Der Umzug ist vollzogen: Drei Damwild-Hirsche aus dem Hirschpark sind am Donnerstagmorgen in das Wildgehege Klövensteen gebracht worden. Nach Angaben des Bezirksamts Altona verlief der Transport ohne Komplikationen. Die Tiere kamen wohlbehalten in ihrer neuen Umgebung an und werden derzeit noch von Tierpflegerinnen und Tierpflegern sowie einem Tierarzt betreut, bis sie sich vollständig von der Narkose erholt haben.
Künftig steht dem Damwild im Klövensteen eine rund sechs Hektar große Rotwildanlage zur Verfügung. Für den Transport wurde den Hirschen vorschriftsmäßig das Geweih abgenommen, um Verletzungen zu vermeiden. Bis es nachgewachsen ist, bleiben sie beim Rotwild untergebracht. Anschließend sollen sie in die bestehende Damwild-Gruppe integriert werden.
Hintergrund: Warum das Damwild den Hirschpark verlassen musste
Die Umsiedlung des Damwilds ist die Konsequenz aus einer länger andauernden Debatte. Das Bezirksamt Altona hatte entschieden, das Damwildgatter im Hirschpark dauerhaft zu schließen. Als Begründung nannten die Verantwortlichen tierschutzrechtlichen Bedenken. Trotz baulicher Anpassungen in den vergangenen Jahren sei eine artgerechte Haltung am stark frequentierten Standort nicht mehr möglich gewesen.
Insbesondere während der Brunftzeit war es zu schweren Kämpfen unter den ausschließlich männlichen Tieren gekommen. Zwei Hirsche starben infolge dieser Auseinandersetzungen. Zudem hätten Lärm, fehlende Schließzeiten des Parks und wiederholte Störungen – etwa durch unangeleinte Hunde – die Situation zusätzlich verschärft.
Im Wildgehege Klövensteen verspricht sich das Bezirksamt nun eine stabilere Sozialstruktur und ruhigere Abläufe innerhalb einer größeren Herde.
Damwild sorgt weiter für politischen Streit

Politisch bleibt das Thema Damwild hoch umstritten. Anträge der FDP-Fraktion sowie mehrerer Bürgervereine auf Erhalt und konzeptionelle Weiterentwicklung des Geheges im Hirschpark wurden im Ausschuss für Grün, Naturschutz und Sport mehrheitlich abgelehnt. Das Bezirksamt hält an seinem Beschluss fest.
Zustimmung kommt von den Grünen. „Tierschutz ist nicht verhandelbar“, erklärte Fraktionsvorsitzende Dana Vornhagen und stellte klar, dass Tradition und Attraktivität des Parks nicht über dem Tierwohl stehen dürften.
Kritik äußern hingegen FDP und Linke. Sie sprechen von einem „politisch gewollten Aus“ für das traditionsreiche Damwildgehege. FDP-Fraktionsvorsitzende Katarina Blume bemängelt unter anderem die späte Einbindung der Politik sowie die Aussage der Amtsveterinärin, das Gehege sei über Jahre hinweg nicht genehmigungsfähig gewesen. Die FDP hat Akteneinsicht beantragt und prüft rechtliche Schritte.
Am 21. Februar sammelte die FDP auf dem Blankeneser Marktplatz Unterschriften für den Erhalt des Damwildgeheges. „Der Andrang an unserem Infostand zur Rettung des Damwildgeheges war enorm. In nur zwei Stunden haben wir über 250 Unterschriften gesammelt. Das zeigt deutlich, wie groß der Rückhalt für den Erhalt des Geheges ist“, sagte Blume.
Auch die Bürgervereine Blankenese und Nienstedten sowie der Verein der Freunde des Hirschparks Blankenese und des Wildgeheges Klövensteen fordern weiterhin eine artgerechte Damwild-Haltung am bisherigen Standort. Als zentrales Problem sehen sie die frühere reine Haltung männlicher Tiere, die Brunftkämpfe begünstigt habe.
Wie geht es weiter?
Eine Rückkehr des Damwilds in den Hirschpark schließt das Bezirksamt derzeit aus. Wie das bisherige Gattergelände künftig genutzt wird, ist noch offen. Eine Bürgerbeteiligung ist geplant. Die Grünen Fraktion Altona hat einen ersten Vorschlag präsentiert: den beliebten Spielplatz vergrößern und mit einem hölzernen Riesenhirsch zum Klettern, mit modernen Wippen und Schaukeln, mit Hüpfmatten und Buddelsand einladend umgestalten.
Die Diskussion um das Damwild im Hamburger Westen dürfte damit noch nicht beendet sein – auch weil eine Petition inzwischen an die Hamburgische Bürgerschaft gerichtet wurde.
Fest steht: Die Hirsche sind nun im Klövensteen – doch das Thema Damwild bewegt weiterhin viele Menschen zwischen Blankenese, Nienstedten und Rissen.