Von den Ärzten ohne Grenzen hat fast jeder schonmal gehört. Aber wie sieht es mit Ingenieure ohne Grenzen aus? „Wir arbeiten dran“, sagt Frank Lamers lachend. „Es hat sich aber schon viel getan in den vergangenen Jahren!“

Seit 2003 gibt es den bundesweiten Verein, zwei Jahre später entstand die Regionalgruppe in Hamburg, die gerade ihr 20-jähriges Bestehen feiern konnte. Lamers stieß früh zu der Gruppe, leitete sie mehrere Jahre und hat schon in fast alle Bereiche reingeschnuppert. Angefangen hat er mit lokaler Arbeit: „Ich war beruflich regelmäßig in Zentralasien und wollte nicht noch mehr reisen, aber mal was anderes machen“, erzählt er. An der Uni Harburg, an der er als Informatiker arbeitet, gab es eine Vortragsreihe der Ingenieure ohne Grenzen.Der erste Kontakt war hergestellt. „Ich hab erstmal Messestände und Events organisiert und ein Projekt mit Siebtklässlern, in dem wir ein Windrad gebaut haben“, so Lamers.
Hilfe zur Selbsthilfe
Als er dann ins Rechenzentrum der Uni wechselte und nicht mehr reisen musste, tat er es freiwillig und war 2023 bei der Erkundungsreise in Ghana dabei. Hier werden an einer Schule die mangelhaften Sanitäranlagen neu gebaut und ein neues Abwassersystem eingerichtet. Nach der Erkundungsreise läuft das weitere Projekt fast ohne Besuche vor Ort: „Wir stehen im Austausch und entwickeln die Konzepte, aber gebaut wird alles von Partnern vor Ort – die kennen die geltenden Vorschriften und sollen im besten Fall die Konzepte danach auch an Nachbarschulen und in Nachbarorten umsetzen können“, erklärt er.
Einen Besuch zur Umsetzung und einen zur Evaluierung nach Fertigstellung gibt es noch. Das nächste Projekt ist dann meistens nicht weit: „Oft kommt direkt jemand auf uns zu und wir haben dort einen weiteren Bedarf“, so Frank Lamers. Es kann aber auch jeder aus der Regionalgruppe ein Projekt vorschlagen. Wenn es umsetzbar ist, finanziert werden kann und sich ein Team findet, wird es realisiert.

Auslandsprojekte im globalen Süden sind der Schwerpunkt der Ingenieure ohne Grenzen, aber auch vor Ort gibt es Bildungsangebote und Workshops. Einige sind während der Pandemie weggefallen, aber im März startete in Kooperation mit einer Kita ein neues Projekt. Ins Leben gerufen hat es Dominique Mahler. Die Masterstudentin im Fach Maschinenbau ist seit 2021 mit an Bord und hat zunächst bei einem Projekt in Uganda mitgewirkt.
Selbstvertrauen für die Kleinsten
Im Garten-Familien-Café der Kita treffen sich regelmäßig die Kinder und Familien. Etwa alle sechs Wochen kommt ein kleines Team der Regionalgruppe dazu und bringt den Kindern naturwissenschaftliche Themen näher. „Wir haben kleine Windräder gebaut, einmal auch ein Auto mit Rückstoß-Antrieb“, sagt Dominique Mahler. Das Wichtigste: „Die Kinder dürfen selber hämmern und sägen und bauen alles selber. Wir sind dabei und erklären, aber nehmen ihnen die Ängste und zeigen ihnen, dass sie das auch alles selber können. Das erste Lächeln von einem Kind, dass verstanden hat, dass es die Säge wirklich selber benutzen darf, hab ich immer noch im Kopf“, sagt sie.
Neue Mitglieder für die In- und Auslandsprojekte, aber auch Fundraising, Kommunikation und ähnliches sind immer gern willkommen. „Man muss kein Ingenieur sein, bin ich auch nicht“, sagt Frank Lamers. „Wenn man sich engagieren möchte, finden wir für jeden einen Platz!“ Jeden ersten Donnerstag im Monat findet das Neuentreffen statt – hier wird die Arbeit der Regionalgruppe vorgestellt. Wer Interesse hat, kann sich per Mail anmelden und vorbeischauen:
hamburg@ingenieure-ohne-grenzen.org
Ingenieure ohne Grenzen
realisieren mit lokalen Partnern nachhaltige technische Lösungen im globalen Süden – mit Schwerpunkt auf Wasser, Sanitärversorgung, Energie und Bildungsinfrastruktur. Über 900 Ehrenamtliche aus deutschlandweit 28 Regionalgruppen helfen dafür auf allen Kontinenten weltweit. Zudem gibt es Bildungsangebote für Kinder in Deutschland im MINT-Bereich.
Spendenkonto
Ingenieure ohne Grenzen e. V.
Sparkasse Marburg Biedenkopf
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