Im Mittelpunkt beim Nordseegipfel standen Fragen der europäischen Energieunabhängigkeit, des Klimaschutzes und der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit. Neben politischen Akteuren meldeten sich auch Umweltverbände zu Wort und mahnten an, den Ausbau naturverträglich zu gestalten.
Die SPD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft sieht im Ausbau erneuerbarer Energien einen zentralen Schlüssel für eine sichere Energieversorgung und wirksamen Klimaschutz. Besonders die Nordsee komme dabei eine entscheidende Rolle zu, da sie enormes Potenzial für eine gemeinsame europäische Energieinfrastruktur biete. SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Kienscherf betonte, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine die Risiken fossiler Energieabhängigkeiten deutlich gemacht habe. Offshore-Windenergie sei daher ein zentrales Vorhaben, um Europas wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und bezahlbare Energiepreise für Wirtschaft und Privathaushalte zu ermöglichen.
Besondere Bedeutung für Hamburg
Für Hamburg habe das Thema eine besondere Bedeutung: Die Stadt gilt als Deutschlands Windenergiehauptstadt, ist Standort zahlreicher Unternehmen der Branche und Gastgeber der weltweit größten Fachmesse für Windenergie. Diese Position weiter auszubauen, sei nicht nur klimapolitisch sinnvoll, sondern auch eine große wirtschaftliche Chance für Hamburg, Deutschland und Europa. Gleichzeitig weist der NABU Hamburg darauf hin, dass der Offshore-Ausbau nicht allein unter energetischen Gesichtspunkten betrachtet werden dürfe. Der Verband begrüßt zwar den ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien, fordert jedoch, Klimaschutz und Meeresschutz deutlich stärker zusammenzudenken. Die Nordsee sei bereits heute durch Schifffahrt, Fischerei, Rohstoffabbau, Offshore-Windenergie und militärische Nutzung stark belastet. Zu große zusätzliche Eingriffe könnten die Biodiversität gefährden und die Funktion des Meeres als wichtiger CO₂-Speicher beeinträchtigen.
Der Vorsitzende des NABU Hamburg, Malte Siegert, kritisierte einen aus seiner Sicht zu einseitigen Fokus beim Nordseegipfel auf den schnellen Ausbau. Die Überlastung der Nordsee müsse reduziert und die unterschiedlichen Nutzungsansprüche mit Natur- und Klimaschutz in Einklang gebracht werden. Zudem warf er Deutschland vor, rechtliche Verpflichtungen aus EU-Richtlinien wie der FFH-, Vogelschutz- und Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie immer wieder zu vernachlässigen.
Nach Einschätzung des NABU ist bei politischen Entscheidungsträgern noch nicht ausreichend angekommen, dass Klimaschutz und der Schutz der Biodiversität zentrale Voraussetzungen für wirtschaftliche Stabilität sind. Der Global Risk Report 2025 des Weltwirtschaftsforums stuft beide Faktoren als größte globale Wirtschaftsrisiken der kommenden Jahre ein. Vor diesem Hintergrund fordert der NABU eine nachhaltige Meeresraumplanung sowie den konsequenten Schutz und die Wiederherstellung ökologisch wertvoller Meeresgebiete. Anstatt Umweltstandards und Beteiligungsrechte im Zuge von Planungsbeschleunigungen abzubauen, müsse der Meeresnaturschutz bei Planung, Bau, Betrieb und Netzanbindung von Offshore-Windparks höchste Priorität haben.
Der Nordseegipfel in Hamburg macht damit deutlich: Der Ausbau der Offshore-Windenergie ist ein zentraler Baustein für Europas Energiezukunft. Gleichzeitig zeigt die Debatte, dass eine erfolgreiche Energiewende nur gelingen kann, wenn sie konsequent mit dem Schutz der sensiblen Meeresökosysteme verbunden wird.