11. August 2023
Interviews

„Tanz der Vampire“ kehrt mit neuem Graf von Krolock zurück

Ab dem 12. November ist das Kultmusical „Tanz der Vampire“ auf der Reeperbahn zu sehen. In die Rolle des charismatischen Vampirgrafen schlüpft der Brite Rob Fowler. Warum er sich auf die Rolle besonders freut, verrät er im Interview.

Rob Fowler, der neue Graf von Krolock im Musical Tanz der Vampire

Der britische Musical-Star Rob Fowler wird die ikonische Rolle des Grafen von Krolock im Musical „Tanz der Vampire“ zum ersten Mal verkörpern. // Foto: Stage Entertainment/Morris MacMatzen

Wie und wann hast du erfahren, dass du der neue Graf von Krolock wirst?

Ich glaube, ich habe im April oder Mai vorgesungen, vorgesprochen, vorgespielt. Dann war es viel hin und her, aber ich habe schon seit der ersten Audition gewusst, dass ich die Rolle will.

 

Was begeistert Dich am „Tanz der Vampire“?

Ich kenne das Stück schon Jahre und ich liebe Jim Steinman, den Komponisten. Ich habe gerade in London ein anderes Stück von Steinman gespielt, „Bat out of Hell“. Und da haben wir ein Lied von „Tanz der Vampire“ drinnen, nur in einer anderen Version. Das Musical kenne ich seit 2000 ungefähr, über 20 Jahre. Und ich hab immer gesagt: „Boah, wenn ich da mitspielen darf, dann Krolock.“

Oder Chagal, der ist auch cool, der ist lustig. Ich habe mich so gefreut, als mein Agent mich angerufen hat und gesagt hat „Hey, du hast die Rolle bekommen!“

 

Was macht das Stück für dich aus?

Dass es nicht nur um diese Vampir-Geschichte geht, sondern um die Gier nach Leben. Dass man nie satt ist. Man kann der reichste Mensch der Welt sein, aber man versucht immer, was Neues zu bekommen. Und das ist in der heutigen Zeit sehr relevant, finde ich. Heute leben wir in so einer, wie sagt man, Wegschmeiß-Gesellschaft? Als ich vor 30 Jahren 20 Jahre alt war, haben wir Dinge repariert, wenn sie kaputt gegangen sind.  Heute: Iphone kaputt, wumm, weg. Versicherung zahlt. Man will immer das Neueste, das Beste.

Und Krolock ist zum Beispiel ein Mensch, der immer was Neues will. Aber er sucht immer das gleiche Neue: Liebe. Weil, wenn er Liebe findet, bringt er die Leute um oder sie sterben so. Es ist schwierig, unsterblich zu sein, denn du bist immer irgendwie allein.

 

Möchtest du auch immer was Neues?

Jetzt, als Vater von drei Kindern, brauche ich nicht mehr. Ich hab alles, was ich brauche, und mein Herz ist voll. Ich brauche Gesundheit und genug Geld, dass ich davon leben kann. Aber ich brauche nicht mehr, als ich jetzt habe.

 

Worin liegt die Schwierigkeit, sich in einen Vampir, einen Unsterblichen reinzuversetzen?

Es wäre schön, ein Mensch zu sein, der jedes Buch gelesen hat oder jede Emotion gefühlt hat. Gleichzeitig wäre es schwer, dass man keine Empathie mehr hat, weil man vielleicht schon so viele Freunde verloren, aber so viel erlebt hat.

Was gibt es dann noch außer diesem Verlangen nach mehr? Ich will diese Menschlichkeit, was ich in meinem Leben erlebt habe, in diese Rolle mitbringen. Dass Krolock als guter Zuhörer rüberkommt, weil er schon alles in sein Leben gesagt hat. Er hört zu und beobachtet. Wenn wer etwas von ihm will und wenn jemand ihn ruft, dann geht er auf denjenigen zu, sonst hat er alles schon erlebt. Ich will ein bisschen von meiner Erfahrung und meiner Lebensweisheit mitbringen in die Rolle.

 

Was sind Unterschiede zu bisherigen Produktionen, an denen du beteiligt warst?

