18. Mai 2026
Wirtschaft

Handelskammer-Präses über Olympia: „Kein Strohfeuer, sondern langfristige Entwicklung“

Im fünften Teil unserer Serie zur Olympiabewerbung spricht Prof. Norbert Aust, Präses der Handelskammer Hamburg, über die wirtschaftlichen Chancen möglicher Olympischer und Paralympischer Spiele. Im Fokus stehen Investitionen, Infrastruktur, internationale Sichtbarkeit – aber auch Risiken wie Kostenentwicklung und Fachkräftemangel.

Statement der Handelskammer zu Olympia

Die Handelskammer Hamburg sieht in Olympischen und Paralympischen Spielen große Chancen für Wirtschaft, Infrastruktur und internationale Sichtbarkeit der Stadt. //iStockphoto/Diegograndi

Welche wirtschaftlichen Chancen sehen Sie für Hamburger Unternehmen durch Olympia – sowohl während der Veranstaltung als auch langfristig?

Olympische und Paralympische Spiele können ein echter Katalysator für Hamburg und den ganzen Norden sein. Sie bündeln Investitionen in Zukunftsfelder wie Infrastruktur, Innovation, Barrierefreiheit und internationale Sichtbarkeit. Davon profitieren Unternehmen sowohl kurzfristig durch direkte Aufträge im Zuge der Austragung als auch langfristig.

Mit unserer Standortstrategie „Hamburg 2040: Wie wollen wir künftig leben – und wovon?!“ erarbeiten wir seit Jahren strategische Leitlinien für die Zukunft unseres Standorts – und es gibt kaum ein Handlungsfeld in dieser Strategie, das nicht durch die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele einen deutlichen Schub bekommen würde.

Olympia als Chance für den Standort Hamburg

Wir gehen davon aus, dass Spiele im Zeitraum 2036 bis 2044 nach Europa gehen und Deutschland sich bewerben wird. München steht auf jeden Fall bereit. Mit einem Nein vergibt Hamburg die klare Chance auf Fördermittel des Bundes und darauf, auf Jahre hinaus das Bild von Deutschland in der Welt zu prägen.

Aus wirtschaftlicher Sicht sind Olympische und Paralympische Spiele weder ein Strohfeuer noch ein Selbstzweck – sie sind langfristiger Prozess der Weiterentwicklung unseres gesamten Standorts. Die Chancen beginnen lange vor der Eröffnungsfeier und reichen weit über die Spiele hinaus.

Internationale Sichtbarkeit durch Olympia

Prof. Norbert Aust, Präses der Handelskammer
Prof. Norbert Aust, Präses der Handelskammer // Foto: Mike Schaefer / HK Hamburg

Ein gutes Beispiel ist auch die internationale Sichtbarkeit Hamburgs. Den Effekt, den die Spiele auf die Wahrnehmung Hamburgs in der Welt haben, kann kein Stadtmarketing alleine auch nur ansatzweise erreichen.

In welchen Branchen erwarten Sie die größten Impulse?

Impulse erwarten wir über viele Branchen hinweg – vom Bau über Tourismus und Gastronomie bis hin zu Dienstleistungen, IT, Event und nachhaltigen Technologien.

Insbesondere aber dadurch, dass Hamburg durch die Spiele in der Welt als lebenswerte und attraktive Metropole wahrgenommen wird, wird der Standort insgesamt profitieren: Durch die gestiegene Anziehungskraft für Fachkräfte, Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und viele weitere.

Wichtig ist: Auch bei den direkten Effekten geht es niemals nur um den Gewinn einzelner Großunternehmen. Die Erfahrungen und Studien zeigen, dass gerade mittelständische und lokal verankerte Betriebe profitieren, wenn Ausschreibungen, Vergaben und Prozesse entsprechend gestaltet werden.

Booster für die Infrastruktur

Olympia wird oft als Motor für Investitionen in Infrastruktur beschrieben. Welche konkreten Effekte könnten Hamburger Unternehmen davon haben?

Olympia kann notwendige Infrastrukturprojekte beschleunigen, die wir ohnehin mehr als dringend brauchen. Projekte, die seit Jahren diskutiert werden, bekommen plötzlich ein verbindliches Datum, bis wann alles fertig sein muss.

Ein gutes Beispiel dafür ist die dringende Modernisierung unseres Hauptbahnhofs. Für Unternehmen bedeutet das bessere Rahmenbedingungen – etwa beim Verkehr, dem ÖPNV, modernisierten Sport- und Veranstaltungsstätten und Investitionen in Innovationsstandorte wie die Science City – also Flächenentwicklung.

Aber auch der Sport profitiert extrem. Nicht nur durch modernisierte Austragungsstätten, sondern vor allem durch über 100 ertüchtigte Trainingsstätten für die Athletinnen und Athleten. Dies kommt dem Vereins- und Breitensport direkt zugute.

Wo sehen Sie aus Sicht der Wirtschaft auch Risiken oder kritische Punkte – etwa bei Kostenentwicklung, Planungssicherheit oder Fachkräftemangel?

Wichtig ist, Risiken anzusprechen, wenn man glaubwürdig bleiben will – insbesondere bei Kostenentwicklung und Planungssicherheit. Entscheidend ist eine solide, transparente Kalkulation und eine nachhaltige Planung.

Risiken bleiben Teil der Debatte

Podcast der Handelskammer zu Olympia
Im Olympia-Special des Podcasts der Handelskammer, unter anderem mit Edina Müller, gibt es weitere Infos und Stimmen. // Foto: Isadora Tast / HK Hamburg

Hier kann Hamburg durch kurze Wege und Ideen wie ein Olympisches Dorf, aus dem hinterher öffentlich geförderte Wohnungen in Bahrenfeld werden, punkten. Ein weiteres Risiko ist der Fachkräftemangel. Großprojekte erhöhen kurzfristig die Nachfrage.

Unter welchen Bedingungen würde die Handelskammer eine Olympiabewerbung klar unterstützen – und welche Faktoren wären entscheidend für eine positive Gesamtbilanz? Wie nehmen Sie die Stimmung in den Hamburger Unternehmen wahr?

Wir unterstützen ausdrücklich eine Bewerbung als Chance für Norddeutschland, die an klaren Leitplanken orientiert ist. Dazu gehören eine belastbare Kosten-Nutzen-Analyse, ein klares Bekenntnis von Bund und Land zur Finanzierung, ein hohes Maß an Nachnutzung, ein detailliertes und belastbares Nachhaltigkeitskonzept sowie ein erkennbarer Mehrwert für den Wirtschaftsstandort. Stand heute ist dies vorbildlich umgesetzt.

Damit setzen wir auch die Stimmung und den Wunsch aus der Hamburger Wirtschaft um. Aber: Unternehmen wünschen sich keine Hochglanzvisionen, sondern Klarheit, Verlässlichkeit und Einbindung. Genau deshalb ist dieser Dialog so wichtig.

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