13. Februar 2026
Magazin-Tipp

Resozialisierung: Warum Haft mehr sein muss als Strafe

Beispiel der Stiftungsarbeit mit dem Ziel Resozialisierung

Die Connecting Hearts Foundation setzt sich für Kinder von Strafgefangenen auf der ganzen Welt ein. In Abidjan wurde ein Fußballturnier zwischen inhaftierten Vätern und ihren Kindern ermöglicht.

Viel Meinung und wenig Ahnung – das bestimme die meisten Gespräche und Diskussionen über Haft, Gefängnis und allem, was mit dem Thema verknüpft ist. „Was verständlich ist, da einfach viel zu wenig drüber gesprochen wird. Ist auch kein schickes Thema für einen Wahlkampf“, sagt Oliver Drews. „Vor 25 Jahren war es bei mir ebenso. Jetzt bin ich fast schon ein Resozialisierungspapst.“

Gefängnis ist immer eine Bestrafung. Aber man muss schauen, wen man bestraft. Wirklich die Kinder?

Das liegt daran, dass er mittlerweile viel Ahnung hat. Auf jedem Kontinent, außer der Antarktis, hat er Gefängnisse besucht. „Mein ganzes Leben dreht sich um den Strafvollzug“, sagt er lachend. Dabei hatte er bis 2004 keinerlei Berührungspunkte mit dem Thema. Durch Zufall wurde er auf das Start-up Telio aufmerksam. Dort wurde jemand mit kommerziellem Hintergrund und Ideen gesucht. Und in Oliver Drews gefunden. Kurzerhand stieg er als Gesellschafter ein, mittlerweile ist er CEO und hat das einstige Start-up zum weltweiten Marktführer ausgebaut.

Resozialisierung beginnt mit Kontakt

Oliver Drews
Oliver Drews stellte beim 31. Blankeneser Neujahrsempfang seine Stiftung Connecting Hearts vor. // Foto: Carsten Genz

Worin? „Wir entwickeln Kommunikationslösungen für Insassen“, fasst er knapp zusammen. Das umfasst Telefonie und seit Corona auch immer mehr Videotelefonie. Jede Anstalt bekommt ihr eigenes System, maßgeschneidert, mit Sicherheitsfeatures wie zeitlichen Begrenzungen und der Möglichkeit, mitzuhören.

Klingt banal, ist für viele Insassen aber eine riesige Motivation: „Es gibt ihnen die Möglichkeit, den Bezug zu Freunden und Familie nicht zu verlieren. Und was ist eine größere Motivation als die eigenen Kinder?“, so Drews. „Damit steigen die Chancen auf eine erfolgreiche Resozialisierung.“

Und das müsse das Hauptziel sein. Aktuell liegt die Rückfallquote bei Sträflingen in Deutschland bei fast 50 Prozent. „Viele sagen, Gefängnis solle der Bestrafung dienen. Aber eine Strafe ist Haft immer. Nicht nur für die betroffene Person“, so Drews. Auch für die Hinterbliebenen, die Kinder. Oft sind Ausgrenzung, Schuldgefühle und der soziale Abstieg das Resultat. „Das wird in Prozessen nicht mitgedacht. Und das ist meiner Meinung nach falsch“, so Drews.

Haft trifft nicht nur die Inhaftierten

Das will er verändern, das Thema öffentlicher machen, in der Gesellschaft und Politik platzieren. Ein Schritt zum Ziel war die Gründung der Connecting Hearts Foundation im Jahr 2022 – als eine Art Lobby für die Kinder von Strafgefangenen. Weltweit, insbesondere da, wo Telio vertreten ist und er Kontakte zu den Strafanstalten hat, unterstützt die Stiftung Projekte, die sich für die Kinder von Inhaftierten einsetzen, oder ruft selber welche ins Leben.

2025 fand erstmals ein Fußballturnier zwischen Eltern und Kindern in der Justizvollzugsanstalt Billwerder statt. Ein ganzer gemeinsamer Tag, mit Training, Spielen und anderen Veranstaltungen. „Die Kinder hatten einfach eine schöne Zeit mit ihren Eltern. Man konnte für diese Zeit gut vergessen, dass man sich im Gefängnis befindet“, berichtet er. Auch für ihn und sein Team war es ein sehr emotionales Erlebnis: „Es gab Freudentränen am Anfang und Tränen zum Abschied. Man hat viel mitbekommen, die Partner und Kinder der Inhaftierten haben sich untereinander und mit uns ausgetauscht. Das hat extrem bewegt.“

Von solchen Erlebnissen möchte er mit Connecting Hearts mehr schaffen. Auch Ausflüge ins Miniaturwunderland sind geplant. „Das klingt banal, aber viele der Kinder haben dazu nicht die Möglichkeit“, erklärt Oliver Drews. Noch ist die Stiftung rein ehrenamtlich, er und zehn Mitstreiter kümmern sich nebenbei. „Aber wir überlegen, das ganze zu professionalisieren. Das Feedback ist grandios und wir wollen noch mehr möglich machen und mehr Leute erreichen!“

Connecting Hearts

Die gemeinnützige Stiftung setzt sich für Kinder von inhaftierten Eltern ein. Ziel ist es, ihre Rechte, Chancen und Perspektiven zu stärken und das oft übersehene Thema gesellschaftlich sichtbar zu machen. Die Stiftung fördert internationale Hilfsprojekte, vernetzt engagierte Partner und schafft Räume für Begegnung und positive Erinnerungen zwischen Kindern und ihren Eltern. Spenden unterstützen die Arbeit der Stiftung direkt und nachhaltig.

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