Ich habe Glück gehabt, dass ich immer viele unterschiedliche Rollen gespielt habe. Die letzte war sehr rockig, und ich freue mich sehr auf „Tanz der Vampire“, weil es nicht nur rockig, sondern eher eine Rockoper ist. Ich weiß genau, weil ich das Glück gehabt hab, Jim Steinman persönlich kennenzulernen, kurz bevor er gestorben ist, dass er ein Riesenfan von Wagner war, und man hört das sehr. Das ist der Unterschied zum letzten Stück, was ich gespielt habe.

Ich war mal im Zuschauerraum bei „Tanz der Vampire“. Da habe ich gemerkt, dass die Leute diese mysteriöse, dunkle Seite vom Musical lieben. Dass das Erschreckende den Leuten gefällt, dass es Sehnsüchte weckt. Es ist ein sehr immersives Musical, weil die Leute durchs Publikum gehen, und dann denkt man für einen Augenblick, „Ich bin in dieser Stadt, wo die Vampire leben“ und du kannst deine eigenen Sorgen für drei Stunden vergessen. Das finde ich sehr cool bei diesem Stück.

 

Hast du schon in Hamburg gespielt?

Kurz mit der Rocky Horror Show, wir waren zwei Wochen hier. Aber da war ich meistens im Theater, am Proben und so. Jetzt freue ich mich, Hamburg wirklich kennenzulernen, jetzt ziehe ich hier wirklich hin.

Und was ist das für ein cooler Platz für das Stück? Das Thema ist „Ich lade dich ein zum Mitternachtsball“ und in Hamburg auf der Reeperbahn fängt alles an um Mitternacht!

 

Wann geht es los mit den Proben, und was passiert jetzt noch alles, bis das Musical das erste Mal auf der Bühne steht?

Für mich fangen die Proben Anfang Oktober an. Jetzt mache ich erstmal Phonetik-Stunden für den Gesang. Im November haben wir dann Premiere, am 12. November.

„Tanz der Vampire“ – eine internationale Erfolgsgeschichte

Das Kultmusical basiert auf dem gleichnamigen, weltbekannten Film von Regisseur Roman Polanski. Das Buch und die Liedtexte verfasste der vielfach ausgezeichnete Autor Michael Kunze, die Musik schrieb kein Geringerer als Jim Steinman. Schon bald nach der Weltpremiere in Wien wurde das Stück zum Riesenerfolg und sorgte für Begeisterung auf der ganzen Welt.

Seit der Uraufführung tanzten die Vampire vor den Augen von mehr als 10 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern rund 10.000 Mal über die Bühnen der Welt. Die Reise ins Transsilvanien des 19. Jahrhunderts hat alles, was es für einen perfekten Theaterabend braucht: eine schaurig-schöne Geschichte, die gleichzeitig gruselt, unterhält und amüsiert, eingängige Rockkompositionen, romantische Balladen, eine gute Portion Liebe und nicht zuletzt faszinierende Protagonistinnen und Protagonisten.

Am 12. November geht es im Operettenhaus in Hamburg wieder los. Tickets sind bereit im Vorverkauf.

 

Wieviel Arbeit steckt in der Rolle?

Schon einiges, auch viel Arbeit abseits der Proben und Aufführungen. Egal ob Vampir oder Batman oder Wolverine – man ist ein Superheld in der Rolle. Und für so eine Rolle muss man sich auch außerhalb des Theaters Zeit nehmen. Fitness und Diät, damit man auch aussieht wie ein Superheld. Man muss wirklich, wirklich fit sein. Man arbeitet nicht nur drei Stunden am Tag. In der Zeit, bevor man das Theater betritt, passiert die wichtigste Arbeit. Man hört nie auf zu lernen. Man kann sich immer verbessern und muss immer dranbleiben. Aber das ist eine schöne Sache.

 

Was waren Highlights in deiner bisherigen Karriere?

