Das Damwildgatter im Hirschpark in Nienstedten muss mit sofortiger Wirkung schließen. Nach wiederholten tierschutzrelevanten Vorfällen hat das Bezirksamt Altona entschieden, die verbliebenen Tiere aus dem Hirschpark in das Wildgehege Klövensteen zu verlegen. Dort sollen sie künftig unter besseren Bedingungen leben.
Auslöser der Entscheidung waren erneut eskalierende Brunftkämpfe unter den männlichen Damhirschen im vergangenen Spätherbst. Zwar gehören Auseinandersetzungen während der Brunft zum natürlichen Verhalten der Tiere, im Hirschpark nahmen Intensität und Häufigkeit jedoch ein Ausmaß an, das eine erhebliche Gefährdung darstellte. Infolge der Kämpfe kam ein Tier ums Leben, ein weiteres musste aufgrund schwerer Verletzungen eingeschläfert werden.
Gehege im Hirschpark nicht artgerecht
Die Probleme im Hirschpark reichen jedoch über die Brunftzeit hinaus. Der Park ist stark frequentiert, auch in den Abend- und Nachtstunden. Dauerhafte Störungen durch Besucherinnen und Besucher, Lärm sowie immer wieder freilaufende Hunde setzten das Damwild unter erheblichen Stress. Zudem fehlten im Hirschpark ausreichende Rückzugsräume. Diese benötigen die Tiere jedoch auf Grund ihres natürlichen Flucht- und Ruhebedürfnis.
Bereits in den Jahren 2023 und 2024 hatte das Bezirksamt versucht, mit baulichen Maßnahmen und Anpassungen im Damwildgatter im Hirschpark gegenzusteuern. Diese erwiesen sich jedoch als nicht ausreichend. Nach erneuter fachlicher Bewertung durch Forstabteilung und Veterinärwesen kam man zu dem Schluss, dass eine artgerechte Haltung am Standort Hirschpark dauerhaft nicht möglich ist.
Umzug in den Klövensteen
„Das Wohl der Tiere und der Tierschutz stehen für uns an oberster Stelle – auch wenn dies bedeutet, langjährige Traditionen zu hinterfragen. Wir haben nach den aktuellen Entwicklungen konsequent gehandelt, um den Damhirschen eine artgerechte und sichere Umgebung zu ermöglichen“, begründet Bezirksamtsleiter Dr. Sebastian Kloth die Entscheidung. „Mit der Unterbringung im Wildgehege Klövensteen schaffen wir eine nachhaltige und tierschutzgerechte Lösung, die den Bedürfnissen der Tiere langfristig gerecht wird.“
Im Wildgehege Klövensteen in Rissen leben die Damhirsche künftig in einer größeren Herde mit Weibchen auf einer weitläufigen Anlage. Das natürliche Sozialgefüge sorgt dort für deutlich ruhigere Abläufe und reduziert aggressive Brunftkämpfe erheblich.
Kritik an Entscheidung
Kritik an der Schließung des Damwildgatters im Hirschpark kommt aus der Bezirkspolitik. Die FDP-Fraktion Altona wirft dem Bezirksamt vor, Politik und Öffentlichkeit nicht ausreichend in den Entscheidungsprozess eingebunden zu haben. Bereits eine Woche vor Veröffentlichung der Pressemitteilung sei eine politische Anfrage zur Zukunft des Damwildgeheges im Hirschpark gestellt worden. Diese blieb jedoch bislang unbeantwortet.
FDP-Fraktionsvorsitzende Katarina Blume kritisiert zudem eine inhaltliche Kehrtwende des Bezirksamts. Noch vor Kurzem hätten die Verantwortlichen die Rückkehr der Damhirsche in den Hirschpark öffentlich begrüßt. Nun werde trotz erheblicher Investitionen in den Vorjahren eine artgerechte Haltung als nicht mehr möglich dargestellt. „Niemand stellt den Tierschutz infrage“, so Blume. Das Argument sei jedoch nicht überzeugend, da „gleichzeitig andere, stärker frequentierte Wildgehege weiterbetrieben werden“. Das Damwildgehege sei ein kostenfreier, generationenübergreifender Erlebnisort und ein fester Bestandteil der Identität Blankeneses. Die FDP kündigte an, einen Antrag zum Erhalt des Geheges und zur Prüfung alternativer Lösungen einzubringen.
Wie das bisherige Gattergelände im Hirschpark künftig genutzt wird, ist noch unklar. Bezirkspolitik und die zuständigen Fachbehörden werden sich beraten.