Das Paket enthielt eine Lederjacke, die ich in England bestellt hatte und mit Vorfreude erwartete. DPD gab den Liefertermin bekannt, an dem ich prompt nicht zu Hause war. Egal. Irgendein Nachbar würde das Paket schon annehmen.
Wenig später stand unter der Sendungsverfolgung die Erfolgsmeldung. Zugestellt an „Ma Pantofar“.
Der Name war mir unbekannt und klang verdächtig nach einem Fantasiebegriff, den sich die Zustellerin ausgedacht hatte, nachdem sie irgendeinen realen Namen nicht verstanden hatte.
Also Klingeln bei allen Nachbarn in unserem Haus, dann in den benachbarten Gebäuden. Nichts. Aushang im Flur:
Please, please, please …!
Nach drei Tagen gab ich bei DPD und dem Absender eine Verlustmeldung ab. Großes Theater mit Formularen und Bestätigungen. „Ma Pantofar“ hatte mit Schwung, aber völlig unleserlich unterschrieben. Schließlich erstattete der Versender den Kaufpreis und ich vergaß die Angelegenheit.
Nach vier Tagen aber wollte meine Liebste ausgehen und sich dazu ein paar Stiefel aus dem winzigen Schuhschrank im Hausflur holen.
Wer ist hier der Trottel?
Sie ahnen es. Die Zustellerin hatte das flexible Paket auf die Größe einer handelsüblichen Milchpackung komprimiert und zwischen Stiefelschäfte gequetscht.
Eine ganze Woche später stand dann besagte Zustellerin vor der Tür: Rote Dienstkleidung, blonde Haare, braune Augen, besorgt. Sie hatte ein Dokument dabei und bat mich zu unterschreiben. „Sonst muss ich den Wert des Pakets selbst bezahlen.“
Ich unterschrieb und wollte wissen, wie zur Hölle sie auf diesen Namen gekommen sei.
„Ich im Stress und dann vergesse manchmal Deutsch und schreibe auf Rumänisch.“
In meinem Kopf machte es leise pling. „Ma pantofar heißt im Schuhschrank!?“
„So ungefähr“, sagte sie und grinste.
Wir könnten nun lange spekulieren, wer hier der Trottel ist; wir könnten verpflichtende Deutschkurse für Paketzusteller fordern, was aber angesichts der Personallage nicht realistisch ist. Meine These geht daher in eine andere Richtung:
Die Paketzustellung in deutschen Großstädten wird erst dann wieder zufriedenstellend verlaufen, wenn die Privatisierung der Zustellung rückabgewickelt wird.
Wir erinnern uns an den alten Postboten (Beamter oder öffentlicher Dienst), der seine Runde manchmal über Jahrzehnte betreute und alle Kinder mit Namen kannte. Der hätte auch gewusst, dass der Holzhäuser kein Rumänisch kann und im August der Schuhschrank nur in absoluten Ausnahmefällen geöffnet wird.
Um ihn vernünftig zu bezahlen, müsste das Porto steigen. Wir könnten uns das aktuelle iPhone also erst 30 Minuten später als geplant kaufen und den Drittwagen zwei Wochen später, aber Opfer müssen halt erbracht werden, oder?