Es ist immer schön, was neu zu kreieren. Ich hatte das Vergnügen mit „Bat out of Hell“, mit den ersten Workshops, den ersten Proben, die erste Fassung mitzuentwickeln. Die Figur Falco habe ich gespielt. Da habe ich meine Frau kennengelernt, da habe ich Meat Loaf kennengelernt, da habe ich Jim Steinman kennengelernt, da habe ich mit Michael Reed eng zusammengearbeitet. Dass ich das erleben konnte, in the room where it happened, das ist schon was Wichtiges. Man denkt, wird das ein Hit, oder wird das ein Miss? Und wir haben bis zur ersten Preview nicht gewusst, ob das richtig groß wird. Ich glaube, 13 Millionen haben sie investiert in dieses Stück. Das war ein Highlight für mich.

Ein anderes Highlight war, als Richard O’Brien mich ausgewählt hat, Frank N Furter bei seiner Rocky Horror Show zu spielen. Ich habe viel Respekt vor Tim Curry und ich habe versucht, nah an seinen Gedanken zu sein.  Richard O’Brien hat mir damals gesagt: „Er hatte nur das Buch Rob, nur das Buch. Schau kein Video an, lies das Buch, du wirst den gleichen Weg finden.“ Das war eine coole Erfahrung.

Voice Germany war cool, es war eine andere Geschichte! Aber da waren tausende Leute und ich bin bis ins Halbfinale gekommen. Dadurch hab ich mein eigenes Lied geschrieben, für die Handball Champions League. Das hab ich vor 60.000 Leuten in der Lanxess Arena gespielt und viele bekannte Handballer kennengelernt. Das war ziemlich krass, eine andere Seite unserer verrückten Welt vom Showbiz.

Aber ich kann mich auch erinnern, als ich mein erstes Stück in Wien gespielt habe. Das war Elisabeth und während der Probezeit hab ich das erste Mal die CD von „Tanz der Vampire“ gehört, mit Steve Barton. Und deshalb bin ich so glücklich, dass ich jetzt, 20 Jahre später, auch diese Rolle spielen darf.

 

Als du die Lieder das erste Mal gehört hast, was dachtest du?

Ich hab noch kein Wort Deutsch verstanden. Aber ich hab mir gedacht, „Was ist das für eine Musik?“. Da ist irgendeine Magie drin, eine Wahrheit, viele Gefühle. Und das habe ich gespürt, ohne den Text zu kennen. Ich wollte es sofort sehen, aber das hab ich dann erst sieben Jahre später geschafft. Und ich dachte nur „Wow“. Ich war gefangen, ich liebe es.

Als ich gehört habe, dass neue Leute für das Stück gesucht werden, hab ich gehofft, dass ich die Rolle kriege. Ich bin sehr geehrt, dass ich die neue Version von Krolock sein darf. Und ich versuche, das auf die Bühne zu bringen, was ich damals erlebt habe im Zuschauerraum.

 

„Tanz der Vampire“ läuft schon seit 25 Jahren. Ist es ein unsterbliches Stück?

Ja, es ist fast schon unsterblich. Denn es kann jede Generation treffen. Junge Leute mögen vielleicht die Twilight Saga. The Lost Boys war ein riesiger Hit als ich ein Teenager war. Und jetzt kommen die ganzen neuen Retro-Fernsehprogramme mit Vampiren, Dunkelheit, Kuriositäten. Auch wenn es das Stück schon 25 Jahre alt ist, wir nehmen die Zuschauerinnen und Zuschauer mit in unsere immersive Welt. Ewiges Leben ist zeitlos.

 

Aber ist es nicht schwierig, alle Generationen anzusprechen? Von Graf Dracula bis Hotel Transsilvanien und Twilight? Das sind alles sehr unterschiedliche Bilder von Vampiren.

Die Leute lieben es, einmal in dieser Welt zu sein. Ich glaube, viele wollen glauben, dass so etwas existiert. Und wenn es nur in der Fantasie existiert. Fantasie hält den Mythos der Vampire am Leben.

Der Alltag ist ja manchmal anstrengend, dann denkt man sich „Wenn ich solche Kräfte haben könnte“. Bei Vampiren kommt die Sehnsucht nach Unsterblichkeit dazu. Und im Musical kann man für drei Stunden in diese Welt eintauchen. Niemand hat ein Handy mit. Man ist nicht erreichbar und kann abschalten.

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