alle Verkehrsteilnehmer stellen und beantworten können.
Die Wege sind dem Trend nicht gewachsen
Zum Schluss noch eine Frage zu den Wegen. Sind diese für den Trend zu Lasten- und E-Bikes ausgelegt oder haben wir hier ein Problem?
Wir haben hier sicher ein Problem: Wenn Familien das Auto durch ein Lastenrad ersetzen und damit unterwegs sind, brauchen sie sichere Wege. Leider fehlt vielerorts die nötige Infrastruktur – breite Radwege, klare Trennung vom Autoverkehr. Vorreiter wie Amsterdam oder Kopenhagen zeigen, wie es geht. Da müssen wir auch in Deutschland endlich konsequent investieren.
Herr Hoffmann, vielen Dank für das Gespräch!
Zur Person
Ralf Hoffmann ist Inhaber und Geschäftsführer des e-motion e-Bike Premium-Shop Blankenese. Seine Kunden berät er eingehend dazu, was ein E-Bike kann, aber auch dazu, was es an Reaktionsvermögen und Umsicht abverlangt. Letztlich, so Hoffmann, sei das aber ein Punkt, der alle Verkehrsteilnehmenden betrifft. Der E-Bike-Experte ist außerdem davon überzeugt, dass E-Bikes helfen können, Menschen mit Handicap mehr Teilhabe zu ermöglichen.